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Der unbeirrbare Winzer vom Iselisberg

Pestizide gehören nicht in die Umwelt, sagt Winzer Roland Lenz aus Uesslingen-Buch. Daher kämpft er für die Trinkwasser-Initiative und verzichtet auf seinem Biobetrieb auch auf Kupfer und Schwefel.
Stefan Hilzinger
Roland Lenz bei einem «Lebensturm» in einem Rebberg, der Insekten und anderen Kleinlebewesen Unterschlupf bietet. (Bild: Reto Martin)

Roland Lenz bei einem «Lebensturm» in einem Rebberg, der Insekten und anderen Kleinlebewesen Unterschlupf bietet. (Bild: Reto Martin)

«Das Problem ist überall.» Das sagt Roland Lenz und spricht von den Rückständen von Pflanzenschutzmitteln, die sich in der Umwelt finden lassen – im Trinkwasser oder auch im Wein. Zu stark setze die Schweizer Landwirtschaft noch auf chemisch-synthetische Hilfsstoffe, sagt der zweimalige «Biowinzer des Jahres» aus Iselisberg.

Er ist einer der wenigen Landwirte, die mit Überzeugung und seinem Namen hinter der Trinkwasser-Initiative stehen. Das Volksbegehren, lanciert durch ein parteiloses Komitee um Franziska Herren aus Wiedlisbach, kommt mutmasslich im Frühjahr 2020 zur Abstimmung.

Die Vorlage geniesst in Landwirtschaftskreisen kaum Rückhalt. Der Schweizer Bauernverband fürchtet um die Ernährungssicherheit. Selbst die Dachorganisation der Schweizer Biobauern «Bio Suisse» zögere, sagt Lenz. «Dabei erfüllen alle Biobetriebe die Anforderungen der Initiative schon heute », sagt Lenz. Und das sei immerhin ein Sechstel aller Schweizer Landwirtschaftsbetriebe.

«Die Zeichen der Zeit sind deutlich»

Für Lenz sind es die deutlichen Zeichen der Zeit – von fortschreitendem Klima-Wandel über den Schwund der Artenvielfalt bis hin zu Problemen mit Rückständen im Trinkwasser – die ihn unbeirrbar an der Abkehr von Pflanzenschutzmitteln festhalten lassen. «Ich war bei Biowinzern in Rheinland-Pfalz zu Besuch. Dort müssen sie das gechlorte Trinkwasser zuerst reinigen, um es im Weinkeller überhaupt benützen zu können», sagt Lenz.

Mit Biowinzer Bruno Martin aus Ligerz am Bielersee hat Lenz das private Label «Pesticide Free» beim Bundesamt für geistiges Eigentum eintragen lassen. Sie verzichten gemäss Label auf den Einsatz von Schwefel und Kupfer, was eigentlich im Biolandbau noch erlaubt wäre. «Weswegen wir Biobauern aber häufig kritisiert werden.» In diesen Wochen füllt Lenz erstmals Wein mit dem neuen Label ab, nachdem ein Berner Labor bestätigt hat, dass keiner von 500 getesteten Stoffen in dem Wein vorhanden ist. Der Grenzwert liegt bei 0,005 Milligramm pro Liter.

«Es braucht den Schritt hin zu neuen Sorten»

Der zusätzliche Verzicht auf Schwefel und Kupfer gegen die im Rebbau gefürchteten Mehltaupilze sei aber nur bei entsprechend widerstandsfähigen Sorten möglich. «Es gibt neue Sorten, die neue, charaktervolle Weine liefern», sagt Lenz. Noch hielten allerdings viele Winzer den alten, anfälligen Sorten die Stange. Um die Landwirtschaft als ganzes pestizidfrei zu halten, brauche es weitere Fortschritte bei der Züchtung und auch bei alternativen Hilfsstoffen. «Das gilt nicht allein für den Rebbau, sondern auch für die Obst- und Gemüsebau», sagt Lenz.

«Es wäre eine echte Chance für die Schweizer Landwirtschaft, sich von der Chemie zu verabschieden», sagt er. Als Steuerzahler ärgere er sich nämlich je länger je mehr, Direktzahlungen für konventionelle Landwirtschaft mitfinanzieren zu müssen.

Subventionen nur noch ohne Pestizid-Einsatz

Die Initiative verlangt, dass nur noch diejenigen Höfe vom Staat finanziell unterstützt werden, die keine Pestizide einsetzen, die in ihrer Tierhaltung ohne vorbeugenden Antibiotikaeinsatz auskommen und die nur so viele Tiere halten, wie sie ohne Futtermittelimporte ernähren können. Die Initianten versprechen sich, dadurch Nahrungsmittel und Trinkwasser frei von Rückständen halten zu können.

Am Donnerstag, 25. April, informiert Initiantin Franziska Herren auf dem Weingut von Karin und Roland Lenz in Iselisberg über die Vorlage. Beginn ist um 19.30 Uhr. (hil)

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