Der Thurgauer Gewerbeverband forciert den Berufsbildungscampus Ostschweiz

Der Thurgauer Gewerbeverband treibt die Idee eines Berufsbildungscampus Ostschweiz voran. Auf diesem sollen mehrere Branchenorganisationen ihre überbetrieblichen Kurse durchführen können.

Sebastian Keller
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Marc Widler ist Geschäftsführer des Thurgauer Gewerbeverbandes. (Bild: Reto Martin)

Marc Widler ist Geschäftsführer des Thurgauer Gewerbeverbandes. (Bild: Reto Martin)

Die Berufsbildung ist ein Dreieck. Sie setzt sich zusammen aus Ausbildung im Betrieb, Berufsschule und überbetrieblichem Kurs (üK). Bei letzterem verschmelzen Praxis und Theorie. Träger der Kurse sind Berufsverbände oder Branchenorganisationen. Doch diese bekunden im Thurgau zunehmend Mühe, Räume für diese Kurse zu finden.

Im Jahresbericht 2018 des Thurgauer Gewerbeverbandes (TGV) ist die Rede von zunehmendem Platzmangel an den Berufsfachschulen sowie anstehendem Investitionsbedarf für die berufspraktische Ausbildung.
Aufgrund der Problemstellung ist im TGV die Idee für einen «Berufsbildungscampus Ostschweiz» entstanden.

Dies bestätigt Geschäftsführer Marc Widler auf Anfrage. Der Campus würde ein Gebäude oder einen Gebäudekomplex im Kanton Thurgau umfassen. «Damit könnten Synergien genutzt werden», sagt Widler. Als Beispiel nennt er Infrastruktur, die für die praktische Ausbildung verschiedener Berufe genutzt werden könne. Eine Solaranlage für Spengler, Sanitärinstallateure oder Elektroinstallateure. «Es sind noch viele weitere Synergien denkbar.»

Einige Verbände klagen über akuten Platzmangel

Die Mitgliedsverbände des Gewerbeverbandes unterstützen die Idee. «Das haben wir im Rahmen eines Workshops festgestellt», sagt der TGV-Geschäftsführer. «Einzelne Berufsverbände fiebern regelrecht nach einer Lösung.» Denn: Bei einigen sei der Platzmangel akut. Im Thurgau führen rund 45 verschiedene Organisationen überbetriebliche Kurse durch.

Das Projekt Berufsbildungscampus Ostschweiz steckt noch in den Kinderschuhen. Marc Widler sagt:

«Wir haben noch kein Grundstück und auch noch kein Gebäude im Auge.»

Als nächster Schritt wird eine Interessengemeinschaft Berufsbildungscampus gegründet. Ebenfalls geplant ist, zusammen mit dem Kanton Thurgau eine Absichtserklärung zu unterzeichnen. «Gespräche mit den Regierungsrätinnen Carmen Haag und Monika Knill haben bereits stattgefunden», sagt Widler.

Campus müsste mit Bahn oder Bus erreichbar sein

Auch wenn vieles noch in den Sternen steht, auf der Wunschliste für den Berufsbildungscampus finden sich bereits einige Kriterien. So soll er sich an zentraler Lage befinden. «Und muss natürlich gut mit dem öffentlichen Verkehr erreichbar sein», sagt Marc Widler.

Es besteht auch die Hoffnung, dass Ostschweizer Berufsverbände künftig ihre Kurse in den Thurgau verlegen. «Wir haben schon von Einzelnen entsprechende Signale.» Über die möglichen Kosten oder die Finanzierung des Projektes kann Widler derzeit keine Aussagen machen.

«Klar ist aber: Ohne öffentliche Hand geht es nicht.»

Mit dem Projekt Berufsbildungscampus Ostschweiz soll nicht nur ein Platzproblem aus der Welt geschafft werden. Dem Thurgauer Gewerbeverband geht es auch um eine Positionierung, um ein klares Bekenntnis. «Wir wollen die Berufsbildung insgesamt stärken», betont Marc Widler.

Im Jahresbericht heisst es dazu: «Während man sich andernorts um die Erhöhung der Maturaquote bemüht, könnte sich der Kanton Thurgau als Berufsbildungskanton positionieren und den Wirtschaftsstandort stärken.» Widler ergänzt: «Der Thurgau ist in der Berufsbildung stark, also sollten wir diesen Bereich weiter stärken.» Die Zahlen geben im Recht: Jeden Sommer beginnen rund 70 Prozent der Thurgauer Schulabgänger eine Berufslehre.

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