«Der Stadtpräsident ist nicht das Opfer, sondern die Ursache für vieles»: Externer Fachmann setzt bei Querelen in Steckborn Druck auf

Der Zwist in Steckborn scheint sich nach aussen hin zu beruhigen. Der Experte jedoch gibt neue Einblicke und stellt Forderungen, an den Stadtpräsidenten und den Stadtrat. Letzterer tagt nach einer ersten Aussprache am Montag.

Samuel Koch
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Das Steckborner Stadthaus liegt inmitten des malerischen Städtchens am Untersee.

Das Steckborner Stadthaus liegt inmitten des malerischen Städtchens am Untersee.

Bild: Reto Martin, 28.Mai 2020

Was ist in Steckborn passiert?

  • Vergangene Woche haben sich in Steckborn die Ereignisse überschlagen
  • Nach der Demission von Stadtrat Gregor Rominger verschickt der Stadtrat eine Mitteilung, worin er Pulfer öffentlich kritisiert.
  • Von «persönlichen Mängeln an Führungsqualitäten» ist die Rede, von «Unzufriedenheiten» innerhalb der Verwaltung und des Stadtrates.
  • Roman Pulfer wiederum kontert die Kritik, räumt Gerüchte über einen möglichen Rücktritt aus dem Weg und stellt seinerseits Vorwürfe in den Raum
  • Er spricht von pauschalen Unterstellungen und intriganten Machenschaften seitens mehrerer Mitglieder des Stadtrates sowie des Stadtschreibers Hanns Wipf
  • Jetzt klärt der extern beigezogene Fachmann auf, was sich hinter den Kulissen abgespielt hat

Der Schein trügt, die Wogen in Steckborn sind nach der zuletzt aufreibenden Zeit noch nicht geglättet. Zwar hat im zerrütteten Stadtrat am Mittwochabend eine erste Aussprache stattgefunden, nachdem die Querelen für die Öffentlichkeit zum Vorschein gekommen sind.

Äussern will sich zum jetzigen Zeitpunkt aber weder ein Stadtrat noch der öffentlich kritisierte Stadtpräsident gerne. Roman Pulfer bestätigt am Donnerstagnachmittag nur, dass der Stadtrat nach den Querelen am Montag erstmals tagen wird, traktandiert sei das Projekt «Steckborn plus» allerdings nicht. «Wir werden uns sicher darüber unterhalten», sagt Pulfer wortkarg. Und er betont:

Roman Pulfer, Stadtpräsident Steckborn.

Roman Pulfer, Stadtpräsident Steckborn.

Bild: Reto Martin
«Die Angelegenheit verschwindet sicher nicht unter dem internen Deckel.»

Dafür werde er sich einsetzen.

Personalfachmann mit Erfahrung in öffentlicher Verwaltung

Die Mediation im Frühjahr zwischen Pulfer und Wipf endete zwar erfolgreich, wie der extern beigezogene Experte Hans Oswald sagt. «Die Angelegenheit scheint aber im Moment ziemlich blockiert», sagt der Personalfachmann, der schon viele Gemeinden beraten hat, darunter die Stadt St.Gallen oder die Gemeinden Wittenbach und Klosters. Nach der Auslegeordnung im Stadtrat im März seien die Mängel einerseits bei der Führungsqualität und andererseits bei der Verwaltungsorganisation im Stadthaus zum Vorschein gekommen.

Hans Oswald, externer Fachmann.

Hans Oswald, externer Fachmann.

Bild: PD

Und Oswald schlägt nochmals in dieselbe Kerbe wie die Mehrheit des Stadtrates und braucht dafür klare Worte:

«Der Stadtpräsident ist nicht das Opfer, sondern die Ursache für vieles.»

Der Stadtrat habe ein Grundlagenpapier mit Empfehlungen entworfen und verabschiedet, das es nun auch durch den Stadtpräsidenten umzusetzen gelte. Oswald hofft, dass der aus Milizlern bestehende Stadtrat genügend Kraft aufbringt, die Blockade zu lösen.

Mit Arbeitsgruppen stehen drei Ziele im Fokus

Nun warten alle gespannt die Stadtratssitzung vom Montag ab. Sofern das Projekt «Steckborn plus» doch noch ins Rollen kommt, stünden in mehreren Arbeitsgruppen mit Stadträten, Stadtschreiber, Stadtpräsident und einem weiteren Experten drei Ziele im Fokus:

  • Überarbeitung des Geschäftsmodells und klare Regelung der Verantwortlichkeiten in einer zeitgemässen Aufbauorganisation
  • Einführung eines jährlichen Zielvereinbarungsprozesses, mit Leistungsüberprüfung und Mitarbeitergesprächen
  • Professionelle Personalrekrutierung für zeitnahe Pensionierungen

Grundsätzlich zeigt Oswald Verständnis für die entstandene Unsicherheit in ganz Steckborn. Aber er sieht auch den Stadtrat und den Stadtpräsidenten in der Pflicht. Den Vorwurf, er sei durch eine Bekanntschaft mit Vizestadtpräsidentin Michaela Dähler voreingenommen, empfindet er indes als lächerlich.

Die Kritik Oswalds will Pulfer am Donnerstag spätabends nicht kommentieren.