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Kanton spart auf Kosten der Hinterthurgauer Schüler. Diese müssen künftig nach Frauenfeld zur Berufsinformation.

Die Schülerinnen und Schüler des Hinterthurgaus werden ab kommendem Schuljahr das Berufsinformationszentrum in Wil nicht mehr nutzen können. In Zukunft müssen sie nach Frauenfeld fahren. Der Unmut ist gross.
Annina Quast
Im BIZ haben Schüler die Möglichkeit, sich über Berufsfelder zu informieren und eine Beratung in Anspruch zu nehmen. (Bild: ZVG)

Im BIZ haben Schüler die Möglichkeit, sich über Berufsfelder zu informieren und eine Beratung in Anspruch zu nehmen. (Bild: ZVG)

Für die Schüler des südlichen Thurgaus verlängert sich der Weg zu einer Berufsberatung ab dem kommenden Schuljahr. Der Grund: Sie werden in das Berufsinformationszentrum (BIZ) in Frauenfeld gehen müssen. Bisher durften die Schüler der Hinterthurgauer Schulen das BIZ in Wil nutzen. Dort waren Berater mit Schwerpunkt Thurgau für diese Schüler zuständig.

"Der Kanton St. Gallen hat die Leistungsvereinbarung für den Hinterthurgau gern umgesetzt."

Der Grund für diese Änderung sind Sparmassnahmen. Der Kanton Thurgau hat im Rahmen des Haushaltgleichgewichts 2020 entschieden, die Finanzierung der Beratungsstellen für die Hinterthurgauer im BIZ in Wil einzustellen. Dabei handelt es sich um einen politischen Entscheid über die Leistungsvereinbarung, die zwischen dem Kanton Thurgau und dem Kanton St. Gallen getroffen wurde. Dies wird nun mittels Personalmassnahmen des Kantons St. Gallen umgesetzt. Dazu gehören eine Pensionierung und ein Personalwechsel von Wil in die Stadt St. Gallen. Der Bildungsdirektor des Kantons St. Gallen, Regierungspräsident Stefan Kölliker, bedauert die Entscheidung: «Der Kanton St. Gallen hat über Jahre die Leistungsvereinbarung für den Hinterthurgau gern und engagiert umgesetzt. Für unsere Dienstleistungen haben wir auch aus dem südlichen Thurgau stets guten Zuspruch erhalten.»

Auch die Verantwortlichen des Berufsinformationszentrums in Wil sind nicht glücklich mit dem Entscheid des Kantons Thurgau. Man denkt vor allem an die Schüler und Eltern, die nun einen längeren Weg auf sich nehmen müssen.

Das Angebot bleibt gleich

Philipp Rüdin-Pinto Schulleiter Sek Eschlikon

Philipp Rüdin-Pinto
Schulleiter Sek Eschlikon

Grosser Unmut ist in den betroffenen Schulen des angrenzenden Thurgaus vorhanden. Philipp Rüdin-Pinto, Schulleiter der Sekundarschule Eschlikon, ist überzeugt, dass wegen des längeren Weges weniger Schüler eine Beratung aufsuchen werden: «Die Hemmschwelle, das BIZ zu nutzen, wird deutlich höher. Wir waren sehr zufrieden mit der Dienstleistung des BIZ Wil; mit der Beratung und der praktischen Nähe. Es war möglich, das BIZ in Wil mit der Klasse einen Nachmittag zu besuchen. Dies wird ab dem neuen Schuljahr klar mehr Zeit in Anspruch nehmen.»

Vor zwei Jahren kam es bereits einmal zu einer ähnlichen Kürzung: Jeweils einmal im Monat war eine freiwillige Beratung des BIZ Wil in der Schule selber angeboten worden. Diese wurde dann, zum Bedauern vieler Schulgemeinden des Hinterthurgaus, ebenfalls aus Spargründen und wegen der Vereinheitlichung des Bildungskonzepts vom Kanton Thurgau eingestellt. Dafür wurden direkte Besuche der Schüler beim BIZ eingeführt. «Bereits damals wurde die Hemmschwelle, eine Beratung aufzusuchen, erhöht. Jetzt ist sie wiederum durch einen viel längeren Anreiseweg gestiegen. Vor allem für bildungsfernere Schichten wird sich der Standortwechsel negativ auswirken», sagt Rüdin-Pinto.

"Der Kanton spart in der Bildung. Aber für die Hinterthurgauer Schüler wird der Aufwand für den Besuch des BIZ grösser."

Für die Schüler wird der Weg von 10 Minuten auf bis zu 50 Minuten länger. «Auf diese Weise spart der Kanton in der Bildung. Die Dienstleistung des BIZ wird im kommenden Schuljahr gleich bleiben wie im aktuellen Schuljahr. Der Aufwand für den Besuch des BIZ wird jedoch grösser werden», sagt Rüdin-Pinto.

Schulpräsidenten zum Austausch eingeladen

Der Leiter des Amtes für Berufsberatung und Berufsbildung des Kantons Thurgau, Marcel Volkart, begründet die Entscheidung: «Der Aufwand der Abteilung in Wil war gross. Die Koordination wurde zuletzt immer schwieriger, da die Bildungsprogramme der Kantone Unterschiede aufweisen. Dazu gehören zum Beispiel Brückenangebote, Integrationskurse oder die Berufsmaturität. Somit konnte kein einheitliches Beratungsangebot bereitgestellt werden. Dies ist natürlich unser Ziel, welches wir in Zukunft in Frauenfeld garantieren können. Wir verfügen mit dem BIZ Frauenfeld über ein Kompetenzzentrum Berufsbildung und Beratung, welches die spezifischen Besonderheiten des Kantons abdeckt.» Weiter sagt Volkart: «Der Entscheid ist somit inhaltlich gerechtfertigt. Trotzdem kann ich den Unmut der betroffenen Schulgemeinden verstehen.»

Darum habe das Amt für Berufsbildung und Berufsberatung die Schulpräsidien der betroffenen Gemeinden zu einem Austausch eingeladen. Dabei informierten die Verantwortlichen über das Angebot des BIZ Frauenfeld. «Der Austausch verlief wohlwollend. Die Schulpräsidien zeigten sich offen für die neuen Beratungsformate», sagt Marcel Volkart.

Der Schulpräsident der Volksschulgemeinde Eschlikon, Linus Köppel, bestätigt die positive Resonanz des runden Tisches mit dem Amt. Man hätte sich jedoch eine proaktivere Kommunikation des Kantons gewünscht. Weiter sagt der Schulpräsident, dass sich, abgesehen von den kantonalen Strukturen, der Hinterthurgau aus verkehrstechnischen Gründen eher Richtung Wil und Winterthur orientiert als nach Frauenfeld.

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