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Der verstorbene Herr der Schlösser: Er sammelte, bis es nicht mehr ging

Der Immobilienkönig Bruno Steffanini ist vor rund zwei Wochen im Alter von 94 Jahren verstorben. In den Nachkriegsjahren errichtete er sich ein Imperium. Jedoch waren seine Häuser nur mangelhaft unterhalten. So auch die Schlösser Salenstein und Luxburg in Egnach.
Reto Flury
Bruno Stefanini im Park von Schloss Luxburg in Egnach. Sein Immobilienreich wird auf rund eine Milliarde Franken geschätzt. (Bild: Urs Oskar Keller; 1991, Egnach)

Bruno Stefanini im Park von Schloss Luxburg in Egnach. Sein Immobilienreich wird auf rund eine Milliarde Franken geschätzt. (Bild: Urs Oskar Keller; 1991, Egnach)

Zuletzt hat man ihn vor einigen Jahren auf dem Flohmarkt gesehen: ein greiser Mann mit Stoppelbart und abgewetztem Mantel, der durch die Gassen der Winterthurer Altstadt trottete. Leuten, die ihn grüssten, nickte er kurz zu und sagte «Grüezi». Danach kramte er in einer Bananenschachtel oder fragte nach dem Preis eines alten Bildes, das er in den Händen hielt.

Bruno Stefanini hat gesammelt, bis es nicht mehr ging. Er wollte Dingen ein zweites Leben schenken, den Zyklus von Werden und Vergehen stoppen. Dabei ist viel zusammengekommen. Seine Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte, die er an Heiligabend 1980 gegründet hatte, soll rund 34'000 Gegenstände zählen.

Darunter sind ein Hut Napoleons, ein Mantel General Guisans oder das Reitkostüm von Kaiserin Sissi. Zum Stiftungsbesitz gehören aber auch Schlösser wie Salenstein im Thurgau oder Grandson am Neuenburgersee. Die Sammlung von Anker- und Hodler-Gemälden zählt neben derjenigen von Christoph Blocher zu den bedeutendsten.

Mit dem Studium verdient man kein Geld

Seine Sammeltätigkeit war beseelt von glühendem Patriotismus und Heimatliebe, die vor und während des Zweiten Weltkriegs von der Geistigen Landesverteidigung angefacht wurden. Er, der 1924 geborene Sohn eines italienischen Einwanderers, hielt in jüngeren Jahren Vorträge mit Titeln wie «Die Bundesverfassung» oder «Die Geschichte des Tösstals». Als er später an der ETH studierte, belegte er mehrere Freifächer in den Bereichen Geschichte und Deutsch.

Das Studium seiner Leidenschaft zu widmen, war jedoch keine Option. Auf die Frage, warum er sich nicht für eine Geisteswissenschaft entschieden habe, soll er zur Antwort gegeben haben: «Weil man danach kein Geld verdient.» So wird es in der Biografie überliefert, die der Historiker Miguel García 2016 veröffentlicht hat.

Wohnblöcke, Hochhäuser

Reich wurde Bruno Stefanini mit Immobilien. Das erste Haus überschrieb ihm der Vater. Giuseppe Stefanini war nicht nur Wirt im Restaurant Zum Salmen in der Altstadt. Er leitete auch die Società Cooperativa, hatte ein kleines Vermögen aufgebaut und – wohl dank seinen Kontakten – mehreren Baugenossenschaften Häuser abgekauft. Der Sohn tat es ihm gleich. Nur mit ungleich grösserem Erfolg.

Anfang der fünfziger Jahre verliess er die ETH wieder. «Die Entwicklung meines Geschäfts in Winterthur zwingt mich, die Studienrichtung zu ändern», bemerkte er im Austrittsschreiben. Er war noch ein paar Semester bei den Wirtschaftswissenschaften an der Universität Zürich eingeschrieben, bevor er sich vollends der Praxis verschrieb – und als Autodidakt ein Imperium aufbaute.

Riecher für Konsumgesellschaft

Es waren die Jahre des Nachkriegsbooms, als Stefanini mit seinem Freund und Geschäftspartner Hans Robert Jenny zur Jagd nach Bauprojekten aufbrach. Mit grossem Geschäftssinn ahnte er, was die werdende Konsumgesellschaft in Winterthur und der übrigen Schweiz an Hardware benötigte.

Im Glatttal, wo gerade der Flughafen eröffnet worden war, stampfte er Wohnblöcke aus dem Boden, ebenso in Spreitenbach, das immer mehr unverheiratete Paare anlockte, nachdem der Aargau das Konkubinatsverbot aufgehoben hatte. In Chur und Wettingen baute er Hochhäuser, in Bülach ein Einkaufszentrum, beim Winterthurer Hauptbahnhof das Parkhaus.

«Stefanini-Haus» bedeutet Lotterbude

Stefanini wurde Multimillionär. Der Wert seines Immobilienreichs, zu dem auch das Sulzer-Hochhaus zählt, wird auf rund eine Milliarde Franken geschätzt. Er war Patron durch und durch. Er kontrollierte alles und delegierte wenig. Viele Liegenschaften gehörten ihm persönlich, auch die Verwaltungsfirma Terresta AG.

Mit der Zeit trug ihm seine Geschäftspolitik immer mehr Kritik ein. Denn einmal gebaut oder erworben, wurden viele Häuser von Stefanini nur mangelhaft unterhalten, geschweige denn saniert. «Stefanini-Haus» wurde zum Synonym für Lotterbude. Besonders akut war die Lage in der Winterthurer Altstadt, wo ihm rund fünfzig Liegenschaften gehörten und wo Dachziegel auf Passanten zu stürzen drohten. Es tauchten auch Fragen um die sagenumwobene Stiftung auf, die ihren Kunstschatz nicht präsentierte.

In Bedrängnis geraten

In den nuller Jahren setzten Stadt und Politik immer mehr Druck auf. Die Stadt drängte auf Sanierungen, im Kantonsrat gab es Vorstösse für eine «Lex Stefanini»: Liegenschaftsbesitzer, die ihren Besitz nicht pflegen, sollten enteignet werden.

Als «Landbote»-Journalisten den über Achtzigjährigen zum Interview trafen, war er nervös und wich den Fragen aus. Er habe sich nicht als Interviewpartner, sondern als Angeklagter in einem Verhör gesehen, berichteten sie später. Stefanini verhinderte schliesslich die Publikation des Gesprächs.

Wandel hin zum kunstliebenden Unternehmer

Ab 2008 zog er sich immer mehr zurück. Wohl unter dem Einfluss seiner Mitarbeiter wurden jetzt mehr Häuser saniert. Zudem zeigte die Stiftung an zwei Ausstellungen in Bern und Martigny ihre Prunkstücke. Wie der Biograf Miguel García feststellt, setzte damit auch ein Wandel in der öffentlichen Wahrnehmung Bruno Stefaninis ein: weg vom schrulligen Millionär, hin zum kunstliebenden, asketischen Unternehmer, der laut eigenen Aussagen am liebsten Cervelat und Brot ass.

Es entflammte 2014 auch ein erbitterter Streit zwischen seiner Entourage und seinen Kindern um die Kontrolle der Stiftung. Der Streit ging nach diversen Gerichtsurteilen zugunsten von Bettina Stefanini aus.

Wie viel Bruno Stefanini davon mitbekam, ist nicht bekannt. Er war seit längerem schwer krank und ans Bett gefesselt. Am 14. Dezember ist er 94-jährig verstorben.

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