Der Pyramidenbauer aus dem Thurgau: Wie Thomas Müller das hiesige Eishockey prägt

Thomas Müller verantwortet beim HC Thurgau den Nachwuchs und kann mit seiner Vision die Eishockey-Bewegung im ganzen Kanton beflügeln. Davon betroffen ist nebst den HCT Young Lions auch der EHC Frauenfeld.

Matthias Hafen
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Der EHC Frauenfeld (Nino Fehr, Remo Oehninger und Pascal Rieser, von links) soll künftig den HC Thurgau aus der MySports League heraus unterstützen.

Der EHC Frauenfeld (Nino Fehr, Remo Oehninger und Pascal Rieser, von links) soll künftig den HC Thurgau aus der MySports League heraus unterstützen.

Mario Gaccioli (10. März 2020)

Die wirklich grossen Dinge werden im Hintergrund erschaffen. Da ist der HC Thurgau keine Ausnahme. Während die Swiss-League-Mannschaft fast täglich im Rampenlicht steht, baut Thomas Müller abseits der TV-Kameras und gefüllten Zuschauertribünen am Fundament des Clubs. Als einer der verbleibenden Verwaltungsräte der Thurgauer Eishockey AG verantwortet Müller die HCT Young Lions. Der 47-jährige Unternehmer hat sich seit seinem Eintritt ins Gremium im Jahr 2017 den Ausbau der Nachwuchsabteilung auf die Fahne geschrieben.

Thomas Müller, Verwaltungsrat des HC Thurgau.

Thomas Müller, Verwaltungsrat des HC Thurgau.

Mario Gaccioli (23. Dezember 2019)

Im Mittelpunkt von Müllers Vision steht die elitäre Pyramide. Kein Weltwunder des Eishockeys, aber ein monumentales Bauwerk für einen kleinen Club wie den HC Thurgau. Die Pyramide soll von den Jüngsten bis hinauf zur Swiss League auf allen Stufen eine Mannschaft garantieren – und zwar auf dem Niveau der Schweizer Elite. So, dass ein Eishockeytalent aus dem Thurgau auf dem Weg an die Spitze den HCT nicht mehr verlassen muss.

Mehr NLB-Spieler aus dem eigenen Nachwuchs

«Unser Ziel ist es, dass wir künftig vermehrt Swiss-League-Spieler aus dem eigenen Nachwuchs rekrutieren können», sagt Thomas Müller. Ein wichtiger Grundsatzentscheid dafür fiel im März 2017 mit der Gründung der HCT Young Lions AG durch die Partnervereine Frauenfeld, Weinfelden und Kreuzlingen-Konstanz. Wenig später gesellten sich zur verpflichtenden Partnerschaft auch die Pikes Oberthurgau dazu. Nun ist Geduld gefragt. «Unsere Elite B (neu U20 Top, Red.) ist noch nicht elitär genug», sagt Müller. «Aber in vier bis fünf Jahren sollen regelmässig Swiss-League-Spieler daraus rekrutiert werden können.» Dann sei eine Generation herangewachsen, die schon ganz unten auf elitärer Stufe gespielt habe.

Auch fehlen in der Thurgauer Pyramide noch Stufen – etwa zwischen dem höchsten Nachwuchsteam (U17) und dem Erwachsenen-Eishockey. Die U17 Top der Young Lions peilte in dieser denkwürdigen, weil abgebrochenen Saison den Aufstieg in die U17 Elit an, verpasste ihn aber noch vor dem Abbruch. Der Nachwuchs der NLA-Clubs Ambri-Piotta und ZSC Lions waren die grössten Konkurrenten. Das zeigt, mit wem es der HCT auf dieser Stufe zu tun bekommt. «Solange wir auf Stufe U17 und in der U20 kein Topniveau anbieten können, verlieren wir Talente nach der U15 an Grossclubs aus Nachbarkantonen», sagt Müller.

EHC Frauenfeld bekommt Unterstützung

Eine weitere Lücke besteht zwischen der 1. Liga und der Swiss League. Dem Thurgau fehlt ein Team in der MySports League. Müller ist sich bewusst, dass der HCT einen Vertreter in der dritthöchsten Liga haben muss. Im Idealfall wäre schon diese Saison der EHC Frauenfeld aufgestiegen. Nun steht aber fest, dass die Kantonshauptstädter nach der abgebrochenen Saison mindestens eine Ehrenrunde in der 1. Liga drehen müssen. Dafür ist ihnen nächste Saison die personelle Unterstützung des HC Thurgau gewiss.

«In dieser Situation ist ein Rekurs nicht angebracht»

Seit dem Wochenende steht fest, dass der EHC Frauenfeld nicht am grünen Tisch in die MySports League aufsteigen kann. Das entschied die Regio League, nachdem der Playoff-Final der 1.-Liga-Ostgruppe zwischen Frauenfeld und Wetzikon wegen des Corona-Virus mitten in der Serie abgebrochen worden war. Thomas Müller, Verwaltungsrat des HC Thurgau und bis anhin Koordinator punkto Zusammenarbeit mit dem EHC Frauenfeld, bedauert das. «Natürlich ist es ärgerlich, dass wir gewissermassen unserer Aufstiegschance beraubt wurden», sagt Müller. Schliesslich verliere die engere Kooperation zwischen dem EHC Frauenfeld und dem HC Thurgau so sportlich ein ganzes Jahr. «Aber angesichts der aktuellen Situation ist der Entscheid der Regio League nachvollziehbar.» Der EHC Frauenfeld hatte zuvor einen Antrag für eine Promotion am grünen Tisch im Sinn gehabt. Rekurrieren will der Club gegen den negativen Entscheid aber nicht. «Ich glaube, es ist angebracht, Demut zu zeigen», sagt Müller. Es sei derzeit schwierig, abzuschätzen, ob der EHC Frauenfeld nach der Corona-Krise überhaupt eine Saison in der MySports League finanzieren könnte. «Es herrscht grosse Ungewissheit, auch punkto Sponsoren», so Müller. «So gesehen ist ein Kampf, etwa mittels Rekurs, nicht angebracht.» Müller versichert aber, dass der EHC Frauenfeld an seinen Ambitionen festhält. «Wir bleiben auf dem eingeschlagenen Weg.» Noch diese Woche könnte in diesem Zusammenhang Frauenfelds neuer Präsident bekannt­gegeben werden – und Thurgaus neuer Sportchef sowie weitere wichtige Personalien. (mat)

Unter Thomas Müller ist der HCT-Nachwuchs nochmals einen Schritt weiter gekommen, populärer geworden. Der Geschäftsführer und Inhaber der Baukla Generalunternehmung AG führte die Pionierarbeit seines Vorgängers Max Hinterberger, Thurgaus abtretender Vizepräsident, beständig und mit Geduld fort. Müller sitzt in seinem dritten Jahr als Verwaltungsrat auch in der Sportkommission des HCT und nimmt Einfluss auf die Zusammenstellung des Swiss-League-Teams.

Eine Dreiviertelmillion pro Jahr für den Nachwuchs

«Meine Vision ist eine Thurgauer Eishockey-Organisation, die in sich funktioniert», sagt Müller, der nicht verwandt ist mit dem neuen Verwaltungsrat Cäsar Müller. «Die Leute sollen Zeit und Ruhe haben, sich zu entfalten – Spieler und Funktionäre.» Er denke halt bei allem, das er anpacke, langfristig. 750000 Franken investiert der HC Thurgau jährlich in die Young Lions – Tendenz steigend. 100 Talente aus dem Kanton werden jede Saison durch Trainer selektioniert. Wer dabei sein will, muss etwas können. Der Schlüssel zum Erfolg sind für Müller professionelle Trainer. «Ohne sie geht nichts.» Mit Gody Kellenberger (einst GCK, Rapperswil-Jona und Kloten) hat der HC Thurgau heute auch einen Ausbildungs- und Nachwuchschef. Mit Christian Rüegg, Andy Küng und Manuel Mettler weitere Profis als Mannschaftsverantwortliche.

Verwaltungsrat Müller setzt sich leidenschaftlich für den Thurgauer Eishockey-Nachwuchs ein. Nicht nur, weil seine zwei Söhne bei den Young Lions spielen. «Anders als in meinem Beruf als Generalunternehmer läuft im Sport nicht alles nach klaren Normen und genauen Plänen. Das ist für mich eine spannende Herausforderung.»

Der EHC Frauenfeld muss aufsteigen

Im Thurgauer Eishockey kommt es zu einem ambitionierten und wegweisenden Projekt. Der 1.-Liga-Club Frauenfeld peilt in Kooperation mit dem HC Thurgau einen Platz in der MySports League an - am liebsten schon diese Saison.
Matthias Hafen