Der Thurgau will künftig per SMS vor dem Wolf warnen

Der Kanton rechnet damit, dass der Wolf häufiger den Thurgau durchqueren könnte. Deshalb baut das Landwirtschaftsamt ein Informationssystem auf, um Halter von Schafen vor dem Raubtier zu warnen.

Sebastian Keller
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Ein Wolf im Wildpark Bruderhaus Winterthur. (Bild: Benjamin Manser)

Ein Wolf im Wildpark Bruderhaus Winterthur. (Bild: Benjamin Manser)

M93 war der bisher letzte: Ende November 2018 war dieser Wolfsrüde für den Tod von acht Schafen am Ottenberg verantwortlich. Nach 2017 war es erst die zweite Präsenz des Grossraubtiers im Thurgau –zuvor fanden sich 200 Jahre lang keine Spuren des Wolfes.

So lang dürfte die Abwesenheit nicht mehr dauern: «Nach Einschätzung von Fachleuten ist künftig häufiger mit einzelnen, abwandernden Wölfen zu rechnen, die sich bis ins Mittelland vorwagen, beziehungsweise dieses durchqueren.» Das schreibt die Regierung auf einen Vorstoss von Urs Schär (SVP, Eggethof).

Deshalb wird aufgerüstet: Beim Landwirtschaftsamt ist ein Informationssystem im Aufbau. Dieses erlaube es, Halter von Kleinwiederkäuern – also von Schafen und Ziegen – gezielt und regional per SMS zu informieren.

Bei den zwei bisherigen Fällen habe das Amt zusammen mit der Jagd- und Fischereiverwaltung die Halter umgehend per Mail über den Verdacht, dass sich Wölfe im Kantonsgebiet aufhalten könnten, informiert und verstärkte Schutzmassnahmen empfohlen.

Nutztierhalter können sich bezüglich Schutzmassnahmen an die landwirtschaftliche Beratungszentrale Agridea in Lindau (ZH) wenden. Mit dieser Organisation hat das Landwirtschaftsamt eine Leistungsvereinbarung abgeschlossen, schreibt die Regierung.

Die DNA-Untersuchung bezahlt der Bund

Der Wolf konnte jeweils anhand von DNA-Spuren überführt werden. Auch dazu stellt Schär Fragen. Wie aus der regierungsrätlichen Antwort hervorgeht, erwuchsen dem Kanton dadurch bisher keine Kosten. Das Bundesamt für Umwelt finanziere pro Jahr maximal 1000 Proben-Untersuchungen an der Universität Lausanne. Eine solche würde sonst mit rund 550 Franken kosten.

Bezahlen musste der Kanton aber Teile der durch den Wolf verursachten Schäden. Zwischen 200 bis 500 Franken pro Schaf erhielten die Besitzer. Alter, Trächtigkeit und Laktation beeinflussen die Höhe der Entschädigung. Der Bund bezahlt mit 80 Prozent den Löwenanteil der Wolfsschäden.

THURGAU: "Der Wolf muss weg"

Ein Raubtier hat in Hohentannen, Uesslingen und Andelfingen sechs Schafe getötet. Weitere mussten wegen massiver Verletzungen geschlachtet werden. Kleintierhalter werden aufgerufen, die Umzäunungen zu überprüfen.
Silvan Meile