Auszeichnung bringt Touristen in einen Bauerngarten in Schlatt

Der 30-jährige Bauerngarten von Susi und Edi Müller in Schlatt ist wildromantisch. Im vergangenen Jahr hat ihn das Netzwerk Bodenseegärten mit dem ersten Preis in der Kategorie «Umweltbewusste Gärten» ausgezeichnet.

Evi Biedermann
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Susi und Edi Müller geniessen das kleine Paradies, das sie geschaffen haben. (Bild: Evi Biedermann)

Susi und Edi Müller geniessen das kleine Paradies, das sie geschaffen haben. (Bild: Evi Biedermann)

Das Paradies liegt in Schlatt, besonders an diesen Hundstagen, wo Schatten zum Zufluchtsort wird. Erschaffen haben das Paradies an der Pfarrhausstrasse Susi und Edi Müller. Ihr Bauerngarten ist ein Gesamtwerk aus Nutz- und Zierpflanzen, romantischen Sitzplätzen und gestalterischem Flair.

Hinter dem 1875 erbauten Bauernhaus scharen sich Hühner um einen stolzen Hahn, und wenn Besuch kommt, schnattern die Gänse. Ein alter Nussbaum spendet viel und ganztägig Schatten, gleich daneben wachsen im Halbschatten Bohnen, Kabis, Fenchel und Salat. Und auf einer Wiese stehen Obstbäume mit Äpfeln, Zwetschgen und Pflümli.

Der Sitzplatz im Schatten des Nussbaums. (Bild: Evi Biedermann)

Der Sitzplatz im Schatten des Nussbaums. (Bild: Evi Biedermann)

Ein solcher Naturgarten lockt nicht nur Insekten, Vögel und Käfer an, sondern auch Gartenfreunde und gelegentlich Touristen. Besonders seit der Garten vergangenes Jahr vom Netzwerk Bodenseegärten mit dem 1. Preis, Kategorie «Umweltbewusste Gärten», ausgezeichnet wurde. Der Preis habe ihren Bekanntheitsgrad gesteigert, sagt Susi Müller.

«Das schönste aber sind die neuen, zum Teil spannenden Bekanntschaften, die mir der Preis bescherte.»

Den Garten hat Susi Müller vor 30 Jahren von ihrer Schwiegermutter übernommen. Seither hat sie ihn erweitert und Schritt für Schritt nach ihren eigenen Vorstellungen gestaltet.

Die meisten Pflanzen sind bewusst angelegt

Es gibt einen Platz, der etwas verwildert wirkt. «Hier darf alles wachsen, was wachsen will», sagt sie, während sie an einer verblühten Blume zupft und deren Samen auf den Boden streut. Hier wird auch nicht gegrast, wie die passionierte Gartenfrau das Jäten nennt. Die meisten Pflanzen sind aber bewusst angelegt. «Du musst mit dem Kopf schaffen», habe ihr die Mutter beigebracht, erinnert sich die Bauerntochter.

Die Rosen sind bereits verwelkt, dafür blühen Graslilien, Wiesenkraut, Hortensien, Akeleien, Zierlauch und Phlox in den Farben lila, weiss und dunkelrosa. Diese Farbkonzept zieht sich durch den ganzen Garten. Und als wär das nicht genug, trägt Susi Müller heute ein weisses T-Shirt und ihr Mann ein lila-­weiss-kariertes Hemd.

Obwohl schnell klar ist, wer in Müllers Garten Regie führt, betont die Protagonistin immer wieder:

«Ohne meinen Mann geht es nicht.»

Er holt ihr die Erde in der Landi, flickt einen Zaun oder zimmert ein Vogelhäuschen. «Vor allem aber redet er mir nicht drein», sagt Susi Müller und wirft ihrem Mann ein Lächeln zu.

Liebevolle Details: Ein Nest mit Vogelfiguren aus Ton. (Bild: Evi Biedermann)

Liebevolle Details: Ein Nest mit Vogelfiguren aus Ton. (Bild: Evi Biedermann)

Vor einem Jahr noch hat er jeweils zwei Pferde vor den Wagen gespannt, wenn Gäste eine Ausfahrt wünschten. Doch ein Sturz von der Leiter, bei dem er sich das Schlüsselbein brach, liess den 82-Jährigen vorsichtiger werden.

Auch Susi Müller hat einen Gang tiefer geschaltet und lässt heute eher mal etwas stehen. Einfach sei das Umdenken nicht gewesen. «Ich musste lernen, toleranter zu sein.» Ein Garten könne einen leicht zum Sklaven machen, sagt sie bei einer Tasse frischem Minzetee. «Es gibt immer etwas zu tun.»

Liebevoll platzierte Details

Wenn es nicht die Pflanzen sind, dann sind es die gestalterischen Details, die Susi Müller auf Trab halten. Töpfe, Krüge, Behälter, kleine Tonfiguren oder manchmal nur Scherben davon, die dem Garten einen Hauch Romantik und viel Charme verleihen. Manchmal braucht es auch einen neuen Stuhl, eine neue Tischplatte oder einen anderen Standort für etwas, das schon lange dasteht.

Man begegnet überall liebevoll platzierten Details: Unter dem Dachgiebel hängen blecherne Giesskannen, die Siebaufsätze dazu finden sich beim Gartenhäuschen, wo sie auf Holzlatten gesteckt, einen kleinen Zaun schmücken.

Die blechernen Giesskannen unter dem Dachgiebel. (Bild: Evi Biedermann)

Die blechernen Giesskannen unter dem Dachgiebel. (Bild: Evi Biedermann)

Das meiste stammt aus dem Brockenhaus, in denen die Gartenfrau immer mal wieder stöbert. Das Sammeln liege ihr im Blut, sagt sie und lacht.

«Ich habe schon als Kind damit begonnen.»

Der Garten ist jederzeit öffentlich zugänglich. Es gibt keinen Hofhund, der einem entgegenkläfft, wohl aber unzählige Vögel, die einen zwitschernd begrüssen.