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Der Thurgauer Bankratspräsident
René Bock tritt 2020 nochmals an

Die TKB-Partizipantenversammlung hat sich zum Grossereignis entwickelt. Nächsten Donnerstag findet es zum vierten Mal statt. Im Gespräch äussert sich Bankratspräsident René Bock über den Brand TKB, die Folgen des Zinsniveaus und seine eigenen Pläne.
Christian Kamm, David Angst
René Bock, Thurgauer Bankratspräsident.

René Bock, Thurgauer Bankratspräsident.


René Bock, wenn der Grosse Rat jeweils über den TKB-Geschäftsbericht debattiert, werden wahre Lobeshymnen angestimmt. Ist die TKB wirklich so gut?

Wir bemühen uns, den Job so gut wie möglich zu machen. Aber es gibt auch Dinge, die wir noch besser machen können. Im Bereich der Kundennähe kann man nie genug tun. Im grossen Ganzen haben wir unsere Hausaufgaben gemacht. Wir sind von der Ertragslage her so gut unterwegs, wie es mit unserem Geschäftsmodell möglich ist.

Die Kantonalbank ist eng mit der Politik verbandelt, die den Rahmen vorgibt. Empfinden Sie das als einengend?

Aus unserer Sicht nicht. Die Spielregeln aus dem TKB-Gesetz und der Eigentümerstrategie funktionieren. Wir bemühen uns, zusammen mit dem Kanton Spielregeln zu definieren, die funktionieren. Und wir pflegen einen guten Dialog mit der Regierung und können unsere Anliegen einbringen.

Ist die Staatsgarantie im Zeitalter der Partizipationsscheine nicht ein alter Zopf?

Die Staatsgarantie ist ein Wettbewerbsvorteil. Wir bezahlen aber auch etwas dafür. Das Geschäftsmodell der TKB ist so ausgerichtet, dass wir problemlos ohne Staatsgarantie funktionieren könnten. Sollte sie nicht mehr erlaubt sein, zum Beispiel weil aus dem europäischen Umfeld neue wettbewerbseinschränkende Vorschriften kommen, müssten wir das auch können. Wir sollten die Staatsgarantie aber nicht von uns aus aufgeben. Sie hat auch Vorteile.

«Die Interessen der Bank gehen
den Interessen der Politik vor.»
René Bock, Bankratspräsident der TKB

Was ist es, was den Brand «TKB» ausmacht?

Der Fokus auf die Region. Den hat Raiffeisen auch. Wir haben im Thurgau im Firmen- und Gewerbekundenbereich eine Marktdurchdringung von 60 bis 70 Prozent. Da sind wir absolute Spitze. Es zeichnet uns auch aus, dass wir im Kantonalbank-Umfeld weniger Verwerfungen hatten als andere. Wir machen nur Geschäfte, die wir verstehen, und viele Veranstaltungen im Kanton kämen ohne unsere Unterstützung nicht zustande. Und wir haben einen engen Bezug zu den Leuten.

Woran merken Sie das?

Ich kann kaum in einen Laden oder ein Restaurant gehen, ohne dass ich auf die Bank angesprochen werde. Heinz Huber, der Vorsitzende der Geschäftsleitung, und ich bekommen regelmässig Mails und Briefe von Bankkunden. Jeder erhält innert 24 Stunden eine Antwort.

Ist es noch zeitgemäss, dass die Politik in einer Bank so stark involviert ist?

Als ich angefangen habe, waren alle neun Bankräte vornehmlich aufgrund ihrer politischen Zugehörigkeit gewählt worden. Etwas vom Ersten, was ich tat, war, dass ich in eine Fraktionspräsidentenkonferenz ging und dort sagte: Wenn wir dieser Bank etwas Gutes tun wollen, sollten wir einen neuen Weg einschlagen und vermehrt Fachleute in den Bankrat wählen.

Rene Bock: «Jedes Mail wird innert 24 Stunden beantwortet»

Rene Bock: «Jedes Mail wird innert 24 Stunden beantwortet»

Und jetzt ist es besser?

Im Moment bin ich ganz glücklich. Wir gehören ja zu 80 Prozent dem Kanton. Also soll die Bevölkerung auch im Bankrat repräsentiert sein, was mit der Parteizugehörigkeit mehrerer Mitglieder der Fall ist. Auf der anderen Seite hat sich in den letzten Jahren das Anforderungsprofil der Finanzmarkaufsicht Finma an ein Bankratsmitglied gewaltig geändert. Wir müssen Spezialisten an Bord haben, und die sind im Thurgau unter Umständen nicht zu finden. Wenn wir einen Digitalisierungsspezialisten brauchen, müssen wir eben jemanden von auswärts holen.

Das ging alles andere als geräuschlos über die Bühne.

Nein, aber es ist ein grosser Teil meiner Aufgabe, dies zu vermitteln. Für mich gehen die Interessen der Bank den Interessen der Politik vor.

Die Partizipationsscheine der TKB sind eine Erfolgsgeschichte.

In der Tat. Die Partizipationsscheine waren die einzige nach Gesetz erlaubte Möglichkeit, die Bevölkerung, also unsere Kunden, besser einzubinden – wie dies andere Banken via Genossenschaftsanteile oder Aktien machen. Das Interesse an den Partizipationsscheinen war sowohl beim Börsengang als auch bei der Ausgabe einer zweiten Tranche sehr hoch.

Kommt schon bald die dritte Tranche?

Der Kanton könnte eine weitere Tranche Grundkapital in PS wandeln und im Publikum platzieren. Der Markt wäre bereit. Das würde ich begrüssen, aber es liegt nicht in unserer Kompetenz.

Das Bankgeschäft läuft nicht zuletzt wegen des Baubooms. Sehen Sie die Gefahr einer Überhitzung im Thurgau?

Nein. Es gibt sicher «Hotspots» in der Schweiz, wo eine Überhitzung da ist. Preissteigerungen hatten wir auch hier, aber nicht in dem Masse. Was Einfamilienhäuser oder Eigentumswohnungen anbelangt, ist der Markt nach wie vor intakt. Da wird beinahe alles verkauft. Bei den Mietwohnungen hat sich der Leerwohnungsbestand etwas erhöht, liegt aber im schweizerischen Rahmen. Und diese Leerwohnungen stammen zu einem grossen Teil von institutionellen Eigentümern wie etwa Pensionskassen.

Wie beurteilen Sie das Zinsniveau?

Das ist zweifellos die grösste Herausforderung. Unsere Kunden erhalten praktisch keinen Zins mehr, und bei den Ausleihungen ist ein extrem harter Wettbewerb entstanden. Zum Beispiel refinanzieren sich Gemeinden heute oft nicht mehr bei einer Bank, sondern zu Null- bis Negativzinsen bei institutionellen Anbietern wie Versicherungen oder Pensionskassen. Selbst wenn wir einer Gemeinde also ein Darlehen zum Nullzins anbieten würden, kämen wir kaum mehr zum Zug.

Und was tut die TKB dagegen?

Bei solchen Geschäften machen wir einfach nicht mit. Hingegen haben wir seit Jahren ein schönes Wachstum im Hypothekargeschäft, wo wir Marktführerin sind. Die typische TKB-Kundin ist eine junge Familie, die eine 600000 Franken-Hypothek braucht, weil sie ein Einfamilienhaus kauft. Die befindet sich nicht auf dem Radar einer Pensionskasse.

Stichwort Finma: Sind die administrativen Vorschriften für eine mittelgrosse Kantonalbank noch zu verkraften?

Die Banken sind ja nicht unschuldig an dieser Situation. Das ist hausgemacht, und viele dieser Auflagen sind auch richtig und notwendig. Das Problem ist vielmehr die Sippenhaft.

Das müssen Sie erklären.

Die Finma kategorisiert die Banken bezüglich Regulierung nach bestimmten Kriterien. Als Kategorie 3-Bank mit einer Bilanzsumme von mehr als 15 Mia. Franken werden wir als TKB in denselben Topf geworfen wie Banken mit einem viel komplexeren und risikobehafteteren Geschäftsmodell. Also beispielsweise auch mit Banken, die im Ausland präsent sind, Investment Banking betreiben oder Anlagekunden auf der ganzen Welt betreuen. Aber es kann doch nicht sein, dass wir die gleichen Vorschriften erfüllen müssen wie eine international tätige Privatbank.

Leuchtet das der Finma denn nicht ein?

Sie hat sich bis jetzt geweigert, nebst Volumengrössen auch die Komplexität des Geschäftsmodells in die Betrachtung miteinzubeziehen. Das beschäftigt und belastet uns in diesem Bereich am meisten. Und es sorgt dafür, dass in der Bankbranche immer mehr Leute tätig sind, die nie einen Kunden sehen.

Sie sind seit 2008 Präsident des Bankrates und können Ihr 10-Jahr-Jubiläum feiern. Macht man sich da auch schon Gedanken über den richtigen Zeitpunkt für einen Rücktritt?

Selbstverständlich. Die Nachfolgeplanung im Gremium ist ein laufender Prozess, den wir über Jahre vorausplanen. Die Regierung hat Kenntnis von diesem Prozess. Aktuell gehe ich davon aus, dass es bis zur nächsten ordentlichen Wiederwahl des Bankrates 2020 keinen Rücktritt mehr geben wird. Und was mich betrifft, werde ich 2020 nochmals antreten, aber voraussichtlich nicht mehr für die ganze Legislatur.

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