Interview

«Der Thurgau hat einfach alles»: Golfspieler Joel Girrbach kehrt immer wieder gerne in seine Heimat zurück

Joel Girrbach ist fast durch Zufall zum Golfsport gekommen. Jetzt ist er schon seit fünf Jahren Profi. Im Interview erzählt der Ermatinger, was es mit seinem Spitznamen «Schöggu» auf sich hat, was Golfer im Winter machen und was er auf seinen vielen Reisen immer bei sich hat.

Janine Bollhalder
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Joel Girrbach ist unschlüssig, wie lange er noch Golfsport betreiben wird.

Joel Girrbach ist unschlüssig, wie lange er noch Golfsport betreiben wird. 

(Bild: Donato Caspari)

Momentan ist Nebensaison im Golfsport. Was hat Sie in den letzten Wochen beschäftigt?

Joel Girrbach: Die Saison ist für mich im Winter vorbei und ich habe Zeit, das nächste Jahr zu planen. Natürlich trainiere ich aber auch, denn es gibt dann im Januar und Februar schon wieder Vorbereitungsturniere.

Stimmt es, dass Sie sich eine zeitliche Limite gesetzt haben, wann Sie über Ihr weiteres Engagement im Golf entscheiden?

Das stimmt. Ich werde noch das kommende Jahr auf dem gleichen Niveau weiterspielen, danach werde ich entscheiden, wie es karrieretechnisch weitergehen soll.

Welche Faktoren werden Ihre Entscheidung beeinflussen?

Meine Resultate natürlich, aber auch, ob ich den Glauben daran noch habe, dass ich auf diesem Level weiterspielen kann und es meine Gesundheit mir erlaubt – bis jetzt habe ich Glück gehabt und bin vor Verletzungen verschont geblieben.

Was machen Sie, um gesund zu bleiben?

Ich gehe oft ins Fitnesszentrum – heute Morgen beispielsweise für anderthalb Stunden. Im Winter baue ich Muskeln auf und dehne viel, um Verletzungen zu vermeiden. Das Golf-Jahr ist lang, es gibt viele Turniere und da brauche ich einen fitten Körper.

Müssen Sie sich auch an einen bestimmten Ernährungsplan halten?

Nein, ich muss nicht so extrem auf die Ernährung achten. Ich kann eigentlich essen, was ich will. Die Wettkampftage während der Saison sind jeweils anstrengend, dann muss ich mehr darauf achten, genügend zu essen, um nicht abzunehmen. Ich beziehe meine Energie dann aus vielen Kohlenhydraten, Fleisch und Gemüse.

Gibt es auch etwas wie etwa Kaffee, nach dem Sie süchtig sind?

Ich trinke Kaffee, bin aber nicht süchtig danach.

«Was ich aber immer auf Reisen dabei habe, ist eine Tafel Schokolade, die ich unterwegs esse.»

Haben Sie eine Lieblingsschoggi?

Nein, ich mag alles, was süss ist.

Stammt von der Schokolade auch Ihr Spitzname «Schöggu»?

Nein, «Schöggu» stammt von meinen Golfkollegen aus Bern. Dort ist der Spitzname für Joel automatisch «Schöggu».

Zur Person

Joel Girrbach ist 26 Jahre alt. Er ist in Tägerwilen aufgewachsen und wohnt heute in Ermatingen. Der gelernte Versicherungskaufmann hat seine Leidenschaft für den Golfsport vor 18 Jahren entdeckt. Seit fünf Jahren übt er den Sport hauptberuflich aus. Auf seiner Webseite bloggt er über seine Golfturniere, auf Instagram unterhält Joel Girrbach ein privates Profil.
(Bild: Donato Caspari)
Joel Girrbach ist 26 Jahre alt. Er ist in Tägerwilen aufgewachsen und wohnt heute in Ermatingen. Der gelernte Versicherungskaufmann hat seine Leidenschaft für den Golfsport vor 18 Jahren entdeckt. Seit fünf Jahren übt er den Sport hauptberuflich aus. Auf seiner Webseite bloggt er über seine Golfturniere, auf Instagram unterhält Joel Girrbach ein privates Profil.

Wie sind Sie eigentlich zum Golfsport gekommen?

Das war vor 18 Jahren, als der Golfclub in Lipperswil eröffnet hat. Ich habe mit meiner Familie angefangen, zu spielen, merkte dann aber schnell, dass mich dieser Sport total fasziniert. Seit fünf Jahren spiele ich nun schon hauptberuflich, also als Profi.

Spielt Ihre Familie Golf?

Ja, aber natürlich nicht so aktiv, wie ich den Sport betreibe.

Sind Sie noch Mitglied des Golfclubs Lipperswil?

Nein, ich bin kein aktives Mitglied, da ich so viel unterwegs bin. Wenn ich hier bin, trainiere ich aber sehr gerne in Lipperswil und auch in Erlen.

Wie sieht Ihr Alltag derzeit in der Nebensaison aus?

Ich gehe morgens für etwa anderthalb Stunden ins Fitnesszentrum, dann gehe ich auf den Golfplatz. Dort trainiere ich dann zwischen zwei bis vier oder fünf Stunden.

Kann man im Winter noch gut golfen?

Auf der «Driving Range» kann ich auch im Winter den Abschlag üben. Bei Schneefall kann man nicht draussen spielen, aber ich habe die Möglichkeit, in der Nähe Indoor zu trainieren.

Welche Wetterbedingungen sind denn ideal, um Golf zu spielen?

Wenn es windstill ist. Aber wir sind uns inzwischen gewohnt, bei jedem Wetter zu spielen. Die Hitze ist noch okay, was aber ganz mühsam ist, sind Regen und Wind zusammen.

Wie ist es mit der finanziellen Lage im Golfsport?

Der Golfsport ist sehr kostenintensiv, aber ich habe gute Unterstützung, wofür ich sehr dankbar bin. Ich versuche auch, Leistung zurückzugeben. Aber ich glaube, im Sport ist es generell mit den Sponsoring-Einnahmen nicht einfach. Sponsoring ist Goodwill.

«Wir Spieler teilen uns auf den Reisen auch manchmal eine Wohnung.»

Wie ist denn das Verhältnis unter den Golfspielern?

Wir pflegen ein kollegiales Verhältnis – obwohl wir dann im Wettkampf natürlich Konkurrenten sind. Aber wir haben keinen Konkurrenzkampf untereinander.

Ist Golfen in der Schweiz eine Randsportart?

Ich würde schon sagen, dass Golfen noch eine Randsportart ist. Aber es ist in den letzten Jahren sicher besser geworden.

Wie könnte noch mehr Aufmerksamkeit auf den Golfsport gelenkt werden?

Es ist wichtig, dass der Sport für alle zugänglich ist, also nicht eines enormen finanziellen Aufwands bedarf, um einzusteigen. Und es braucht auch eine Identifikationsfigur in den Medien.

Sehen Sie sich als eine solche Identifikationsfigur?

Ich glaube, wenn man im Sport erfolgreich sein will, dann findet man sich automatisch in den Medien wieder. Ich bin gerne in der Öffentlichkeit und wenn ich mal erkannt werde, was schon ab und zu vorkommt, bin ich auch gerne mal zu einem Selfie bereit.

Golfer Joel Girrbach auf dem Platz in Lipperswil.

Golfer Joel Girrbach auf dem Platz in Lipperswil. 

(Bild: Donato Caspari)

War es schon immer Ihr Traum, Golfer zu werden?

Nein, ich bin per Zufall zu diesem Sport gekommen. Ich weiss gar nicht mehr, was ich früher werden wollte. Wahrscheinlich Traktorfahrer, wie alle anderen Jungs auch.

Sie haben Versicherungskaufmann gelernt. Können Sie sich vorstellen, diesen Beruf nach Ihrer Golfkarriere wieder auszuüben?

Nein, ich würde etwas anderes machen wollen. Ich kann mir nicht vorstellen, diesen Beruf für den Rest meines Lebens auszuüben. Was ich aber konkret machen werde, weiss ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Aber ich denke, es wird etwas in der Wirtschaft sein.

Gibt es etwas, was Sie in Ihrem Leben auf jeden Fall noch machen möchten?

Früher war für mich das Reisen immer ein Thema. Dank dem Golfsport habe ich aber schon so viele Orte gesehen, dass sich dieser Wunsch grösstenteils erübrigt. Momentan weiss ich nichts Spezielles, was ich unter allen Umständen noch machen möchte. Das kommt vielleicht in den nächsten Jahren noch. Jetzt gerade bin ich mit meinem Leben wunschlos glücklich.

Gibt es denn einen Ort, welchen Sie bisher noch nicht gesehen haben?

Ich würde sehr gerne noch nach Japan und Südamerika reisen.

Was schätzen Sie an Ihrem Heimatkanton, dem Thurgau?

Ich bin in Tägerwilen aufgewachsen und zur Schule gegangen, heute lebe ich in Ermatingen am Untersee. Der Thurgau hat einfach alles – wir sind nahe an Deutschland, nahe an der Stadt Zürich und auch nahe an der Natur. Ich bin ein Seekind und kann mir gar nicht vorstellen, irgendwo anders zu leben.

Haben Sie eine zweite Heimat?

Im Winter bin ich ein paar Wochen in Südafrika, um zu trainieren. In der Region Durban. Dort fühle ich mich auch sehr wohl.

Was schätzen Sie am Winter hier in der Schweiz?

Ich gehe gerne in Arosa Skifahren oder Schneeschuhlaufen.

Womit tanken Sie Energie, um im Golfsport erfolgreich weiterzumachen?

Im Winter habe ich mehr freie Zeit als während der Saison und dann geniesse ich es, zu Hause zu sein, Energie zu tanken oder Zeit mit meiner Familie, meinen Freunden oder meiner Freundin zu verbringen. Ich gehe auch gerne mit meinem Hund, Caddy, spazieren.

Mit welchen drei Eigenschaften würden Sie sich beschreiben?

Ich bin ein sehr offener Mensch, ich habe meist ein Lachen im Gesicht und bin gut organisiert – das ist wichtig, wenn man so viel unterwegs ist.

Was posten Sie auf den sozialen Netzwerken?

Auf meinem Instagramprofil bleibe ich privat.

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