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Winzer profitieren vom Klimawandel: Der Thurgauer Wein wird noch besser

Das Wetter im Thurgau wird künftig wärmer und trockener. Die Weinbauern denken um – und sehen Chancen.
Geraldine Bohne
Der Weinbauer Markus Müller aus Weinfelden begutachtet die austreibenden Rebzweige. (Bild: Donato Caspari)

Der Weinbauer Markus Müller aus Weinfelden begutachtet die austreibenden Rebzweige. (Bild: Donato Caspari)

Was Sommerliebhaber freut, stellt eine Herausforderung für Thurgauer Winzer dar. Die Sommer werden vermehrt trockener und wärmer. In den nächsten 30 Jahren könnten laut den Schweizer Klimaszenarien die Niederschlagsmengen im Sommer bis zu 25 Prozent zurückgehen. Zudem wäre es möglich, dass die Temperaturen um bis zu 4,5 Grad ansteigen.

«Wir müssen bereit sein für die Trockenheit», sagt Markus Müller, Winzer und Präsident des Branchenverbands Thurgauer Weine. Der Klimawandel sei ein Thema im Weinanbau, wenn auch nur ein schleichendes. «Man muss den Klimawandel im Auge behalten», sagt der Weinbauer.

Mehr Alkohol, weniger Säure

Die zunehmende Trockenheit bereitet den Reben Mühe. Das Wasser werde in Zukunft zum Problem. Vermehrt müssten sich die Winzer überlegen, Bewässerungsanlagen aufzubauen. Gerade Jungreben können ohne diese fast nicht auskommen. Deren Wurzeln sind noch deutlich kürzer als die von ausgewachsenen Weinreben. Diese können nämlich bis zu 20 Meter lang werden. Zu wenig Wasser in den ersten paar Standjahren kann daher ein Problem sein. «Man könnte für das eine sogenannte Tröpfchenbewässerung einsetzen. In Italien, zum Beispiel im Südtirol, ist das schon ganz normal», weiss Markus Müller. Trotzdem bereite das Thema Klimawandel gewissen Weinbauern grosse Sorgen.

«Einige haben eine regelrechte Panik davor. Ich sehe im Klimawandel aber eine Chance.»

Denn durch die Veränderung des Klimas könnten Weinbauern vermehrt neue Traubensorten anpflanzen. Müller selbst hat seit ein paar Jahren Traubensorten wie Merlot und Cabernet Sauvignon, die typisch für südliche Regionen sind. Diese würden von Jahr zu Jahr besser werden.

Nicht nur die Trockenheit und die Bewässerung sind ein grosses Thema im Weinbau. Das warme Klima lässt die Trauben schneller reifen, der Erntezeitpunkt muss daher neu überprüft werden. Die Weine werden durch das wärmere Klima immer alkoholhaltiger. In den vergangenen Jahren seien die Alkoholwerte der Weine gestiegen, da die Trauben gut reifen, weiss Michael Polich, Winzer vom Arenenberg.

«Der Alkoholgehalt unseres Weins liegt bei 14,5 Prozent. Das ist schon sehr hoch.»

Durch eine allfällig frühe Ernte vermeide man den Anstieg des Alkoholwerts sowie das Risiko, dass die Säure der Traube veratme. «Sonst muss die Säure künstlich hinzugefügt werden, was mehr Aufwand bedeutet», sagt Polich. Das Beifügen von Säure ist in der lokalen Weingesetzgebung geregelt. So können Weinbauern zur Stabilisierung des Weins Ascorbin-, Sorbin- und schweflige Säure benutzen.

In den letzten Jahren sei Michael Polich mit der ganzen Weinernte bereits im September fertig gewesen. «Die Änderungen des Klimas sind eine Herausforderung, aber dadurch entstehen auch spezielle Weine.» Viele Weinbauern berichten von besseren Jahren, die sie durch das neue Klima erhalten haben.

Thurgauer Trend zum Merlot

Früher sei Italien für den Weinanbau ideal gewesen, heute sei dieses Klima in der Schweiz, sagt ein Weinbauer. «Im Thurgau haben wir seit ein paar Jahren einen Trend zum Anbau von Merlot», sagt Markus Leumann, Rebbaukommissär der Kantone Thurgau und Schaffhausen. Bei den Winzern fände ein Umdenken statt. «Die Thurgauer haben eine proaktive Haltung zum Thema Klimawandel», sagt Leumann. Obwohl die Trockenheit eine Herausforderung für sie darstellt, habe sich gezeigt, dass die trockenen Jahre bisher gute Rebjahre waren. Die Weinbauern müssen sich jedoch vermehrt Gedanken zur Sortenwahl, Schädlingsbekämpfung und Lage der Reben machen. «Es gibt Gewinner und Verlierer beim Klimawandel. Der Rebbau aber, hat bisher nicht zu den Verlierern gehört.»

Weinregion Thurgau

Nicht nur für die feinen Äpfel ist der Thurgau bekannt, Trauben gehören genauso dazu. Auf 260 Hektaren wird im Kanton Weinbau betrieben, 40 Weingüter machen aus den Trauben Weine. Vor allem die Traubensorten Müller-Thurgau und Blauburgunder (Pinot Noir) fühlen sich hier wohl. So gibt es im Kanton diverse Aktivitäten verbunden mit dem Wein: ein Weinwanderweg, die Wein- und Genussmesse «Schlaraffia» oder das Weinfest in Ermatingen. Zudem öffnen etwa 20 Thurgauer Winzer am «Tag der offenen Weinkeller», dem 1. Mai, ihre Keller für die Öffentlichkeit. www.offeneweinkeller.ch

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