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Der Verkehrsclub Thurgau fordert mehr Fussgängerzonen

Der Kanton Thurgau überarbeitet sein Gesamtverkehrskonzept. Von Juni bis Ende Oktober lief die Vernehmlassungsfrist. Die Sektion Thurgau des VCS hat mehrere Anmerkungen.
In der Stadt St.Gallen gibt es eine grosse Fussgängerzone, im ganzen Kanton Thurgau jedoch kaum eine. (Bild: Michel Canonica)

In der Stadt St.Gallen gibt es eine grosse Fussgängerzone, im ganzen Kanton Thurgau jedoch kaum eine. (Bild: Michel Canonica)

(red) Die Sektion Thurgau des Verkehrs-Clubs der Schweiz (VCS) äussert sich zur Revision des kantonalen Gesamtverkehrskonzepts in vier Punkten: Fussgänger, motorisierter Individualverkehr, öffentlicher Verkehr und Radverkehr.

1. Fehlende Fussgängerzonen

Peter Wildberger, VCS Sektion Thurgau. (Bild: Andrea Stalder)

Peter Wildberger, VCS Sektion Thurgau. (Bild: Andrea Stalder)

«Wohl in keinem Kanton der Schweiz gibt es so wenig Fussgängerzonen wie im Kanton Thurgau, wo einzig in Gottlieben eine solche besteht», schreibt Peter Wildberger, Präsident der VCS Sektion Thurgau. Auch im neu revidierten Gesamtverkehrskonzept fehle der Mut, Begriffe wie Fussgänger- oder Begegnungszonen zu erwähnen. Solche Zonen in Stadt- und Dorfzentren, um Schulhäuser, um Altersheime und publikumsintensive Anlagen wie Einkaufszentren würden die Aufenthalts- und Wohnqualität verbessern und die Unfallgefahr sowie den Suchverkehr verringern.

2. Motorisierter Individualverkehr

In der jetzt zu beschliessenden Gesamtverkehrsperiode müssen Verbesserungen ohne Ausbau der Bodensee-Thurtalstrasse (BTS) gesucht werden, schreibt Wildberger. Denn es sei absehbar, dass ein Bau dieser Hochleistungsstrasse nicht vor 2040 fertig gestellt sein werde. Für das Jahr 2040 seit mit der BTS zwischen Romanshorn und Arbon eine Zunahme des motorisierten Individualverkehrs (MIV) von 60 Prozent prognostiziert (40'000 statt 25'000 Fahrzeuge pro Tag). Das sei ein Grund, die BTS nicht zu bauen, da sie gemäss diesen Prognosen den MIV geradezu ankurbele und den Bahn- und Radverkehr massiv konkurrenziere, was den Zielen des Konzepts widerspreche. In der Vernehmlassungsantwort heisst es: «Offensichtlich glaubt das Tiefbauamt diesen Zahlen auch nicht, sonst hätte es die BTS vierspurig projektieren müssen, denn eine zweispurige Schnellstrasse schluckt einen Verkehr von 31'500 Fahrzeugen pro Tag nicht.»

3. Öffentlicher Verkehr: Zusätzliche Bahnhaltestellen

Auf der Seelinie sei in den letzten Jahren eine ganze Anzahl zusätzlicher Bahnhaltestellen eröffnet worden, die nicht mehr wegzudenken seien. «Nun sollten auch auf dem übrigen Bahnnetz neue Haltestellen gebaut werden, denn deren Nutzen ist gross und mit den modernen spurtstarken Zugskompositionen ist der Zeitverbrauch eines zusätzlichen Haltes klein», schreibt Wildberger. Folgende Standorte hält die VCS Sektion Thurgau für wichtig: Romanshorn Hof/Salmsach, Weinfelden Süd, Weinfelden Gontershofen, Frauenfeld West.

Das grösste Kosten-Nutzen-Verhältnis hätte demnach wohl eine Haltestelle Frauenfeld West unter der Brücke der Weststrasse. Diese würde auch als Zugang zur Haltestelle dienen. Es würden riesige Pendlerströme Richtung Winterthur/Zürich bestehen und ein direkter Zugang aus den westlichen Quartieren Frauenfelds zur Bahn statt einer Busfahrt mit Umsteigen am Bahnhof Frauenfeld würde einen entscheidenden Zeitvorteil bringen. Im Gegensatz zur Haltestelle Frauenfeld Ost entfalle eine kostspielige Verlegung eines Industriegeleises.

4. Radverkehr

Beim Alltags-Radnetz muss unterschieden werden zwischen Rad-Schnellverbindungen (Durchleitungsfunktion) und dem Grundnetz der Alltagsrouten für die Feinverteilung und Nahversorgung, wobei jede Gemeindestrasse im Prinzip radfreundlich sein soll. Wichtig für den Kanton sind die Erstellung eines Radschnellnetzes und die koordinierenden Aufgaben für die Rad-Schnellverbindungen, die sich insbesondere für Arbeitswege und Schulwege für ältere Schüler eignen sollen.

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