Der Traum vom eigenen «Badhüsli» geht in Erfüllung, denn die historische Steckborner Liegenschaft Löwen ist saniert

Das historische Restaurant Löwen in der Steckborner Altstadt erstrahlt in neuem Glanz. Die Besitzerfamilie aus Winterthur hat die Liegenschaft komplett saniert. Nun bietet das Haus Platz für 14 Wohnungen und Büros.

Margrith Pfister-Kübler
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Bildhauer Urs Traber mit dem frisch restaurierten Terracotta-Löwen an der Fassade der Liegenschaft Löwen an der Seestrasse 102.

Bildhauer Urs Traber mit dem frisch restaurierten Terracotta-Löwen an der Fassade der Liegenschaft Löwen an der Seestrasse 102.

(Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Jetzt thront er wieder: der Löwe auf der Konsole an der südöstlichen Ecke der Liegenschaft Löwen an der Seestrasse 102, einst führendes Gasthaus, bezeugt schon 1585. Knapp zehn Jahre lagerte der «Löwe» an einem sicheren Platz, bis es grünes Licht gab für die Restaurierung. Das war Anfang 2018.

Und irgendwie lagerte in dieser Aufgehobenheit auch der Urinstinkt der Verantwortung für Erhaltenswertes, bis die Geldgeber für die Restaurierung mitmachten. Die Restaurierung oblag dem Steckborner Bildhauer Urs Traber und Restaurator Peter Kubalek aus Ermatingen. Finanziert und begleitet wurde die Restaurierung des Terrakotta-Löwen von der Denkmalpflege, der Stiftung Ortsbild, dem Museum im Turmhof, der Stadt Steckborn und den Liegenschaftbesitzern. Zu den Kosten gibt es keine Auskunft, ausser dass die kantonale Denkmalpflege einen Viertel bezahlt.

Im 14. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt

Die Liegenschaft Löwen an der Seestrasse 102 neben dem Rathausplatz wurde 1348 erstmals urkundlich erwähnt, wie im Hinweisinventar der Denkmalpflege steht. Ein «Löwen»-Wirt wurde 1585 erstmals bezeugt. Bis ins 20. Jahrhundert sollte der «Löwen» eines der führenden Gasthäuser im Unterseestädtchen bleiben. Im Jahr 1827 wurde das Gebäude abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt. Zwischen den 1940er- und den 1980er-Jahren erfolgten diverse Umbauten und Renovationen. Heute handelt es sich bei der Liegenschaft Löwen um einen mächtigen, dreigeschossigen Eckbau mit Walmdach. Nordseitig schliesst er an den Bauten der Seestrasse 102b an, die ebenfalls den Eigentümern Alfred und Ursula Bachmann gehören. Laut dem Hinweisinventar ist die Liegenschaft als wertvoll eingestuft. Entsprechend sind die «wesentlichen Elemente mit geschichtlichem Zeugniswert zu erhalten». (sko)

Ähnlichkeit mit Produkten aus Potsdamer Manufaktur

Der sanierte «Löwen» im Sommer 2020.

Der sanierte «Löwen» im Sommer 2020.

(Bild: Margrith Pfister-Kübler)

«Der liegende Steinlöwe auf dem Konsolgesims gegen den Rathausplatz wurde nach 1861 angebracht», ist im Buch «Kunstdenkmäler des Kantons Thurgau Bezirk Steckborn» von Alfons Raimann und Peter Erni zu lesen. Als Baumeister wird der Konstanzer Maurermeister Wehrli genannt. «Ich habe immer gedacht, dass der Löwe nicht aus Sandstein ist», sagt Urs Traber und freut sich über seinen Instinkt.

Denn bei näheren Untersuchungen wurde festgestellt, dass der Löwe nicht aus Sandstein, sondern aus Terrakotta gebrannt ist. Man wisse nicht genau, wo der Löwe hergestellt wurde.

«Die Skulptur weist eine Ähnlichkeit mit einem Löwen in einem Restaurierungsbericht der Fachhochschule Potsdam auf.»

Das sagt Traber. Es sei also denkbar, dass auch der Steckborner Löwe aus der Stuck- und Terrakotta-Manufaktur der Gebrüder Friedrich und Friedrich Wilhelm Koch in Potsdam stammt. Die Manufaktur wurde 1847 gegründet und produzierte bis in den 1890er-Jahren. Und wie sah der Patient Löwe aus, als er zur Restaurierung freigegeben wurde?

«Im Rücken hatte er einen schlimmen Riss. Die Mähne war stark abgewittert. Es fehlten Zähne, und er hatte ein grosses Wespennest im Maul.»

Das sagt Traber. Äussere Risse und Fehlstellen wurden mit Steinersatzmörtel gekittet, also neu aufmodelliert. Für die Retuschen wurden Lascaux-Acrylfarben eingesetzt.

Liebe zum Untersee zieht Winterthurer Familie an

Die baufällige Liegenschaft Löwen im Jahr 2013.

Die baufällige Liegenschaft Löwen im Jahr 2013.

(Bild: Nana Do Carmo, 10.Oktober 2013)

Bis es so weit war, dass sich die Liegenschaft Löwen wieder als erfreulicher Hingucker zeigen konnte, vergingen Jahre. Das Objekt wurde auf dem Immobilienmarkt angeboten. Entscheidend für den Kauf war ein Quantum an Liebe zum See einer Winterthurer Familie. Alfred Bachmann, Betriebs- und Volkswirtschafter, Mitglied des Stiftungsrates der Terz-Stiftung und früheres Direktionsmitglied der Winterthur Versicherungen, Ehefrau Ursula und ihre Söhne lieben den Untersee. Alfred Bachmann erzählt:

«Mein älterer Sohn machte auf den ‹Löwen› aufmerksam und meinte: Mutter wollte doch immer ein eigenes ‹Badhüsli› am See.»

Und dann wurde gehandelt. Im Februar 2018 gab’s die Baubewilligungen. Und so kam es, dass der «Löwe» einer komplexen Renovation unterzogen wurde, umgebaut zu modernen Wohnungen, Lift eingebaut, sogar ein Behindertenlift zum Hauseingang. Das «Badhüsli» ist heute Teil des «Löwen», 14 Wohnungen und ein Büro. «Bis auf eine Wohnung ist schon alles vermietet. Unser Teil, das ‹Badhüsli›, geniesst die ganze Familie. Das ist schön», sagt Alfred Bachmann zufrieden. Gleichzeitig ist sein Traum eine Freude für ganz Steckborn.

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