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Am Anfang war Affe Jimmy: Plättli-Zoo blickt zurück auf 60 Jahre

Einst gebaut für seine Kinder entstand im Plättli-Zoo Frauenfeld unter Walter Mauerhofer senior die weltweit grösste Raubtiershow. Heute besticht die Anlage durch seine familiäre Atmosphäre, am ersten Juni-Wochenende feiert der Zoo Jubiläum. Zeit für einen Blick auf die Entstehungsgeschichte des beliebten Ausflugsziels.
Samuel Koch
Löwe Louis zwischen zwei Generationen: Walter Mauerhofer junior und Elisabeth Engeler (rechts) sowie deren Nachfolger Elvira Wegmann, zukünftige Leiterin des Restaurants Plättli, und Christoph Wüst, stellvertretender Zooleiter. (Bild: Donato Caspari)

Löwe Louis zwischen zwei Generationen: Walter Mauerhofer junior und Elisabeth Engeler (rechts) sowie deren Nachfolger Elvira Wegmann, zukünftige Leiterin des Restaurants Plättli, und Christoph Wüst, stellvertretender Zooleiter. (Bild: Donato Caspari)

Wichtigste Eckdaten während 60 Jahren Plättli-Zoo

  • 1958 Die Familie Mauerhofer mit den drei Kindern Rita, Elisabeth und Walter zieht nach dem Kauf ins Restaurant Plättli. Die ersten Tiere kauft Vater Walter senior für die eigenen Kinder.
  • 1968 Nach der Übernahme eines Affen und der Beschaffung von Löwen bekommt der Plättli-Zoo erstmals den Anerkennungspreis der Stadt verliehen, für die grösste Raubtiershow der Welt.
  • 1973 Die weltweit ersten Schimpansen-Zwillinge in Gefangenschaft kommen als Weltsensation im Plättli-Zoo zur Welt.
  • 1993  Generationenwechsel: Von Walter Mauerhofer senior übernehmen neu Walter junior und Elisabeth die Zoo-Führung.
  • 1995 Raubtiervorstellungen werden aus kommerziellen Gründen eingestellt.
  • 1999 Gründung eines Plättli-Zoo-Fördervereins durch Initiator Fredi Hugelshofer, womit über eine Million Franken für Investitionen zusammenkommen.
  • 2013 In der Sendung «Üse Zoo» berichtet das Schweizer Fernsehen mehrmals aus dem Plättli-Zoo, was diesem erneut den städtischen Anerkennungspreis beschert.
  • 2018 Der Plättli-Zoo feiert sein 60-Jahr-Jubiläum mit einem mehrtätigen Festakt.

Löwe Louis ist ihr ganzer Stolz. Müde auf dem Boden liegend regt sich das Aushängeschild des Frauenfelder Plättli-Zoos sofort, wenn Walter Mauerhofer junior beim grossen Raubtiergehege erscheint. Der 68-jährige Zooleiter und Mitinhaber streckt die Hand durch die engen Gitterstäbe, Louis nähert sich, lässt sich kraulen und wirkt alles andere als gefährlich wie ein Raubtier. Mauerhofers Augen funkeln.

Die zwölfjährige Elisabeth Mauerhofer mit den ersten zwei Löwen. (Bild: PD, 1960)

Die zwölfjährige Elisabeth Mauerhofer mit den ersten zwei Löwen. (Bild: PD, 1960)

Nicht umsonst ziert Louis' Konterfei den Flyer zum 60-jährigen Bestehen des Plättli-Zoos. Am Wochenende vom 1. bis 3. Juni feiert die tierische Attraktion an der Hertenstrasse über der Stadt Geburtstag, mit einem vielseitigen Programm «und hoffentlich schönem Wetter und vielen Besuchern», sagt Elisabeth Engeler. Obwohl für die Festivitäten alles bereit ist, bleibt ein kleiner Wermutstropfen. «Leider ist der neue Spielplatz bis dann nicht wie geplant fertig», sagt die 70-jährige Mitbesitzerin und Verantwortliche fürs Restaurant Plättli. «Mein Bruder ist für den Zoo zuständig, ich fürs Restaurant», meint sie. Das funktioniere einwandfrei, schon seit Jahrzehnten.

Am Anfang waren Ponys, ein Esel und Affe Jimmy

Walter Mauerhofer senior vor einer der ersten Raubtiervorführungen in der Arena des Plättli-Zoos. (Bild: PD, frühe 1970er-Jahre)

Walter Mauerhofer senior vor einer der ersten Raubtiervorführungen in der Arena des Plättli-Zoos. (Bild: PD, frühe 1970er-Jahre)

Früher lebte die Familie Mauerhofer einzig von den Einnahmen des Restaurants, das ihr Vater Walter Mauerhofer senior im Mai 1958 erworben hatte, und in das er mit seiner Frau und den Kindern Walter, Elisabeth und Rita einzog. Seine jüngste Tochter Astrid wurde gar im «Plättli» geboren. Die ersten Tiere – ein Esel und Ponys – waren anfangs für die eigenen Kinder gedacht. Dann kam der Affe Jimmy hinzu, den die Mauerhofers von Bekannten übernahmen, die ihn nicht mehr wollten. «1960 kamen die ersten Löwen», erzählt Engeler, als ob es gestern gewesen wäre. Ein Tierarzt hatte die Jungtiere von Hand aufgezogen und danach den Mauerhofers übergeben. «So begann die grosse Ära», erinnert sich Walter Mauerhofer junior. Weil immer mehr Tiere dazustiessen, etwa der Graupapagei Dora, funktionierte Mauerhofer senior den Tierpark zu einem Zoo mit ersten Gehegen um. «Damals kostete ein Eintritt in den Zoo noch 20 Rappen», sagt Engeler. Im Restaurant sorgte ihre Mutter als Wirtin für weit herum beliebte Fasnachtsdekorationen oder Metzgeten. «Ich musste im Restaurant helfen, Walter bei den Tieren», sagt Elisabeth Engeler. Ihr Bruder nickt: «Ich habe das immer gerne gemacht.»

«Weil wir plötzlich ohne Dompteur dastanden, machte es unser Vater kurzerhand einfach selbst.»

Walter Mauerhofer junior mit Nasenbär und Äffchen Jimmy. (Bild: PD, 1960)

Walter Mauerhofer junior mit Nasenbär und Äffchen Jimmy. (Bild: PD, 1960)

Ein weiterer Meilenstein war die Geburt von Schimpansen-Zwillingen oder die Elefantendame Binga, womit der Plättli-Zoo zum immer grösseren Publikumsmagnet mutierte. Ende 60er-Jahre, als viele Zoos – darunter auch die Mauerhofers – sich Raubtiere beschafften, legte Mauerhofer senior den Grundstein für die grösste Raubtiershow der Welt. «Weil wir plötzlich ohne Dompteur dastanden, machte es unser Vater kurzerhand einfach selbst», sagt Engeler. Gleichzeitig begann er Dompteusen auszubilden, etwa seine Enkelin Elvira Wegmann, Tochter von Jerry rund Rita Wegmann, ledige Mauerhofer. «Es lief gut, es gab tolle Auftritte, auch im Fernsehen, und die Besucher kamen in Scharen», sagt Engeler.

1993 folgte der Generationenwechsel und der Wandel zum Zoo mit familiärer Atmosphäre. Die Mauerhofers stellten die Tierdressuren und Raubtiershows ein. «Es kostete viel Geld, und jemand hätte die Shows als Nachfolger unseres Vaters machen müssen», sagt Walter Mauerhofer junior. «Dafür muss man ein Showman sein», ergänzt er und schmunzelt. Zudem würden es die heutigen Tierschutzgesetze und der fehlende Platz nicht mehr erlauben, solche Shows zu organisieren. Rita und Jerry Wegmann zog es in den Jura, wo sie selber einen Zoo gründeten. Einzig der Kontakt zu Enkelin Elvira blieb bestehen.

«Der Förderverein erlaubte uns zur heutigen Grösse zu wachsen, dank Investitionen von über einer Million Franken für den Bau des Panoramawegs oder des neuen Raubtiergeheges.»

Die erste Raubtiershow in der Arena des Plättli-Zoo. (Bild: PD, frühe 1970er-Jahre)

Die erste Raubtiershow in der Arena des Plättli-Zoo. (Bild: PD, frühe 1970er-Jahre)

Der Zoo laufe heute gut mit jährlich rund 25000 Besuchern. «Es langet», sagt Mauerhofer, Umsatzzahlen kommentiert er aber keine. Dass es den Plättli-Zoo so wie heute überhaupt noch gibt, ist grösstenteils auch der Gründung des Fördervereins durch Fredi Hugelshofer zu verdanken. Zwar ist der Verein mittlerweile aufgelöst. «Er erlaubte uns aber zur heutigen Grösse zu wachsen, dank Investitionen von über einer Million Franken für den Bau des Panoramawegs oder des neuen Raubtiergeheges», sagt Mauerhofer. Deshalb sei er allen sehr dankbar, auch allen Paten für seine Tiere. Grösser werde der Plättli-Zoo vorderhand nicht, «es fehlt schlicht Platz». Langweilig werde ihm und seinen Mitarbeitenden aber nicht. «Ideen sind da, es braucht bald neue Ställe für die Ponys und Kamele.»

Obwohl die Zukunft des Zoos noch nicht in trockenen Tüchern liegt, stehen mit Christoph Wüst und Elvira Wegmann aspirierende Nachfolger in den Startlöchern – quasi als dritte Generation. «Er hilft meinem Bruder, sie übernimmt die Führung im Restaurant», sagt Engeler. «Wir haben noch Lust und machen es so lange, wie es unsere Gesundheit erlaubt», sagt Mauerhofer. Bis dahin kümmert er sich liebevoll um seine Tiere. Nicht nur um das grosse Aushängeschild – den Löwen Louis.

Das Programm zum grossen Jubiläum

Die 60-Jahr-Jubiläumsfeier im Plättli-Zoo an der Hertenstrasse 41 in Frauenfeld geht vom Freitag bis Sonntag, 1. bis 3. Juni 2018, über die Bühne. Am Freitagabend, ab 20 Uhr, spielen «The Circles» rockigen Sound der 60er bis 80er Jahre. Am Samstag, 2. Juni, findet um 10.30 Uhr ein öffentlicher Gäste-Apéro mit Jubiläumsansprachen statt, bevor um 14 Uhr «Dä Nötzli mit de Chlötzli» für Unterhaltung bei Gross bis Klein besorgt sein wird. Im Zoo-Gelände gibt es Kinderanimationen mit gratis Glacé, einem Gumpischloss und vielem mehr. Ab 19.30 Uhr tritt das Duo Anja und Chris auf, das mit seiner Musik zum Tanzen einlädt. Am Sonntag, 3. Juni, spielen die Gino Boys ab 10.30 Uhr zum Frühschoppenkonzert auf und im Zoo gibt es abermals Kinderanimationen mit dem Rahmenprogramm vom Vortag. (sko)

www.plaettli-zoo.ch

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