Der Schatten einer Fremdplatzierung liegt über politisch Herdern: Das könnte zu einem 170'000-Franken-Minus führen

Die Gemeinde Herdern budgetiert mit Mehreinnahmen bei den Steuern und konnte erst kürzlich ein Darlehen über eine halbe Million Franken zurückzahlen. Aber da gibt es ein Schreckensszenario.

Mathias Frei
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Herdern und rechts Lanzenneunforn in einem Bild. (Bild: Andrea Stalder)

Herdern und rechts Lanzenneunforn in einem Bild. (Bild: Andrea Stalder)

Im schlimmsten Fall gibt es kommendes Jahr ein Minus von 170'000 Franken. Mit diesem Szenario musste der Gemeinderat von Herdern budgetieren. Denn dieser schlimmste Fall, eine Fremdplatzierung durch die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb), wird schon in der Rechnung 2019 mit Kosten von 40'000 Franken zu Buche stehen. Für kleine Landgemeinden stellen Fremdplatzierungen ein Schreckensszenario dar. Sehr schnell werden Massnahmen sehr teuer – und müssen von der Wohngemeinde vorfinanziert werden.

Politisch Herdern rechnet für kommendes Jahr bei einem Aufwand von 3,93 Millionen Franken mit 170'000 Franken Minus. Das liegt im Rahmen des Vorjahresbudgets, als man von einem Verlust von gut 140'000 Franken ausgegangen ist. Einstimmig genehmigten die 29 Stimmbürger am Donnerstagabend an der Gemeindeversammlung das Budget. Ein Ja gab es auch zum gleichbleibenden Steuerfuss von 60 Prozent.

Ulrich Marti, Gemeindepräsident Herdern. (Bild: Mathias Frei)

Ulrich Marti, Gemeindepräsident Herdern. (Bild: Mathias Frei)

Mehr Steuereinnahmen budgetiert

Zwar sieht der Finanzplan für die Jahre 2021 bis 2024 weitere Aufwandüberschüsse vor. Aber für kommendes Jahr wird mit Mehreinnahmen bei den Steuern (gegenüber Budget 2019) von 200'000 Franken gerechnet.

«Die Entwicklung unserer Steuerkraft ist erfreulich.»

Das stellte Gemeindepräsident Ulrich Marti fest. Und dies trotz der Steuerfusssenkung um drei Prozentpunkte auf 60 Prozent auf das laufende Jahr. Da wäre der budgetierte Mehraufwand im Unterhalt der Gemeindestrasse von 100'000 Franken noch gut zu bewältigen. Auch der ausserordentliche Aufwand von 40'000 Franken für die Digitalisierung der Geschäftsverwaltung auf der Gemeindekanzlei führte nicht zu roten Zahlen.

«Der Budgetrahmen ist eng gehalten, aber realistisch.»

Das sagte Marti. Das Minus sei verkraftbar, weil es zwar das Eigenkapital und die Liquidität belaste. Bei beiden Werten stehe man aber gut da. «Zudem konnten wir kürzlich ein Darlehen über 500'000 Franken zurückzahlen.» Damit drückt Herdern jetzt noch Fremdkapital in Höhe von 2,5 Millionen.

Aber eben: Vergangenen Sommer kündigte die Kesb die Fremdplatzierung einer Person aus Herdern an. Die Massnahme wurde zwischen Juli und August vollzogen, also mitten in der Budgetierungsphase. Ein Tag in der dafür bestimmten geschlossenen Einrichtung kostete 800 Franken. Der Kanton übernahm die Hälfte dieser Kosten. Es zeige sich, dass das vorausschauende Budgetieren in diesem Bereich berechtigt sei, sagte Marti. Und:

«Mittlerweile ist es auch möglich, dass uns dieser Fall im neuen Jahr nicht mehr betrifft.» 

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