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Der Thurgau hat keine Erfahrung mit Waldbränden

Seit Freitag ist bräteln im Thurgauer Wald verboten. Zu gross ist die Gefahr, dass die Bäume Feuer fangen. Doch der Entscheid des Kantons ist vielen Thurgauern zu lasch.
Larissa Flammer, Silvan Meile
Tafeln weisen auf das Feuerverbot im Wald hin. (Bild: KEY/Alexandra Wey)

Tafeln weisen auf das Feuerverbot im Wald hin. (Bild: KEY/Alexandra Wey)

Mehrere Leser drücken in Schreiben an die Redaktion ihr Unverständnis darüber aus, dass der Kanton nebst dem Feuerverbot im Wald nicht auch ein Feuerwerksverbot für den 1.August erlässt. Eine Leserbriefschreiberin findet:

«In meinen Augen handelt die Thurgauer Regierung total verantwortungslos.»

Die Verantwortlichen sollen Grösse zeigen und ihren Entscheid überdenken.

Fachstab will keine «Bevormundung »

«Wir appellieren an die Vernunft», sagt Michel Sennhauser, Abteilungsleiter beim Thurgauer Amt für Bevölkerungsschutz. Er gehört dem kantonalen Fachstab Trockenheit an. Dort habe man entschieden, dass eine «Bevormundung» der Bevölkerung nicht der richtige Weg sei. Diese soll stattdessen mit gesundem Menschenverstand selber zur Erkenntnis gelangen, auf Flugkörper-Feuerwerk zu verzichten.

Daran kann Roman Kalberer aus Braunau nicht glauben. Wenn man beobachte, mit welcher Rücksichtslosigkeit und Unbedarftheit die Leute heutzutage ihr Feuerwerk zünden, sei der Entscheid des Kantons in dieser aktuell gefährlichen Trockenheit unerklärlich. Er schreibt in einem E-Mail an den Kanton:

«Es graust mir schon bei normaler Situation, wenn Raketen aus unserer Nachbarschaft jeweils auf unseren Stall fallen.»

Diese Ängste teilen zumindest die beiden grossen Detailisten Coop und Migros. «Wir wollen selbstverständlich auch unseren Beitrag leisten, um mögliche Schäden durch Feuer beziehungsweise Feuerwerk zu vermeiden», sagt Coop-Mediensprecherin Alena Kress. Im Thurgau sei deshalb der Verkauf von Feuerwerk gestoppt worden. Dieser Entscheid gelte für die ganze Ostschweiz sowie im Wallis und im Tessin. Auch die Migros Ostschweiz hat sich freiwillig dazu entschieden, kein Feuerwerk zu verkaufen. Beide verzichten damit im Zeichen der Sicherheit auf viel Umsatz, ohne Zahlen nennen zu wollen. Mittlerweile haben einzelne Gemeinden ein allgemeines Feuer- und Feuerwerksverbot erlassen.

Wind könnte Funken von Feuerwerk in den Wald tragen

Kantonsforstingenieur Daniel Böhi. (Bild: Reto Martin)

Kantonsforstingenieur Daniel Böhi. (Bild: Reto Martin)

Dass die Lage wirklich prekär ist, bestätigt Kantonsforstingenieur Daniel Böhi: «Die Bäume leiden unter extremem Wasserstress.» Eine Zigarette könnte reichen, um einen Brand auszulösen, welcher sich schnell ausbreiten würde. «Wir haben im Thurgau keine Erfahrung mit Waldbränden», sagt Böhi. Die Wälder seien zwar gut erschlossen, doch vorbereitet auf grössere Feuer sei man nicht. «Wir machen uns schon ein bisschen Sorgen, dass der Wind Funken von Feuerwerk in den Wald tragen könnte.» Auch der Kantonsforstingenieur appelliert daher an die Bevölkerung, auf das Abfeuern zu verzichten.

Trotz dieser Besorgnis sitzen die Feuerwehren am 1. August nicht wie auf Nadeln. Eine kurze Umfrage bei den Bezirkshauptorten zeigt, dass ein normaler Pikettdienst eingeplant ist. Fabrizio Hugentobler, Kommandant der Feuerwehr Frauenfeld, ergänzt: «Am 1. August gibt es keinen Verkehr, da gelangen unsere Leute schnell ins Depot.» In Arbon wird aber je nach Meldung schnell ein grösseres Aufgebot angefordert, «da ja auch noch Ferien sind», wie Kommandant Hans Schuhwerk sagt.

In den Bezirkshauptorten ist genügend Löschwasser vorhanden

Die Löschwasservorräte geben keinen Anlass zu Besorgnis. Frauenfeld wird vom Grundwassersee versorgt und in Kreuzlingen sowie in Arbon können die Feuerwehren Wasser vom Bodensee holen. Für diesen gilt kein Entnahmeverbot. Gemäss Rolf Giger, stellvertretender Kommandant in Kreuzlingen, wäre einzig ein Wassertransport in den Wald eine etwas grössere Herausforderung. In Münchwilen ist Feuerwehrkommandant Adrian Werder auch Brunnenmeister. Er sagt:

«Wir verfügen über genügend Löschreserven, sie stehen das ganze Jahr über zur Verfügung.»

Auch der Weinfelder Kommandant Stefan Jünger hat von den Technischen Betrieben nichts über eine allfällige Knappheit gehört.

Am Montag trifft sich der kantonale Fachstab Trockenheit wieder. Was dann genau besprochen wird, ist noch offen. Gemäss aktuellem Erlass gilt ein Feuerverbot in Wäldern und deren Umkreis von 200 Metern. Wer sich nicht daran hält, wird von der Polizei gebüsst.

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