Der Rockstar-Macher: Frauenfelds Musiker gingen durch die Schule von Floriano Hugentobler

Er hat im Thurgau als einer der ersten Schülerbands betreut. Diese Aufgabe im Oberstufenzentrum gibt der Frauenfelder Oberstufenlehrer Floriano Hugentobler nun nach 30 Jahren ab.

Mathias Frei
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In der Aula der Oberstufenschulanlage betreute Floriano Hugentobler in regelmässigen Proben die Schülerbands.

In der Aula der Oberstufenschulanlage betreute Floriano Hugentobler in regelmässigen Proben die Schülerbands.

(Bild: Mathias Frei)

Im Jahr 1990 gab es Schulorchester. Klassisch und brav. Aber Schülerbands? Dann kam Floriano Hugentobler und war im Thurgau wohl einer der ersten oder sogar der erste Seklehrer, der eine Schülerband ins Leben rief und sie betreute. Der Frauenfelder Hugentobler gab damals in Wängi Schule. 1997 kam der heute 59-Jährige nach Frauenfeld zurück, unterrichtet seither im Oberstufenzentrum Reutenen. Dort geht auf Ende Schuljahr seine Zeit als Schülerband-Betreuer zu Ende. Für ihn übernimmt ein junger Lehrerkollege, Fabian Krömler.

Damit geht auch ein Kapitel in der Geschichte vieler Frauenfelder Bands zu Ende. Denn viele belegten in der Oberstufenzeit den Freikurs Schülerband bei Hugentobler. Er hat ihre musikalischen Erweckungsmomente mitgeprägt. Seien es Tobias Rüetschi und Rémy Sax von Augeil-Records, die in Bands wie Addicthead, Obacht Obacht und Carve Up spielten und spielen. Auch Roger Badertscher, Shouter der Hardcore-Metal-Band Mabon, war Freikursteilnehmer. Da sind Severin Beerli und Simon Grässli (beide ehemals Franky Four Fingers und heute Yagua). Kommerziell am erfolgreichsten sind heute Jovin Langenegger und Dennis Koch von The Rising Lights.

Er wird nicht jünger, aber schneller müde

Für Hugentobler stimmt der Moment, jetzt aufzuhören – obwohl er noch ein paar Jahre bis zur Pensionierung hat. Verschiedene Gründe hätten bei diesem Entscheid mitgewirkt, sagt er. «Ich werde nicht jünger, und das Herumschleppen des Equipments ermüdet.» Auch der Stellenwert einer Schülerband sei in den letzten Jahren gesunken.

«Sex, Drugs and Rock’n’Roll, das gab es nie. Aber vor 30 Jahren war es doch noch spezieller, in einer Schülerband zu spielen.»

Heute könne man eine eigene Band gründen, es gebe Proberäume, die Instrumente seien günstiger verfügbar. Und das Angebot für die Jugendlichen sei grösser. Dazu komme, dass es immer wieder herausfordernd gewesen sei, im Stundenplan einigermassen attraktive Probezeiten zu bekommen.

Aber eben: Hugentobler übergibt die durchaus zeitaufwendige Aufgabe mit guten Gefühlen. Zu besten Zeiten führte er im Reutenen drei Schülerbands, in den letzten Jahren reichte es nach vermehrten Abgängen nach der zweiten Sek in die Kanti nur noch für zwei Bands. In all den Jahren setzte er auf die klassische Bandinstrumentierung, also Gitarre, Bass, Schlagzeug, Piano und Keyboard. Er arbeitete jeweils mit acht Gesangsplätzen.

«Deren sieben waren immer mit Mädchen besetzt.»

Wieso diese immer wieder begabten Sängerinnen später keine eigenen Bands gegründet haben, im Gegensatz zu ihren männlichen Mitmusikern, bleibt Hugentobler schleierhaft und ist seiner Meinung nach bedauerlich.

Ungleich besser in Erinnerung bleibt ihm der Auftritt mit einer Schülerband am letztjährigen Mitsommerfest. «Das war ein musikalisch richtig gutes Konzert vor viel Publikum und auf einer grossartigen Soundanlage», meint er.

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