«Der Wald soll nicht möbliert werden»: Primarschulgemeinde Gachnang ist wegen Bauten im Wald unter Beschuss

In Gachnang ist ein Streit um die Unterstände der Primarschulgemeinde im Wald entbrannt. Die Bauten werden während der Waldtage genutzt. Nun verlangt das kantonale Forstamt, dass sie abgebrochen werden.

Rahel Haag
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Schulpräsident Sven Bürgi neben einem der Unterstände in einem Waldstück im Weiler Rosenhuben bei Gachnang.

Schulpräsident Sven Bürgi neben einem der Unterstände in einem Waldstück im Weiler Rosenhuben bei Gachnang.

Bild: Reto Martin

«Wie kann man dagegen etwas haben?», fragt Sven Bürgi und deutet auf den Unterstand in einem Waldstück im Weiler Rosenhuben bei Gachnang. Der Waldboden ist über und über mit Laub bedeckt, Nebelschwaden hängen zwischen den Bäumen, einzelne Sonnenstrahlen lassen die Szenerie beinah märchenhaft erscheinen.

Bürgi ist Präsident der Primarschulgemeinde Gachnang. Seit 15 Jahren führt die Schule sogenannte Waldtage durch. Er sagt:

«Aktuell sind es fünf Kindergartengruppen mit insgesamt rund 100 Kindern.»

Über die Woche verteilt, verbringen die einzelnen Gruppen jeweils einen Vormittag im Wald. Hierfür wurden zwei Unterstände samt Feuerstellen erstellt. Die Bauten bestehen aus Brettern und erinnern an kleine Häuschen, die Dächer sind mit Plastikblachen gedeckt. Jener Unterstand am Bach verfügt an den Seiten über vier Plexiglasscheiben. Türen gibt es nicht.

Der zweite Unterstand der Primarschulgemeinde Gachnang.

Der zweite Unterstand der Primarschulgemeinde Gachnang.

(Bild: Rahel Haag)

Bauten müssen bis September 2020 weg

Im Spätsommer hatte eine Privatperson aus Gachnang beim Forstamt des Kantons Thurgau eine Meldung eingereicht und verlangt, dass die Bauten abgerissen werden. Das bestätigt Daniel Böhi, Leiter des kantonalen Forstamts. Er sagt:

Daniel Böhi, Leiter des kantonalen Forstamts.

Daniel Böhi, Leiter des kantonalen Forstamts.

(Bild: Reto Martin)
«Der Wald soll nicht möbliert werden.»

Die Bauten in Gachnang seien dermassen umfangreich, dass eine Baubewilligung erforderlich wäre. Eine solche liegt aber nicht vor.

Das gibt auch Bürgi zu. «Seit 2004 hat es von offizieller Seite aber keinerlei Beanstandungen gegeben», sagt er. Zudem sei die Schulgemeinde vom Besitzer des Waldstücks von Anfang an unterstützt worden. Nach dem Eingang der Meldung habe es eine Begehung mit Vertretern des Kantons gegeben. «Sie machten uns klar, dass die Bauten bis September 2020 abgerissen werden müssen.» Bürgi schüttelt den Kopf.

Es sei ihm völlig klar, dass der Kanton dieser Meldung nachgehen müsse. «Wir gehen mit den Kindern aber bei jedem Wetter in den Wald», sagt Bürgi. Da sei es wichtig, dass sie einen Rückzugsort hätten. «Einen mit einem Dach, falls es regnet.» Zudem seien die Kindergärtnerinnen darauf angewiesen, geführte Sequenzen im Trockenen durchführen zu können. Bürgi befürchtet:

«Sollten wir die Unterstände abbrechen müssen, laufen die Eltern Sturm.»

Die Kantonsvertreter hätten vorgeschlagen, dass die Schulgemeinde im Wald in einer Kiste Werkzeug sowie eine Blache deponieren könnte. Letztere könnte bei Regen gespannt werden. Nach dem Waldmorgen müsste sie wieder abgebaut werden. «Das kann doch nicht die Lösung sein», sagt Bürgi. Aktuell könne er nicht sagen, ob das Angebot nach dem allfälligen Abbruch der Unterstände überhaupt weitergeführt werde.

Kein waldfremdes Material wie Plastik oder Metall

Aus Sicht des Forstamts sind bei einem Waldkindergarten eine einfache Feuerstelle mit Umrandung, eine demontierbare Blache als Regenschutz sowie eine abschliessbare Holzkiste für Material zulässig. Zudem dürfte auch ein Waldsofa aus Astmaterial des Waldes gebaut werden. Hierbei handelt es sich um ein halbrundes Astgeflecht, das als Sitzgelegenheit dient. Dabei halte sich das Forstamt in Rücksprache mit der Pädagogischen Hochschule an das Motto «Weniger ist mehr».

«Grundsätzlich soll kein waldfremdes Material verwendet werden», sagt Böhi. Sprich: weder Plastik noch Metall. Ein Waldsofa könne man einfach verfallen lassen. Er fügt hinzu:

«Ich denke, das Bedürfnis nach Bauten, wie sie in Gachnang genutzt werden, ist gar nicht vorhanden.»

Es gehe doch gerade darum, dass die Kinder den Wald erlebten und mit den Materialien auskämen, die dieser biete.

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