Glosse

Derweil in der Schweiz

Freie Fahrt für freie Karlishuber war gestern. Heute ist Tempolimit angesagt. Welches, spielt keine Rolle. Denn um den Weiler geht es eigentlich gar nicht. Oder fast nicht.

Olaf Kühne
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Olaf Kühne

Olaf Kühne

Im Weiler Karlishub in der Gemeinde Tobel-Tägerschen haben Unbekannte Tempo-50-Tafeln gegen Tempo-40-Tafeln ausgetauscht. Als ich vergangene Woche diese Schlagzeile las, war gerade der letzte Tag spannender und entspannender Ferien auf Kap Verde angebrochen. 15 Inseln zählt der Archipel draussen im Atlantik vor Westafrika – und 600000 Einwohner.

Sie nennen sich stolz Kreolen, sind also die bunt gemischten Nachfahren afrikanischer Sklaven. Der berüchtigte Dreieckshandel lief bis ins 19. Jahrhundert über Kap Verde. Mit dem Sklavenhandel stopfte sich – unter anderen – die portugiesische Krone jahrhundertelang ihre Taschen voll.

Ihre ebenso unzimperlichen Nachfolger hinterliessen auf der Hauptinsel Santiago auch ihre Spuren. 1936 bauten die portugiesischen Faschisten ein Konzentrationslager. Geschlossen wurde es erst 1975. Bewohner der Insel hatten die Gefangenen mit einer Grossdemonstration befreit, nachdem in Portugal das faschistische Regime gestürzt worden war, und die Kolonialmacht das besetzte Territorium aufgeben musste.

Nach 46 Jahren Unabhängigkeit sind auf Kap Verde die ersten sechs Schuljahre kostenlos, für die meisten Kinder gibt es sogar Schulbücher und eine Art Uniform. Auf Santiago hat es seit zwei Jahren nicht mehr geregnet. Bauern, die es sich leisten können, lassen in Zisternenwagen Wasser aus Entsalzungsanlagen herbeikarren. Die anderen kommen sonst irgendwie über die Runden.

Derweil in der Schweiz: Im Weiler Karlishub in der Gemeinde Tobel-Tägerschen haben Unbekannte Tempo-50-Tafeln gegen Tempo-40-Tafeln ausgetauscht.