«Der Sprung»: Frauenfeld liest sich mit Simone Lapperts Roman warm fürs Bücherfest im Frühsommer

Kommenden Juni steht das dritte Frauenfelder Bücherfest an. Zum dritten Mal liest die ganze Stadt im Vorfeld ein Buch: «Der Sprung».

Mathias Frei
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Die Schriftstellerin Simone Lappert im «Spheres» in Zürich.

Die Schriftstellerin Simone Lappert im «Spheres» in Zürich.

(Bild: Ennio Leanza / KEYSTONE)

Der Mund ist trocken, Luft wird zum Geräusch. Sie springt, ist im Fallen begriffen. Dann folgt der Countdown über 334 Seiten. Allmählich offenbaren sich vor dem inneren Auge auf einer dreidimensionalen Karte die Wechselwirkungen zwischen der Topfpflanzen-Aktivistin Manu, die in einer Kleinstadt auf einem Dach steht, und einem guten Dutzend Menschen um sie herum.

Das Ganze ist mehr als die Summe
seiner Teile.

Das ist «Der Sprung» von Simone Lappert, ihr zweiter Roman. Das liest Frauenfeld die kommenden knapp dreieinhalb Monate. Respektive: Soll lesen – im Rahmen der Aktion «Frauenfeld liest ein Buch», welche die Vorhut für das dritte Frauenfelder Bücherfest bildet.

«Familie» ist das Überthema am Bücherfest

Das dritte Frauenfelder Bücherfest geht von Freitag bis Sonntag, 5. bis 7. Juni, an verschiedenen Veranstaltungsorten in der ganzen Stadt über die Bühne. Das komplette Programm wird im Mai bekannt gegeben. Den inhaltlichen Rahmen bildet das Überthema «Familie». Im Vorfeld des Bücherfests gibt es im Rahmen von «Frauenfeld liest ein Buch» mehrere Veranstaltungen. Heute Samstag geht es los mit der «Punschlosglücklich»-Ape vor der Kantonsbibliothek und Heissgetränken, Buttons sowie Bücherverkauf. Gespräche zu «Der Sprung» sind am 18. März, 30. April und 18. Mai. «Shared Reading»-Events: 7. März, 18. April und 16. Mai. (ma)

www.buecherfest.ch

Vertreter des Bücherfest-OK haben am Donnerstagvormittag die Aktion vorgestellt und erste Einblicke gewährt ins Programm des Literaturfestivals, das vom 5. bis 7. Juni über die Bühne geht. Die Koordination übernimmt das städtische Amt für Kultur, zum Gremium gehören weiter die Kantonsbibliothek, die Kanti-Mediothek, der Verein Bibliothek der Kulturen und der Bücherladen Sax. Die Programmleitung hat auch bei der dritten Ausgabe Marianne Sax inne.

Erste Schweizer Autorin bei Diogenes

Am Bücherfest 2016: Meral Kureyshi, hinten ihr Verleger Erwin Künzli.

Am Bücherfest 2016: Meral Kureyshi, hinten ihr Verleger Erwin Künzli.

(Bild: Donato Caspari)

Mit Meral Kureyshis Roman «Elefanten im Garten» nahm «Frauenfeld liest ein Buch» 2016 seinen Anfang. Vor zwei Jahren stand «Was man von hier aus sehen kann» von Mariana Leky im Zentrum. Beide Bücher wurden allein in Frauenfeld jeweils rund 300-mal verkauft. Nun also Simone Lappert, 1985 in Aarau geboren, die heute in Zürich lebt. Sie ist Absolventin des Schweizerischen Literaturinstituts in Biel, die erste Schweizerin, die bei Diogenes publiziert, und war für den Schweizer Buchpreis 2019 nominiert.

«Das Bücherfest und ‹Frauenfeld liest ein Buch› gibt mir die Gelegenheit, alle zwei Jahre ein neues Buch zu lesen.»

Das meint Stadtpräsident Anders Stokholm an der Pressekonferenz. Im Ernst: Als Bücherwurm freue er sich natürlich über diesen Lesevorschlag. Die Idee, über eine gemeinsame Lektüre miteinander ins Gespräch zu kommen, findet er wunderbar. Bücherfest-Programmchefin Marianne Sax sagt:

«Mir gefiel ‹Der Sprung› vom ersten Moment an.»

Im Kern sei der Roman etwas für jedermann, modern geschrieben und habe Sprengkraft.

Sie lesen mit: Eliane Wenger, Lukas Hefti, Marianne Sax, Anders Stokholm, Barbara Roth und Bernhard Bertelmann.

Sie lesen mit: Eliane Wenger, Lukas Hefti, Marianne Sax, Anders Stokholm, Barbara Roth und Bernhard Bertelmann.

(Bild: Mathias Frei)

Lukas Hefti von der Kantonsbibliothek kommt auf die verschiedenen «Frauenfeld liest ein Buch»-Veranstaltungen zu sprechen. Zum einen gibt es drei Gesprächsrunden über das Buch, je mit einem thematischen Schwerpunkt. Beim ersten Gespräch ist die Frauenfelder Illustratorin Rina Jost mit von der Partie und zeichnet live mit. Neu sind die «Shared Reading»-Events, die sich für Leute eignen, die noch nicht mit Lesen begonnen haben. «Das sind 90-minütige Anlässe, die eine fixe Struktur haben», erklärt Hefti. Es gehe dabei um den Text an sich und die Stimmung beim Lesen.

Eliane Wenger, Vertreterin der Kanti-Mediothek, freut sich, dass mehrere Kantiklassen Lapperts Buch lesen werden. Weiter gibt es Workshops für die Schüler. Und seitens Verein Bibliothek der Kulturen kann Wenger ankündigen, dass «Der Sprung» in den regelmässig stattfindenden Sprachencafés des Vereins ein Thema sein wird.

Der erste Saatgut-Autor heisst Willi Tobler

Willi Tobler.

Willi Tobler.

(Bild: Reto Martin)

Was das Bücherfest-Programm betrifft, so wird die Katze erst im Mai aus dem Sack gelassen. Erste Zückerli gibt Marianne Sax aber bereits bekannt. Insgesamt 24 Veranstaltungen innert drei Tagen seien es. Simone Lappert wird zweimal zu sehen sein, am Freitag, 5. Juni, um 19 Uhr sowie am Samstag, 6. Juni, um 15 Uhr. Das Kinderprogramm wird ausgebaut. Die erste Publikation des neuen Thurgauer Verlags Saatgut, ein Kinder-Kunstbuch vom Frauenfelder Willi Tobler, feiert Buchvernissage.

Nicola Steiner.

Nicola Steiner.

(Bild: Hansjörg Sahli)

Es gibt unter anderem Lesungen von Pascale Kramer, Michael Kumpfmüller und Uwe Timm. Moderieren werden Nicola Steiner, Luzia Stettler und Felix Münger. Es findet ein «Salon Swips» statt – Live-Literaturkritik des Vereins «Swiss Independent Publishers».