Glosse

Des Kreisels neue Kunst

Südsicht auf den Zusammenhang zwischen Kreiselkunst und Kinderarbeit.

Roman Scherrer
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Der provisorische Kreisel an der Winterthurerstrasse in Sirnach wird einem grösseren Kreisel weichen. (Bild: Roman Scherrer)

Der provisorische Kreisel an der Winterthurerstrasse in Sirnach wird einem grösseren Kreisel weichen. (Bild: Roman Scherrer)

Nun also doch: Sirnach bekommt an der Winterthurerstrasse einen richtig grossen Kreisel. Ob das Lastwagenchauffeure freuen wird, ist gar nicht so klar. Denn am heutigen kleinen Provisorium können sie mit einem Pneu-Streifer jeweils noch eine Nachricht im Sinne von «ich war hier» hinterlassen.

Roman Scherrer

Roman Scherrer

Sicher keine Freude werden die Sirnacher Schüler haben, wenn ihre Lehrer auf die Idee kommen, dass der neue Kreisel etwas ausgeschmückt werden sollte. Sie wären es dann nämlich, die in ihrem Werkunterricht die Kreiselkunst fertigen müssten. Das ginge ja noch. Aber wer will denn schon, jedes Mal, wenn er auf die Autobahn fährt, an sein nicht vorhandenes handwerkliches Talent in der Schulzeit erinnert werden?

Kein Geheimnis aus der Kinderarbeit macht man jedenfalls in Balterswil. Hier montieren die Schüler Solarzellen auf dem Dach der Lützelmurg-Turnhalle – natürlich mit professioneller Hilfe. Spricht sich das aber herum, könnte dieses Vorgehen – Achtung – Schule machen. In Braunau etwa. Dort fehlt das Geld für die laufenden Kosten, die eine neue Turnhalle verursachen würde. Müssen jetzt dafür auch die Kinder hinhalten? Und Kreiselkunst verkaufen? Na, dann dürften sich selbst die verbohrtesten Klimaleugner nicht mehr über streikende Schüler wundern.