Der Rauhnacht-Schnitzer - Florian Hunziker stellt im Januar im Frauenfelder Eisenwerk aus

Florian Hunziker gibt zwischen Weihnachten und Dreikönigstag seinen Träumen in Holzschnitten eine künstlerische Gestalt.

Christine Luley
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Möbelschreiner Florian Hunziker hat sich für seine kreative Arbeit in ein Badhüsli in Romanshorn zurückgezogen.

Möbelschreiner Florian Hunziker hat sich für seine kreative Arbeit in ein Badhüsli in Romanshorn zurückgezogen.

(Bild: ChristineLuley)

An der Balierestrasse 17 fällt der Blick auf eine nach Mass gearbeitete Holzkiste auf einem Velopackträger. Der Schriftzug «möbelpunktanders» ist die Visitenkarte von Florian Hunziker, der seit 2001 eine Schreinerei im Zentrum von Frauenfeld betreibt. Seit sieben Jahren fertigt er zudem in den Rauhnächten Holzdrucke an. Das Holzschnitzen liegt ihm am Herzen, nicht nur vom 24. Dezember bis zum 6. Januar.

Was hat es nun mit diesen Rauhnächten auf sich? Sie verweisen auf unsere Vorfahren, die glaubten, dass die zwölf Nächte mit der Energie der zwölf Monate im neuen Jahr in Verbindung stehen. Das bedeutet, dass die Nacht vom 24. auf den 25. Dezember dem kommenden Monat Januar entspricht und die zwölfte Rauhnacht, die am 5. Januar um 24Uhr endet, den Dezember symbolisiert.



Als Ausmisten und Waschen verboten waren

Im Jahr 46 v. Chr. löste die Kalenderreform durch Julius Cäsar das Mondjahr mit 354 Tagen ab. Der Julianische Kalender basierte auf dem Sonnenjahr mit 365,25 Tagen. Die Differenz, die «Zwischenzeit» von elf Tagen und zwölf Nächten, wurde an das Jahresende angeschoben.
Älteren Personen mag der Begriff «zwischen den Jahren» noch geläufig sein. Um diese Zwölften, oder Rauhnächte, ranken sich viele Legenden. Die Sagen- und Märchenforscherin Sigrid Früh, (1935-2016) berichtet in «Rauhnächte, Märchen, Brauchtum Aberglaube» über durchlässige Grenzen zur Anderswelt. Von Tieren, die in der Heiligen Nacht sprechen können, von Menschen und ihren Geboten zum Schutz vor bösen Geistern.
Dabei galt es, wachsam auf die Träume, das Wetter und Nachrichten zu schauen, denn in vielem konnte sich eine Prophezeiung verbergen. (clu)

Der Begriff «Aberglaube» kommt in Hunzikers Wortschatz nicht vor. Der Möbelschreiner sieht sich eher als Mystiker.

Zwölf glatt gehobelte Lindenholzbrettli in den Massen 162 mal 162 Millimeter hat er für sein kreatives Schaffen vorbereitet. Das Werkzeug, diverse Linol- und Holzschnittmesser mit fein geschliffenen und polierten Klingen, liegt bereit. Damit schneidet er Kerben und Vertiefungen aus dem Holz. Er erklärt, dass beim Hochdruckverfahren die Oberfläche mit den reliefartigen Erhebungen eingefärbt wird, die Vertiefungen weiss bleiben. «Ich mag die schwarz-weisse Darstellung des Holzschnittes», verrät der kreative Gestalter, und dass er das Arbeiten mit Holz von Jahr zu Jahr interessanter findet.

Florian Hunziker stellt während der dunklen Rauhnächte seinen Wecker auf sieben Uhr. Erzählt, wie er seinem Traum nachsinnt und künstlerisch zum Ausdruck bringen will. «Manchmal läuft es gleich rund, manchmal beschäftige ich mich lange mit einer Skizze, stecke im Arbeitsprozess fest.»

Gegenwart und Zukunft fliessen ineinander

Das sich nach dem Aufwachen an die Träume Erinnern klappt bei ihm. «Vor allem, wenn man ruhiger lebt», sagt der 46-Jährige. Darum hat er sich während der diesjährigen Rauhnächte in ein Badhüsli in Romanshorn zurückgezogen. Hunziker ist Vater von drei Kindern, seine Familie hat Verständnis für seine Auszeit. Denn diese dunklen Nächte sind für ihn wertvoll und er will sie bewusst erleben. Er ist überzeugt, dass das Zurückschauen auf das Vergangene und der Ausblick auf das kommende Jahr etwas Schöpferisches hat.

Auf das Thema Rauhnächte ist er vor 25 Jahren in Diskussionen mit einem väterlichen Freud über das Buch «Zwölf Nächte – Was Weihnachten bedeutet» gestossen. Der Autor, der evangelische Theologe Jörg Zink (1922-2016), empfiehlt die zwölf Heiligen Nächte zwischen Weihnachten und dem Tag der Erscheinung des Herrn mit Meditation und Stille neu zu füllen.

Hunzikers Holzdruckplatten der vergangenen Jahre stecken geordnet in extra dafür geschaffenen Holzkisten. Er zieht den Druckmodel seines Traumes vom 30. Dezember 2018 heraus und legt das Grafikblatt dazu. Äussert sich zum künstlerischen Eindruck, nicht aber über den ausschlaggebenden Traum und seine Auswirkung im vergangenen Juni. (Die sechste Rauhnacht spiegelt den Juni.)

Hunziker erklärt, dass er seine Blätter erst im entsprechenden Monat betrachtet. «Ich lass mich zur gegebenen Zeit überraschen.» Oftmals sei er verblüfft, «wie viel das Sujet mit dem Monat zu tun hat». Auf Prophezeiungen mag er sich nicht einlassen. «Da besteht die Gefahr, dass man sich verkrampft.»

Florian Hunziker präsentiert seine Werke am 17. Januar 2020 am Kunstnacht-Flohmarkt im Eisenwerk und vom 4. bis zum 19. April in der Stadtgalerie Baliere. Weitere Infos: www.moebelpunktanders.ch