Der «Schwanen» in Steckborn wandelt sich

Die gastronomische Zeit des Restaurants und der Bar Schwanen ist Geschichte. Neu entstehen im historischen Gebäude an der Seestrasse in Steckborn weitere Wohnungen.

Margrith Pfister-Kübler
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Eigentümer Ernst Roth zeigt auf den Innenhof des «Schwanen», wo er zusätzlich bauen will. (Bilder: Margrith Pfister-Kübler)

Eigentümer Ernst Roth zeigt auf den Innenhof des «Schwanen», wo er zusätzlich bauen will. (Bilder: Margrith Pfister-Kübler)

Ein langer Blick, dann erzählt Ernst Roth, gelernter Koch und Hotelfachmann sowie Eigentümer des «Schwanen», weshalb er sein Restaurant am 1. Oktober endgültig geschlossen hat. Von der einstigen Taverne zum Hotel bis schliesslich zum Seerestaurant erlebte der «Schwanen» bewegte Zeiten. «Der Gastrobetrieb rechnete sich nicht mehr», sagt Roth. Im Sommer lief das Geschäft zwar, allein schon wegen der schönen Seeterrasse. «Sonst aber ist es schwierig, die Struktur der Gäste hat sich geändert, Stammgäste fehlen», sagt Roth, der bis zum Jahr 2012 zusammen mit seiner Frau Sonja selbst noch wirtete.

Durch seine Adern fliessen Wirte-Gene

Zuletzt hat ein Pächter den «Schwanen» geführt. Einen Gastrobetrieb rentabel zu führen, das sei heute äusserst schwierig, erklärt Roth. Er blickt auf das Restaurant Schloss in unmittelbarer Nachbarschaft, in welchem die Gastronomieräume leer stehen und auch auf den «Löwen» in der gleichen Häuserreihe, in welchem ebenfalls Wohnungen entstehen. «Schwanen»-Eigentümer Ernst Roth stellte sich der Realität. Nicht nur jetzt aktuell in Steckborn, sondern auch in Mammern, wo ihm das Restaurant Bahnhof gehörte. Es wurde abgebrochen und auf das Areal ein Neubau mit Eigentumswohnungen errichtet. Ähnliches hat Roth nun im «Schwanen» vor, obwohl dieser selbstverständlich vorher nicht abgerissen wird.

Der weisse Entenvogel gibt dem «Schwanen» seinen Namen.

Der weisse Entenvogel gibt dem «Schwanen» seinen Namen.

Viele Bilder gehen Roth durch den Kopf. Seine Eltern Berta und Ernst Roth haben den «Schwanen» im Jahr 1952 erworben. Diese besassen zuvor einen Gasthof mit Metzgerei «Zum Kreuz» in Amsoldingen bei Thun. Wirte-Gene fliessen also durch seine Adern. «1979 habe ich den Betrieb meinem Vater abgekauft», sagt Roth. Später folgten unter anderem die Sanierungen der elf Wohnungen. Als Lärmschutz vom Restaurant zu den Wohnungen wurde von einem Akustikingenieur eine Sandschüttung empfohlen.

«30 Tonnen Sand wurden eingebaut, da war oben in den Wohnungen nichts mehr zu hören vom Restaurant»

meint er schmunzelnd. Auch jetzt spielt bei den Umbauplänen nebst der Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege der Lärmschutz eine Rolle. Möglich sei es schon, dass noch historische Substanzen auftauchen. «Im Barbereich hat es bemalte Balken, die jetzt zugedeckt sind», weiss Roth. Ihm ist es ein Herzensanliegen, dass die denkmalgeschützte Liegenschaft «Schwanen» mit elf Wohnungen und bald einer grossen zwölften Wohnung, eben dem ehemaligen Restaurant, weiterhin ein Hingucker im Stadtbild bleibt. «Die Denkmalpflege reiht das Alter des Gebäudes ins Jahr 1730 ein, ich auf 1630», sagt Roth. Im Parterre waren einst Stallungen und die Remise für Kutschen. Das Seeufer reichte bis zur Gartenterrassenmauer, der heutige Quai wurde später aufgeschüttet.

Im Stadtbild und vom See her soll der «Schwanen» gemäss Ernst Roth weiterhin ein Hingucker bleiben.

Im Stadtbild und vom See her soll der «Schwanen» gemäss Ernst Roth weiterhin ein Hingucker bleiben.

Flachdachhaus im bisherigen Innenhof

Ernst Roth wäre nicht er selbst, wenn der Gastroschlusspunkt nebst dem Umbau in eine Wohnung nicht noch weitere neue Pläne reifen liesse. Er schaut in den idyllischen Innenhof, während die Sonne vom makellos blauen Himmel scheint. «Hier plane ich ein Flachdachhaus, aber so, dass vom See her die Silhouette vom Schwanen-Haus sichtbar bleibt», sagt Roth. Er freut sich:

«Ja, und die Schwäne bleiben am Haus und bei der Seeterrasse»

damit sei auch die Denkmalpflege einverstanden. Und wie sieht die Gemeinde die Bewilligungsmöglichkeiten für die Pläne eines Flachdachhauses im Innenhof des «Schwanen» und das Baugesuch für den Umbau des Restaurants zur Wohnung? Die Anfrage von Ernst Roth liege vor, bestätigt Bauverwalter Egon Eggmann. Der Umbau zur Wohnung sei bewilligungsfähig. Damit ein Neubau im Innenhof ebenso bewilligungsfähig werde, rufe dies schon nach einem «sehr guten Projekt». Denn das geschützte Ortsbild ist von nationaler Bedeutung.