Interview
Kantonsspital Frauenfeld – Der teuerste Bau des Kantons Thurgau ist fast fertig

Ende Februar bezieht das Kantonsspital Frauenfeld das neue Bettenhaus. Der Rückbau des alten Spitalturms beginnt in einem Jahr.

Thomas Wunderlin
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Das neue Bettenhaus des Kantonsspitals Frauenfeld ersetzt das alte Hochhaus, das bisherige Frauenfelder Wahrzeichen. (Bild: Donato Caspari)

Das neue Bettenhaus des Kantonsspitals Frauenfeld ersetzt das alte Hochhaus, das bisherige Frauenfelder Wahrzeichen. (Bild: Donato Caspari)

Haben Sie jetzt gleichgezogen mit Ihrem Kollegen in Münsterlingen? Dort ist in den letzten Jahren viel gebaut worden, und nun wird auch der Neubau in Frauenfeld fertig.

Norbert Vetterli: Beide Spitäler wurden in den Siebzigerjahren gebaut, von daher hatten beide einen erheblichen Sanierungsbedarf. Das Investitionsprogramm hatte der Kanton beschlossen, als die Spitäler mit ihren Liegenschaften noch in seinem Eigentum waren. Es geht nicht darum, mit Münsterlingen gleichzuziehen. Wir haben hier eine rund fünfzigjährige Bausubstanz. Das musste man einfach sanieren.

 Norbert Vetterli, Direktor Kantonsspital Frauenfeld. (Bild: Andrea Stalder)

Norbert Vetterli, Direktor Kantonsspital Frauenfeld. (Bild: Andrea Stalder)

Sie erstellen einen Neubau und reissen das alte Gebäude ab – eine ungewöhnliche Lösung?

Nein, das machen eigentlich alle Spitäler, die in den Siebzigerjahren entstanden sind und – wie damals üblich - über ein Hochhaus mit Massivbetonstruktur verfügen. Diese Strukturen sind sehr unflexibel, es sind alles tragende Strukturen. Man kann fast nichts umbauen, ohne dass es viel Geld kostet. Eine sehr ähnliche Ausgangslage hatte zum Beispiel auch das Spital Limmattal in Schlieren, welches vor wenigen Wochen den Abbruch des alten Gebäudes beendet hat.

Die Alpensicht, die Sie jetzt von Ihrem Büro zuoberst im Turm geniessen, werden Sie nachher wahrscheinlich nicht mehr haben.

Ja, aber das ist nicht so tragisch. Ich gehe wieder in den Südtrakt, den Büro-Anbau hinter der Bushaltestelle. Ich hatte mein Büro schon einmal dort. Wir schauen darauf, dass die klinische Nutzung und die Patientenwege stimmen. Die Verwaltung muss sich dementsprechend räumlich organisieren.

Wie war die Bauzeit für Sie?

Es war eine gute Zeit. Akustisch haben uns die Bauarbeiten nicht tangiert, da es ein abgesetzter Neubau ist. Es gab viele interessante Themen, die man diskutieren musste, mit den Nutzern anschauen und entscheiden.

Öffentlich bekannt geworden sind Zwischenfälle mit eingesackten Gerüsten.

Ein Bauhandwerker hat eine doppelte Sicherung nicht angebracht, das wurde in der Zeitung unnötig hoch dramatisiert. Es war, wie wenn Sie mit dem Auto einen Stopp reissen und in die Sicherheitsgurte gedrückt werden – unangenehm, aber absolut ungefährlich.

In den Gängen des Neubaus arbeiten Handwerker. Bild: (Andrea Stalder)

In den Gängen des Neubaus arbeiten Handwerker. Bild: (Andrea Stalder)

Gab es sonstige Pannen?

Das ist das Schöne: kein einziger Unfall während der ganzen Bauzeit auf der grössten Baustelle des Kantons Thurgau. Das ist eine Auszeichnung für den Generalunternehmer Steiner, und auch für alle Bauleiter von unserer Seite.

Beim Neubau in Münsterlingen gab es nachträglich eine Auseinandersetzung darum, ob gewisse Beleuchtungen im Preis inbegriffen seien. Haben Sie hier ähnliche Diskussionen?

Bis jetzt nicht. In Münsterlingen lief die ganze Planung, für welche der Kanton vollumfänglich zuständig war, fünf Jahre früher. Wir konnten von vielen Erfahrungen profitieren.

Dann sind Sie zufrieden mit dem Generalunternehmer, der sich in einer öffentlichen Ausschreibung durchsetzen musste?

Ich kann behaupten, es ist ein Vorzeigeprojekt, das fast perfekt gelaufen ist. Es sind die üblichen Diskussionen, die man in einem solchen Grossbau hat. Die Termine sind knapp, aber wir sind auf Kurs. Das, was gemacht wird, ist sehr gut. Die Baustelle ist stets sauber und aufgeräumt. Viele Ostschweizer und Thurgauer Unternehmer sind zum Zug gekommen. Befürchtungen, dass unbekannte oder ausländische Firmen auf den Platz kämen, haben sich nicht bewahrheitet.

Verbindungen im Neubau des Kantonsspitals Frauenfeld. (Bild: Andrea Stalder)

Verbindungen im Neubau des Kantonsspitals Frauenfeld. (Bild: Andrea Stalder)

Sind Sie schon zum Umziehen bereit? Vor und im Haus sieht man überall noch Handwerker an der Arbeit.

Der Generalunternehmer überträgt uns vor Weihnachten das neue Gebäude. Ende Februar werden wir aus dem alten Gebäude ausziehen. Wir werden drei bis vier Wochen brauchen, um es komplett zu leeren. Dann wird das Hochhaus Ende März dem Generalunternehmer übergeben. Den Zeitplan haben wir letztes Jahr justiert. Es gab zwei, drei Sachen, die wir nicht vorhergesehen haben.

Können Sie ein Beispiel geben?

Etwa die Schadstoffsanierung, wie sie bei verschiedenen kantonalen Bauten aus den Siebzigerjahren gemacht werden muss. Im Dämmmaterial unter den Fassaden hat es teilweise Asbest. Das ist nicht kritisch. Bei einer ersten Schadstoffanalyse 2013/14 hatte man das Problem bereits erkannt. Es hat sich inzwischen gezeigt, dass Asbest an mehr Stellen vorhanden ist, als die erste Analyse ergab, die noch vom Kanton gemacht wurde. Darum ist der Zeitplan jetzt etwas weiter gefasst. Ab April wird das Gebäude hermetisch eingepackt. Unter Unterdruck wird das Material wie mit einem grossen Staubsauger herausgeholt und fachgerecht entsorgt. Dann fängt der strukturelle Rückbau an.

Bis wann sind das Hochhaus und die Aussichtsterrasse öffentlich zugänglich?

Etwa am 20. März muss das Haus leer sein. Das wird ungefähr das Datum sein, an dem wir es definitiv schliessen.

Patientenzimmer im Neubau des Kantonsspitals Frauenfeld. (Bild: Andrea Stalder)

Patientenzimmer im Neubau des Kantonsspitals Frauenfeld. (Bild: Andrea Stalder)

Gibt es ein bestimmtes Datum, an dem das neue Bettenhaus den Vollbetrieb aufnimmt?

Nein. Die Zügelaktion ist auf eine Woche verteilt. Es gibt gewisse Abhängigkeiten, zum Beispiel sollte man die medizinische Klinik und die Diagnostik miteinander zügeln, wegen der mehrfach im Tag stattfindenden diagnostischen Abklärungen. Die Geburtsstation werden wir zuletzt zügeln, damit keine anderen Stationen die Lifte belegen. Im Altbau sind die Liftgruppen ein Flaschenhals. Wenn eine Frau bereits am Gebären ist, werden wir sie in der bisherigen Geburtsstation lassen. Kommt eine Frau neu mit Wehen, wird sie zur neuen Station geleitet. Es können gut und gerne sieben bis neun Gebärende sein, die innerhalb von fünf Stunden da sind. Das werden wir im Griff haben. Wir haben die klinischen Zusammenhänge durchdacht, um das Risiko auf null zu senken.

Müssen viele Patienten umziehen?

Wir gehen von rund 200 stationären Patienten aus, die betroffen sind.

Der Neubau des Kantonsspitals Frauenfeld; der Abriss des Altbaus beginnt in einem Jahr. (Bild: Donato Caspari)

Der Neubau des Kantonsspitals Frauenfeld; der Abriss des Altbaus beginnt in einem Jahr. (Bild: Donato Caspari)

Wann verschwindet das Hochhaus?

Die Schadstoffsanierung dauert etwa bis Herbst 2020. Das Gebäude gehört dann dem Generalunternehmer, er hat die Chance, die bestmögliche Wertstoffverwertung zu machen. Der Rückbau beginnt etwa im November 2020 und dauert sechs bis neun Monate.

Zur Person

Der 52-jährige Norbert Vetterli ist seit 2011 Direktor des Kantonsspitals Frauenfeld und der Klinik St. Katharinental. Der Elektroingenieur mit Wirtschaftsstudium wohnt in Uster, ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. 

Tag der offenen Tür

In Neubau «Horizont» des Kantonsspitals Frauenfeld findet am Samstag, 18. Januar 2020, von 9 bis 15 Uhr ein Tag der offenen Tür statt. Mit einer Bausumme von rund 250 Millionen Franken handelt es sich um das teuerste Bauvorhaben, das der Kanton Thurgau je umsetzte. Im Sommer 2016 war der erste Spatenstich, vor Weihnachten wird es der Generalunternehmer übergeben. Der Umzug findet zwischen dem 22. Februar und dem 1. März 2020 statt.