Der Thurgauer Grosse Rat entscheidet klar für Ergänzungsbau

Das Kantonsparlament spricht sich bei nur drei Gegenstimmen für das neue Verwaltungsgebäude aus.

Thomas Wunderlin
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Der Ergänzungsbau übersteigt nicht den Dachrand des Regierungsgebäudes.

Der Ergänzungsbau übersteigt nicht den Dachrand des Regierungsgebäudes.

Donato Caspari

Zwei Gründe sprechen laut Kilian Imhof (CVP, Balterswil) für das Bau. Zum einen ermögliche eine Zusammenlegung der Verwaltung effizienteres Arbeiten. Zum andern fallen 630000 Franken Mietkosten weg, wenn der Kanton Thurgau 300 Arbeitsplätze in einen Neubau hinter dem Regierungsgebäude in Frauenfeld verlegt.

Die meisten Sprecher sahen es ebenso. Der Grosse Rat sprach sich am Mittwoch in Weinfelden mit 107 Ja zu 3 Nein für das vom Regierungsrat vorgeschlagene Projekt aus. Mathias Tschanen (SVP, Müllheim) bezeichnete das 39,8 Millionen Franken teure Holzgebäude mit Stahlbetonträgern als «passables Projekt». Einpassung und Materialwahl seien gelungen.

Nahe am Ideal

Der Bau sei nicht weit vom Ideal «Zweckbau ohne Luxus» entfernt, lobte Christian Mader (EDU, Frauenfeld). Nach Meinung von René Walther (FDP, Landschlacht) fügt sich der Bau unaufdringlich in die Umgebung ein.
Laut Roland A. Huber (BDP, Frauenfeld) erübrigt sich die Frage eines günstigeren Standorts am Stadtrand, da Regierungsgebäude und Glaspalast nun mal im Zentrum stünden.

Christian Mader, EDU Frauenfeld.

Christian Mader, EDU Frauenfeld.

PD

Der Kommission sei glaubhaft versichert worden, dass der Neubau nicht zu einem Ausbau der Verwaltung führen werde, sagte Kommissionspräsident David H. Bon (FDP, Romanshorn).

Förster hätte sich Hochhaus aus Holz gewünscht

Positiv wertete der Förster Paul Koch (SVP, Oberneunforn) die Verwendung des einheimischen Rohstoffs. Der Kanton hätte auch gleich ein Hochhaus bauen können; darin hätte man laut Koch 500 bis 600 Arbeitsplätze unterbringen können.

Huber zeigte sich kritischer bezüglich des Materials: Es werde sich zeigen, ob den Frauenfeldern «ein solcher Holzbau» gefallen werde. Und Mader: «Die Holzfassade gefällt nicht allen.» Hingegen hätte die EDU ein zusätzliches Stockwerk nicht gestört.

Holzmodell im Nebenzimmer

Der Jury war es wichtig, dass sich der Neubau optisch dem Regierungsgebäude unterordnet und dessen 13,5 Meter hohen Dachrand nicht übersteigt. Veranschaulicht wurden die Verhältnisse durch ein Modell des Ergänzungsbaus, das CVP-Regierungsrätin Carmen Haag in einem Nebenraum des Ratssaals hatte platzieren lassen.

CVP-Regierungsrätin Carmen Haag.

CVP-Regierungsrätin Carmen Haag.

Donato Caspari

Laut Haag wäre ein Turm von der Promenade her zu sehen gewesen: «Das wäre in der Volksabstimmung nicht gut angekommen.» Auch sei ein Hochhaus oft nicht rentabel. Über die genaue Farbe der Fassade werde noch gesprochen.

Peter Dransfeld (GP, Ermatingen) stellte den Antrag, den Baukredit um 3 Millionen Franken zu kürzen. Statt 215 Parkplätze sollten nur 135 gebaut werden. Damit würden die 50 Parkplätze wegfallen, welche die Stadt Frauenfeld übernehmen möchte. Die nahe gelegenen Parkhäuser stünden leer, argumentierte Dransfeld. Der Ersatz der aufgehobenen überirdischen Parkplätze sei nicht zwingend. Der Aushub für die Tiefgarage müsste weniger tief gehen, was die Umweltbilanz verbessere.

SP für Parkplätze

Sein Antrag wurde mit grossem Mehr abgelehnt; nur Dransfelds Fraktion unterstützte ihn. Auch die SP war laut Christine Steiger (Steckborn) «einstimmig für das Projekt mit diesen vielen Parkplätzen». Die 75 Veloparkplätze seien hingegen nicht genug. Sie lobte die Erdsonden- und Fernwärmeheizung und die Fotovoltaikanlage auf dem Dach.

Der Frauenfelder Stadtpräsident Anders Stokholm (FDP) räumte ein, dass er die Zustimmung des Frauenfelder Parlaments nicht garantieren kann. Doch er versicherte, dass die Stadt starkes Interesse an den Parkplätzen habe. In den nächsten 10, 15 Jahren würden eventuell die Parkplätze auf dem Marktplatz aufgehoben.

Statt Villa Wohlfender 100 zusätzliche Arbeitsplätze

Umstritten war auch die Villa Wohlfender, die verschoben werden soll. Huber wollte sie abreissen und dafür den Ergänzungsbau «um ein Fingerdock verlängern». Dadurch würden 100 Arbeitsplätze zusätzlich geschaffen und man spare eine Etage der Tiefgarage. Stokholm wehrte sich für das Gebäude, das sich durch seinen Bauhaus-Stil auszeichnet. Nach Ansicht der Stadt Frauenfeld sei es schutzwürdig.

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