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Der Thurgau rüstet sich für Zeiten extremer Trockenheit und Wasserknappheit

In einem Pionierprojekt erarbeiteten Fachleute Grundlagen und Lösungen für künftige Zeiten extremer Trockenheit. Als ein Resultat dieses Projekts weiss der Kanton, wie viel Wasser jede Region benötigt. Auch die Landwirte sind mit im Boot.
Inge Staub
Wasser ist der Treibstoff der Landwirtschaft: Hier wird eine Kultur bewässert. (Bild: Donato Caspari)

Wasser ist der Treibstoff der Landwirtschaft: Hier wird eine Kultur bewässert. (Bild: Donato Caspari)

Ohne Wasser ist Landwirtschaft nicht möglich. In Zeiten des Klimawandels wird Wasser zu einem kostbaren Gut. Dies bekamen die Thurgauer Bauern in diesen Tagen zu spüren. Da Bäche und Flüsse aufgrund der starken Trockenheit zu wenig Wasser führen, verbot der Kanton die Entnahme von Wasser aus Fliessgewässern zur Bewässerung der Felder.

Das kantonale Amt für Umwelt erwartet, dass es künftig vermehrt extreme Trockenheit und mangelndes Wasserangebot geben wird. Seine Hydrologen sind deshalb schon vor einiger Zeit aktiv geworden und haben gemeinsam mit dem Amt für Landwirtschaft im Rahmen eines Pilotprojektes des Bundes Lösungsansätze zum Umgang mit Wasserknappheit entwickelt. Mit im Boot waren die betroffenen Landwirte, Gemüse-, Obst- und Beerenproduzenten. Das Projekt ist jetzt abgeschlossen. «Es war ein sehr erfolgreiches Projekt», zieht Projektleiter Marco Baumann, Leiter der Abteilung Wasserbau und Hydrometrie, eine positive Bilanz. «Wir konnten die Betroffenen für das Thema Wasserknappheit sensibilisieren, Lösungen aufzeigen und unsere Information verbessern.»

Den Wasserverbrauch kennen

Zunächst wollten die Fachleute den landwirtschaftlichen Wasserverbrauch errechnen. Sie wollten in Erfahrung bringen, wer wie viel Wasser pro Tag oder Monat aus welchem Gewässer entnimmt. «Leider waren keine ausreichenden Daten vorhanden», sagt Baumann. Das Projektteam wählte daraufhin einen anderen Weg. Es nutzte Daten, die vom Forschungsinstitut Agroscope erstellt worden waren. Aus diesen lässt sich ablesen, wie viel Wasser eine bestimmte Kultur auf einem bestimmten Boden benötigt, um optimal zu wachsen. Das Projektteam errechnete für sämtliche Flächen und Kulturen des Thurgaus aus, wie viel Wasser diese benötigen. Dies in drei Klimaszenarien Normaljahr, Extremjahr heute und Extremjahr 2060. Der Bedarf wurde verglichen mit dem vorhandenen Oberflächenwasser, ohne Rhein und Bodensee, abzüglich der notwenigen Restwassermenge. «Dieses Vorgehen ist einmalig in der Schweiz. Es hat Pioniercharakter», sagt Marco Baumann.

Das Ergebnis dieser Arbeit ist eine modellierte Wasserbilanz für den Kanton, aus der hervorgeht, welche Region wie viel Wasser benötigt. Im Extremjahr 2060, so die Prognose, werden die Regionen Geisslibach bei Diessenhofen und Chemmenbach bei Weinfelden mit 1,5 bis 2,5 Millionen Kubikmeter Wasser pro Monat Juni am meisten vom kühlen Nass benötigen. Da so viel Wasser nicht vorhanden ist, sind diese Regionen am stärksten von einer Wasserknappheit betroffen. Am wenigsten Sorgen müssen sich Landwirte im Gebiet Obere Murg machen (siehe Grafik).

Obwohl die Produzenten in der Region Geisslibach ihr Wasser schon seit Jahren dem Rhein entnehmen, müssen auch sie sich mit der zukünftigen Entwicklung befassen. «Ihre Leitung ist bereits heute am Anschlag», sagt Baumann. Konkrete Massnahmen aus diesen Erkenntnissen sind bislang einzig auf Verwaltungsebene erfolgt. Das Amt für Umwelt hat seine Kommunikation verbessert. Bereits in diesem Sommer konnten Landwirte sich auf der Website des Kantons über das Trockenheitsrisiko informieren. Die Plattform soll weiter ausgebaut werden. «Wir wollen die Betroffenen frühzeitig informieren», betont Baumann.

Die Landwirte müssen sich Fragen stellen

In einem nächsten Schritt wird das Projektteam gemeinsam mit den Bauern konkrete Lösungen entwickeln, wie sie der künftigen Wasserknappheit begegnen können. Marco Baumann: «Die Landwirte müssen sich fragen, produziere ich am richtigen Ort? Gibt es hier genügend Wasser? Sollte ich Kulturen anbauen, die weniger Wasser benötigen?» Jene, die weiterhin am gewohnten Standort die gleichen Lebensmittel produzieren wollen, könnten Wasserreservoirs in Form von Weihern anlegen oder ihre Bewässerungstechnik optimieren.

Zudem strebt der Kanton an, Konzessionen für Wasserentnahme nur noch an Gemeinschaften zu vergeben, welche die Verteilung selbst regeln. Auch steht an, dass ein kantonaler Wasser-Richtplan erarbeitet wird. «Damit hätten wir eine übergeordnete Richtlinie zum Umgang mit den Wasserressourcen», sagt Marco Baumann. Der Regierungsrat hat den Bericht zum Projekt zur Kenntnisse genommen und das Amt für Umwelt und das Landwirtschaftsamt beauftragt, die vorgeschlagenen Massnahmen zu prüfen und bei Bedarf dem Regierungsrat Projekte vorzuschlagen.

Bauern hoffen auf konrekte Massnahmen

Walter Schild vom Landwirtschaftsamt stuft das Projekt als «wertvolle Grundlagenarbeit» ein. Man wisse jetzt, welche Regionen bezüglich Wasser problematisch seien und in welchen Regionen es sich lohne, in Bewässerungssysteme zu investieren. Er findet, es müsse eine Vertiefung und weitere Projekte folgen. Die Bauern sind offen für weitere Projekte.

«Wir hoffen, dass konkrete Massnahmen vorgeschlagen und umgesetzt werden», sagt Markus Hausammann, Präsident des Verbands Thurgauer Landwirtschaft. «Bei der Bewässerung ist bis jetzt jeder Betrieb auf sich alleine gestellt oder arbeitet mit Nachbarbetrieben zusammen. Da könnten regionale oder kantonale Konzepte und gemeinsame Versorgungsanlagen in Zukunft wertvolle Dienste leisten und sie wären betreffend der Restwassermengen auch im öffentlichen Interesse.» Es werde weiterhin trockene und feuchte Jahre geben, aber die Statistiken weise leider auf einen zunehmenden Trend zu mehr Trockenheit hin. «Wir werden uns diesem ernst zu nehmenden Problem also stellen müssen, vor allem, weil es oft nicht mehr nur einzelne Landesgegenden, sondern ganze Kontinente betrifft.»

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