Der Prinz aus Wil: Ein Ostschweizer meistert am Wiener Opernball den Linkswalzer

Der Politikstudent und ehemalige TZ-Praktikant Florian Beer hatte die Ehre, als Debütant am Wiener Opernball aufzutreten. Mit seiner Tanzpartnerin hat er den schwierigen Linkswalzer gemeistert.

Interview: Dinah Hauser
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Florian Beer und Kaya Siercks präsentieren sich vor der Wiener Staatsoper. Er hat sie förmlich per Brief eingeladen, ihn zu begleiten. (Bild: Joseph Khakshouri/Schweizer Illustrierte)

Florian Beer und Kaya Siercks präsentieren sich vor der Wiener Staatsoper. Er hat sie förmlich per Brief eingeladen, ihn zu begleiten. (Bild: Joseph Khakshouri/Schweizer Illustrierte)

Nur wenige schaffen es am traditionellen Wiener Opernball, als Debütanten den Eröffnungswalzer zu tanzen. Der ehemalige TZ-Praktikant Florian Beer darf sich nun dazuzählen. Mit seiner drei Jahre jüngeren Tanzpartnerin Kaya Siercks hat der 21-Jährige aus der Region Wil die Auf­nahmebedingungen erfüllt. In der «Schweizer Illustrierten» vom Freitag ist eine fünfseitige Reportage darüber erschienen.

Was hat Sie so sehr fasziniert am Wiener Opernball, dass Sie mitmachen wollten?

Florian Beer: Vor einem Jahr hatte ein gemeinsamer Freund die Gelegenheit, beim Eröffnungswalzer mitzutanzen. Mich hat dann das ganze Ambiente und die Tradition fasziniert. Ich wollte unbedingt diesen kulturellen Anlass einmal hautnah erleben.

Haben Sie vorher schon Tanzerfahrung gesammelt?

Vor Jahren habe ich einmal bei einem Theater Walzer getanzt. Aber das war nichts Grosses. Erst im Sommer haben wir so richtig mit dem gemeinsamen Training angefangen. Den Walzer habe ich also eher kurzfristig gelernt.

Der schwierige Linkswalzer

Die Tradition des Wiener Opernballs geht auf die Zeit des Wiener Kongresses 1814/15 zurück. Damals fanden erste Tanzveranstaltungen statt – 1935 dann erstmals unter dem Namen Opernball. Traditionell tanzen die ausgewählten Debütanten bei der Eröffnung den Linkswalzer, welcher deutlich schwieriger auszuführen ist als der sonst übliche Rechtswalzer. Anstatt die Füsse zueinander zu führen, werden sie bei der Drehung gekreuzt. Die Wiener Form gilt als die schnellste im Gesellschaftstanz. (dh)

Wie war das Training?

Am Anfang war es sehr ungewohnt. Dafür haben wir etwa acht Tanzkurse besucht, davon waren zwei speziell dem Walzer gewidmet.

Das ist nicht viel.

Der Grundschritt ist zwar schnell erlernt, aber die Harmonie zwischen den Tanzpartnern muss auch erst entstehen. Wir haben sehr viel privat geübt, denn bei der Harmonie kann ein Tanzlehrer nicht viel helfen.

Wie haben Sie Ihre Tanzpartnerin gewählt?

Wir haben einmal darüber gesprochen, wie unser Freund am Opernball tanzte. Ich habe beim Gespräch gespürt, dass Kaya auch Lust und Interesse daran hat, selbst mitzutanzen. Da habe ich sie dann mit einem Brief gefragt.

Kaya Siercks erinnert sich noch gut an den Tag, an welchem sie den handgeschriebenen Brief von Beer im Briefkasten fand. «Er schrieb mir ein selbst verfasstes Gedicht und fragte, ob ich ihn begleiten würde – mit zwei Kästchen zum Ankreuzen: Ja oder Nein. Das war richtig süss», sagt Siercks in der «Schweizer Illustrierten».

Das erinnert ein wenig an Liebesbriefe aus der Primarschule mit den Wahlmöglichkeiten: Ja, Nein und Vielleicht.

Ja, das war vielleicht auch eine Art Vorlage. (lacht) Aber der Wiener Opernball zeugt von Stil und Tradition. Da wollte ich meine Tanzpartnerin auch speziell anfragen. So etwas macht man nicht per SMS.

Haben Sie alle Kosten selbst übernommen?

Nicht ganz. Für den Flug, die Unterkunft und die Tickets zum Opernball sind wir selbst aufgekommen. Die «Schweizer Illustrierte» hat die Miete der Kleider bezahlt. Wir als Studenten waren sehr froh darüber. Der Aufwand hat sich jedenfalls sehr gelohnt.

Auf den Bildern im Magazin ist zu sehen, dass Sie mit der U-Bahn gereist sind.

Ja, das war Kayas Idee. Der Fotograf wollte uns erst bei der Staatsoper fotografieren. Aber der Kontrast zwischen den edlen Kleidern und der «dreckigen» Umgebung hat allen gefallen.

Die Bilder erinnern teilweise auch an Hochzeitsfotos.

Ja, stimmt. Bereits am Flughafen hat man uns gefragt, ob wir auf Hochzeitsreise gehen. Auch in der U-Bahn haben uns alle angeschaut und Fotos gemacht.

Ihre schönste Erinnerung?

Das Einlaufen war sehr emotional. Auf diesen Moment haben alle Debütanten zusammen hingearbeitet. Im Vorfeld bei den Proben hat man sich gegenseitig geholfen und Tipps gegeben.

Auf den Fotos erscheinen Sie beide ausgesprochen hübsch und adrett.

Dankeschön. Durch die Berichterstattung könnte es aber so wirken, als seien wir zwei Schnösel. Das wollen wir aber nicht. Wir sind zwei interessierte junge Menschen, die gerne in diese alte Tradition eintauchen wollten.