«Der Sanierungsbedarf ist unbestritten»: Steckborn wagt einen neuen Anlauf für die Umgestaltung des Kehlhofplatzes

Nach über zehn Jahren nimmt Steckborn die Pläne für den historischen Platz in der Altstadt wieder aus der Schublade.

Samuel Koch
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Die alte Linde dominiert den Kehlhofplatz.

Die alte Linde dominiert den Kehlhofplatz.

Bild: Donato Caspari (Steckborn, 7. August 2020)

Es hagelte Kritik. «Der Stadtrat hat die Gelegenheit nicht genutzt, den Osteingang der Altstadt nachhaltig zu verschönern und den Kehlhofplatz wie geplant aufzuwerten.» Das teilte die Steckborner CVP einst zum Thema der aktuellen Ortsplanungsrevision mit. Nun nimmt der Stadtrat einen neuen Anlauf und gleist die seit Jahren diskutierte Sanierung des Kehlhofplatzes inmitten der Altstadt wieder auf.

Eine Projektstudie der Stiftung Ortsbild zur Neugestaltung des historischen Platzes nördlich der evangelischen Kirche lag bereits 2008 vor. Jedoch hat sich das Projekt immer wieder verzögert. «Damals hat man im Stadtrat andere Prioritäten gesetzt», sagt Stadtrat Jonas Füllemann heute.

Linde ist über 150 Jahre alt

Aufgrund von Sparmassnahmen seien damals andere, teurere Projekte wie Strassensanierungen im Fokus gestanden. Jetzt sei es aber Zeit, die Neugestaltung des Kehlhofplatzes in Angriff zu nehmen. Füllemann sagt:

Jonas Füllemann, Stadtrat von Steckborn.

Jonas Füllemann, Stadtrat von Steckborn.

Bild: PD
«Er ist definitiv einer der schönsten Plätze in Steckborn.»

Füllemann ist mit dem Projekt als Veranstalter des Wettbewerbs und Mitglied der Jury vertraut, die nun mit einem SIA-142-genormten offenen Wettbewerb die Platzgestaltung neu definieren soll. «Der Sanierungsbedarf ist unbestritten, sowohl des Platzes selbst als auch der darunterliegenden Werkleitungen», sagt Füllemann. Neu initiiert hat das Sanierungsprojekt, das ohne den Abriss der schützenswerten alten Linde umgesetzt werden muss, die IG Altstadt. Im Wettbewerbsprogramm steht:

«Die markante Linde ist geschützt und ist daher zwingend zu erhalten.»

Laut einem Gutachten eines Baumpflegespezialisten weist die Linde einen Stammumfang von knapp 470 Zentimeter auf, was einem Alter von über 150 Jahren entspricht. «Die in Europa heimische Linde gilt als Baum des Volkes und ist häufig an Orten der Zusammenkunft anzutreffen», heisst es im Bericht weiter.

Für den Stadtrat steht ausser Diskussion, dass die Linde stehen bleibt und die Neugestaltung rund um den schützenswerten Baum herum in Angriff genommen wird. «Wir wollen jetzt die verschiedenen Bedürfnisse ermitteln», sagt Füllemann. Das zeige auch die Besetzung der Jury, in der auch Anwohner mitarbeiten.

Mittelfristig autofrei

Der Kehlhofplatz soll als Begegnungsort zum Verweilen und zum Spielen einladen. Mittelfristig soll die Verbindung zum Friedhof für den motorisierten Individualverkehr geschlossen werden und nur noch den Anwohnern sowie der Parkierung dienen, heisst es im Wettbewerbsprogramm.

Derzeit befinden sich auf dem Kehlhofplatz jedenfalls noch zwölf blaue Parkplätze. «Ein besonderes Augenmerk gilt den Übergängen zum Obertorplatz, zur Augustiner- und zur Schützengrabenstrasse», sagt Füllemann zur Bedingung im Wettbewerb. Priorität geniesst generell die Verbesserung der Verkehrssicherheit.

Wie die Neugestaltung des Platzes im Detail aussieht, steht noch in den Sternen. Bis Ende Oktober können Projekte eingereicht werden. Voraussichtlich im November erfolgt die Beurteilung der Jury. Der Stadtrat hat für die Planungen einen Kredit in Höhe von 40'000 Franken gesprochen. Über einen allfälligen Objektkredit befände dann womöglich – je nach Höhe der Kosten – die Gemeindeversammlung. Jonas Füllemann freut sich auf ein spannendes Projekt und sagt: «Wir wollen uns zusammen für die beste Lösung entscheiden.»

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