Der VBC Aadorf flirtet mit der Nationalliga A

Die NLB-Frauen des VBC Aadorf sind in dieser Saison noch unbesiegt. Der Schritt in die höchste Liga wäre für den Club aus dem Hinterthurgau aber kostspielig.

Matthias Hafen
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Für Präsidentin Sonja Mathis steht das Wohl des VBC Aadorf über den sportlichen Ambitionen.

Für Präsidentin Sonja Mathis steht das Wohl des VBC Aadorf über den sportlichen Ambitionen.

Bild: Mario Gaccioli

Die Zahlen sind eindrücklich: acht Spiele, acht Siege und ein Satzverhältnis von 24:6. Der VBC Aadorf ist in der NLB-Ostgruppe der Frauen einsamer Leader. Die Equipe von Trainer Cao Herrera gab in der laufenden Saison erst einen Punkt ab, am vorletzten Spieltag beim 3:2-Sieg in Luzern. Ansonsten konnte den Hinterthurgauerinnen kein Konkurrent auch nur annähernd das Wasser reichen.

Keine Frage, dass bei dieser Dominanz Stimmen nach einem Aufstieg laut werden. Clubpräsidentin Sonja Mathis sagt: «Wir müssen uns gut überlegen, ob ein Aufstieg für uns Sinn machen würde.» Der VBC Aadorf sei immer für eine nachhaltige Entwicklung eingestanden und werde daran festhalten.

Zwei, drei Sponsoren fehlen für die höchste Liga

Vor allem finanziell wäre eine Promotion eine grosse Herausforderung für die Aadorferinnen. In der NLA wird mit Budgets zwischen 130000 Franken (Toggenburg) und 700000 Franken (Aesch Pfeffingen) gewirtschaftet. «Wir müssten unser Budget verdoppeln», sagt Präsidentin Mathis. Nur so würde man Strukturen bieten können, die einem NLA-Betrieb gerecht würden. Gefordert wäre etwa ein Tagesbetrieb fürs Training oder die Verpflichtung von Ausländerinnen. «Dazu fehlt uns derzeit das Kapital. Wir sind zwar verhältnismässig gut aufgestellt für die Nationalliga B, doch bräuchten wir zusätzlich zwei bis drei Sponsoren, um unseren Traum von der Nationalliga A zu verwirklichen.»

Allerdings war die Abneigung gegenüber einem Aufstieg innerhalb des VBC Aadorf auch schon vehementer. Auch, weil man weiss, dass die sportliche Infrastruktur für den NLA-Spielbetrieb genügen würde und das aktuelle Kader Potenzial mitbringt. Und: «Wir müssen uns nicht um den Nachwuchs sorgen», sagt Sonja Mathis. «Wir haben seit Jahren einen guten Zulauf und damit einen stabilen Unterbau.» Derzeit werden in der NLA-Equipe regelmässig drei Spielerinnen aus dem eigenen Nachwuchs eingesetzt. Ende November haben die Hinterthurgauerinnen deshalb beim nationalen Verband Swiss Volley den unverbindlichen Wunsch nach einem Aufstieg deponiert. Das definitive Bekenntnis wird Ende Februar verlangt.

Ziel bleibt der Titel in der Nationalliga B, nicht mehr

Sollten sich keine zusätzlichen Sponsoren finden, gäbe es gemäss Präsidentin Mathis auch die Variante «NLA-Light». «Wir könnten bei einem sportlichen Triumph mit dem bestehenden Kader auch einfach mal aufsteigen, ein Training mehr pro Woche einplanen und dann schauen, wie weit das reicht.» Allerdings befürchtet die Präsidentin dann einen Platz in den hinteren Rängen. «Und wir alle wissen, dass die Zuschauer lieber ein Siegerteam anfeuern als ein Verliererteam.» Doch sieht Mathis auch das Potenzial jener Matchbesucher, die Aadorf in der NLA aus reiner Neugier schauen und unterstützen würden. Auch Sponsoren? «Das meinen viele», sagt Mathis. «Ich bin da eher skeptisch.» Zumindest den Anspruch, dem einen oder anderen Gegner das Bein stellen zu können, müsste Aadorf in der höchsten Liga deshalb haben. Die Präsidentin ist aber auch mit weniger zufrieden. «Unser Ziel ist der NLB-Titel. Das wäre schon ein grosser Erfolg.»