Kommentar

Der Wahlkampf kann beginnen

Die Kandidatur von Karin Bétrisey ist zu begrüssen. Die Politikerin der Grünen belebt damit den sonst eher flauen Wahlkampf um die fünf Thurgauer Regierungssitze, schreibt Redaktor Sebastian Keller.

Sebastian Keller
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Sebastian Keller, Redaktor «Thurgauer Zeitung», Ressort Thurgau.

Sebastian Keller, Redaktor «Thurgauer Zeitung», Ressort Thurgau.

(Bild: Reto Martin)

Die Kandidatur von Karin Bétrisey ist eine frohe Botschaft. Erst durch sie wird aus der Gesamterneuerungswahl für den Regierungsrat ein echter Wahlkampf. Ohne ihr Mittun hätten sich die vier Bisherigen Monika Knill (SVP), Carmen Haag (CVP), Cornelia Komposch (SP) und Walter Schönholzer (FDP) bereits entspannt zurücklehnen können. Und Urs Martin, den die SVP nominiert, hätte den Sitz von Jakob Stark quasi geerbt. Viele bemühten die Metapher des Schlafwagens. Doch eine stille Wahl – wenn auch nur theoretisch – wäre für die höchsten politischen Ämter einer Demokratie unwürdig gewesen.

Nun müssen sich alle Kandidaten – bisherige wie neue – den Stimmberechtigten präsentieren. Programmatisch wie persönlich. Das muss kein Nachteil sein. Für Urs Martin schon gar nicht. Er bekommt zwar Konkurrenz, kann sich aber erst dadurch richtig profilieren. Als Kantonsrat zeigt er, dass er den rhetorischen Schlagabtausch liebt, ja geradezu sucht. So ist auch seine erste Reaktion zu werten: «Wettbewerb belebt das Geschäft», schreibt er auf Twitter. Und genau das soll Demokratie sein. Ein Wettbewerb um Ideen und Köpfe.

Ob die Grünen eine reelle Chance haben, steht auf einem anderen Blatt. Fakt ist, die heutige Thurgauer Zauberformel hat seit über 30 Jahren Bestand. Die vier Regierungsparteien – allen voran die SP – werden daher den Teufel tun, den Grünen den roten Teppich auszurollen. Grüne Welle hin oder her – das Wählerpotenzial für Öko-Parteien im Thurgau ist begrenzt. Gerade bei Majorzwahlen. Bei dieser Ausgangslage wäre nur schon ein zweiter Wahlgang ein Erfolg.