Der überfällige Schritt: Münchwiler Flüchtlinge verlassen marode Unterkunft an der Waldeggstrasse

Drei Flüchtlinge müssen von Münchwilen nach Wilen umziehen – aus Sicherheitsgründen.

Olaf Kühne
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Die maroden Liegenschaften an der Waldeggstrasse gehören der Gemeinde Münchwilen. Drei Flüchtlinge können Ende Jahr ausziehen, der Werkhof bleibt vorerst.

Die maroden Liegenschaften an der Waldeggstrasse gehören der Gemeinde Münchwilen. Drei Flüchtlinge können Ende Jahr ausziehen, der Werkhof bleibt vorerst.

Bild: Olaf Kühne

In die Münchwiler Waldegg-Liegenschaften kommt Bewegung. Aber nicht ganz so, wie sich das der Gemeinderat einst gewünscht hätte. Sechs Wochen nach dem gescheiterten Verkauf der gemeindeeigenen und äusserst maroden Gebäude gibt die Münchwiler Gemeindebehörde bekannt, dass die drei Flüchtlinge, welche derzeit in der Waldeggstrasse 5 untergebracht sind, per Januar nach Wilen umziehen – oder genauer gesagt: umziehen müssen.

Guido GrütterGemeindepräsident Münchwilen

Guido Grütter
Gemeindepräsident Münchwilen

Dieser Umzug steht in keinem Zusammenhang mit der Volksabstimmung vom vergangenen Oktober, erklärt Gemeindepräsident Guido Grütter auf Anfrage unserer Zeitung. «Dieser Schritt war sowieso überfällig.» Zu prekär sei der Zustand der fraglichen Liegenschaft. «Es ist feucht und kalt», sagt Grütter weiter. Schon vor Jahren habe man auf Anregung des kommunalen Feuerschutzamtes die ausgebrannten und baufälligen Kachelöfen aus dem Haus entfernt – aus Sicherheitsgründen.

Dass seither im Winter die einzelnen Zimmer mit Elektroradiatoren beheizt werden müssen, ist der Sicherheit indes auch nicht sonderlich zuträglich. Laut Guido Grütter führte diese Notlösung bereits zu einem Schwelbrand, ein Brandausbruch habe indes gerade noch rechtzeitig verhindert werden können.

«Weil zudem noch die Fenster undicht sind, sorgen wir uns nicht nur um die Sicherheit der drei Hausbewohner, sondern auch um ihre Gesundheit», sagt Grütter. Sprich, die Liegenschaft ist unbewohnbar und wird wohl nun aufgrund der verlorenen Abstimmung auf absehbare Zeit leer stehen. Hatte doch der Investor, welcher das Areal überbauen wollte, seine Offerte noch am Abstimmungssonntag zurückgezogen.

Keine Vermieter in Münchwilen gefunden

Nun ziehen die drei Flüchtlinge also nach Wilen um. Guido Grütter hätte sie lieber in Münchwilen untergebracht – aber: «Alle bisher angefragten Vermieter in Münchwilen waren nicht bereit, der politischen Gemeinde eine Wohnung oder ein Zimmer für die Asylbewerber zu vermieten», sagt der Gemeindepräsident gegenüber dem Onlineportal «hallowil.ch» und bestätigt diesen Umstand gegenüber unserer Zeitung. Grütter betont zudem: «Alle drei sind berufstätig und lernen intensiv Deutsch.»

Kurt EnderliGemeindepräsident Wilen

Kurt Enderli
Gemeindepräsident Wilen

Gelegen kommt der Unwille der Münchwiler Vermieter hingegen Grütters Amtskollegen in Wilen, Gemeindepräsident Kurt Enderli. Seine Gemeinde hatte vor nunmehr zwei Jahren nicht mehr benötigte Wohncontainer des Alterszentrums Tannzapfenland gekauft, um die damals Wilen und Rickenbach zugeteilten Flüchtlinge aus ihrer bis anhin unterirdischen Unterkunft zu «befreien». Allerdings ist die dadurch entstandene Einrichtung so gross, dass Wilen auf Asylsuchende aus anderen Gemeinden angewiesen ist, um den Bau kostendeckend betreiben zu können.

Flüchtlinge aus vier Gemeinden

«Es passt perfekt», sagt Kurt Enderli. «Rickenbach hat auf Ende Jahr zwei von vier Plätzen gekündigt, durch die drei Neuzuzüge haben wir ab Januar wieder zehn Flüchtlinge in unserer Unterkunft – aus Wilen, Rickenbach, Münchwilen und Thundorf. Somit können wir weiterhin kostendeckend arbeiten.»

Kostenneutral hingegen ist die ganze Geschichte für Münchwilen. «Die Bundesbeiträge für die Flüchtlinge erhält jetzt einfach Wilen anstatt wir», sagt Guido Grütter. Einzig wie viel an Stromkosten man künftig sparen kann, weil man die Waldeggstrasse 5 nicht mehr elektrisch heizen muss, kann Grütter nicht beziffern. «So detailliert haben wir das Ganze dann doch nicht gerechnet», sagt er und lacht.

WILEN: Asylsuchende gesucht

Verkehrte Welt im Hinterthurgau: Die Gemeinde Wilen möchte Flüchtlinge aus dem ganzen Kanton aufnehmen, doch im Bezirk Münchwilen hat derzeit niemand Bedarf. Gemeindepräsident Kurt Enderli hofft, dass sich dies in den nächsten Wochen noch ändert.
Simon Dudle