Der Thurgauer Fussballverband hat am Ort getagt, wo der Ball vor 100 Jahren ins Rollen kam

Der Thurgauer Fussballverband hält seine 100. Jahresversammlung an seinem Gründungsort in Sulgen ab. Doch er beschäftigt sich nicht nur mit der Vergangenheit, sondern vor allem mit der Zukunft.

Urs Nobel
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Patrick Küng (stehend) führt durch die Versammlung. David Fall tritt zurück, Gaby Bottinelli hat ihr Amt bereits angetreten.

Patrick Küng (stehend) führt durch die Versammlung. David Fall tritt zurück, Gaby Bottinelli hat ihr Amt bereits angetreten.

Bild: Urs Nobel

Die Versammlung in Zeiten von Corona fand Ähnlichkeiten zum Zeitpunkt der Gründung des Thurgauer Fussballverbands (TFV). Bereits vor hundert Jahren waren die Vorzeichen düster. Als sich 1920 die Vertreter der sechs Gründervereine trafen, waren Monate, ja Jahre, voller Entbehrungen vorausgegangen.

Doch weder die Spanische Grippe noch die Maul- und Klauenseuche vermochte die Gründerväter aufzuhalten. Sie trotzten gar dem Verbot, Sitzungen und Versammlungen durchzuführen. Am 21. Februar trafen sie sich in Sulgen und hoben den TFV aus der Taufe.

Diese Worte stammen aus den Federn des Verbandspräsidenten Patrick Küng. Sein Jahresbericht war für einmal ein Rückblick auf das vergangene Jahrhundert und wurde der Einladung zur DV schriftlich beigelegt. Küng wusste zudem, dass schon viel früher im Thurgau Fussball gespielt wurde. Im Archiv fand er Unterlagen, die von einem Spiel des FC St.Gallen 1887 in Frauenfeld zeugen.

Die Sport-Tagesschule in Bürglen als Meilenstein

Als Meilenstein in der Geschichte bezeichnete Küng das Jahr 1989, in dem in Zusammenarbeit mit der Thurgauer Kantonalbank und dem Sportamt professionelle Nachwuchsförderung im Kanton ins Leben gerufen wurde. In der Folge 2002 wurde die Sport-Tagesschule in Bürglen gegründet. Alles zum Zweck, talentierte Jugendlichen in ihrem Lieblingssport weiterzubringen und ihnen gleichzeitig eine Lebensschule zu bieten.

Wie genau das heute funktioniert, zeigte David Fall, der technische Leiter, auf. Er übernahm sein Amt vor acht Jahren und führt es seither mit Leidenschaft: «Ich bin stolz und habe grosse Freude, die Thurgauer Fussballtalente einen Teil ihres Lebens begleiten zu dürfen.»

Zwei Rücktritte und eine Rückkehrerin

David Fall trat an der DV aus dem Vorstand zurück, weil es in seinem Fall sinnvoll ist, Strategisches und Operatives zu trennen. Er wird weiter dem Nachwuchs beiseite stehen und sich dafür einsetzen, dass die Erfolgsgeschichte ihre Fortsetzung findet.

Auch Stefan Ströbele tritt zurück. Zehn Jahre kümmerte er sich um die kommunikativen Belange des TFV, obwohl er nie ein eigentlicher Fussballer war. Dem Vorstand gelang es dafür, Gaby Bottinelli nach einer Pause zur Rückkehr ins Gremium zu bewegen. In diesem verbleiben Patrick Küng (Präsident), Eddy Maurice (Marketing), Riccardo Loffreda (Finanzen), Silvia Heeb (Mädchen- und Frauenfussball) und Thomas Schnyder (Anlässe).

So gut sich der TFV aktuell präsentiert, kann er doch nicht verhindern, dass die Anzahl Aktiver leicht rückläufig ist. Dies zeigte eine Statistik des Präsidenten. «Im Verband haben wir 34 Sportschüler, 390 Teams, 7138 Spieler und 1086 Funktionäre.»

Sorgen bereiten Küng nicht die Zahlen, sondern vielmehr der Umstand, dass es viel zu viele Plauschspieler habe, die sich nicht an einer Meisterschaft beteiligen. «Oft fehlt es nur an der mangelnden Kommunikation zwischen Nachbarvereinen, um die Gelegenheit zu nutzen, als Spielgemeinschaft doch dabei sein zu können.»

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