Der neue Kamelstall muss warten: Was die Tiere und Pfleger im Plättli-Zoo während des Lockdowns machen

Der stellvertretende Zooleiter Christoph Wüst gibt einen Einblick in den fast menschenleeren Frauenfelder Tiergarten.

Claudia Koch
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Christoph Wüst streichelt eines der Kamele im geschlossen Plättli-Zoo.

Christoph Wüst streichelt eines der Kamele im geschlossen Plättli-Zoo.

Bild: Michel Canonica

Wo sich sonst an einem sonnigen Frühlingssamstag 500 bis 600 Personen tummeln, belagern zwitschernde Spatzen die Kieswege zwischen den Tiergehegen. Berberlöwe Louis hebt wegen der ungewohnten Gäste interessiert sein prächtiges Haupt. «Das macht er, wenn Normalbetrieb nicht so ausgeprägt ist», sagt Christoph Wüst. Ansonsten sei bei den Tieren kein Unterschied festzustellen. Denn die Beschäftigungsprogramme und die Pflege für die Tiere laufen wie gewohnt weiter, wenn auch mit Kurzarbeit bei den Tierpflegern.

Der Löwe Louis im Plättli Zoo.

Der Löwe Louis im Plättli Zoo.

(Bild: Michel Canonica)

Auch bei der Futterbeschaffung gibt es bisher keinen Engpass. Gleichbleibend sind leider auch die anfallenden Kosten. Wüst schätzt, dass etwa 400'000 Franken wegfallen, da gerade der Frühling die umsatzstärkste Zeit ist. «Dieses Jahr lagen die Frühlingsferien im Thurgau und im Kanton Zürich schön hintereinander und seit der Schliessung am 17.März stimmte auch das Wetter. Schade drum», resümiert der stellvertretende Zooleiter Wüst.

Die neugeborene Kamelstute Shiva.

Die neugeborene Kamelstute Shiva.

(Bild: Michel Canonica)

Noch keine Unterstützung zugesichert

Ein paar Lichtblicke gibt es, in Form von putzigen Jungtieren wie etwa bei den Schafen, Ziegen und Wildschweinen. Und natürlich Shiva, die am 25. März 2020 geborene Kamelstute. Im Kamelgehege wäre auch die nächste Investition zum Zuge gekommen. «Eigentlich wollten wir den Kamelstall erneuern, dieses Vorhaben muss leider wegen des finanziellen Ausfalls warten», sagt Wüst.

Der Zoo ist zwar für eine gewisse Durststrecke finanziell gerüstet. Doch weder die Versicherung noch der Kanton haben bisher Unterstützung zugesichert. Eine entsprechende Anfrage wurde an Regierungsrätin Monika Knill gestellt, ein Entscheid ist noch nicht gefällt. Denn für Wüst gehört der privat betriebene Plättli-Zoo klar zu den Kultur-Institutionen.

«Wir bieten Erholung, Bildung, Natur und Artenschutz sowie Forschung, das gehört für mich zur Kultur.»

Die verordnete Auszeit nutzt der Zoo dafür, anfallende Unterhaltsarbeiten zu erledigen.

Die Gaissli

Die Gaissli

(Bild: Michel Canonica)

Draussen vor den Toren führt Elisabeth Engeler den Getränkelagerverkauf durch. Wo sich sonst die Autos aneinanderreihen, steht eine Handvoll Fahrzeuge. «Wir haben rund 1000 Flaschen und diverse Snacks an Lager, ein Teil davon hätten wir wegen des Ablaufdatums entsorgen müssen», sagt die Restaurantleiterin.

Der Lockdown trifft das beliebte Ausflugsrestaurant zu einer Zeit, in der sonst Bankette zu Erstkommunion, Ostern oder Konfirmation stattfinden. Annatina Jaeger-Wohnlich hat mit ihren Töchtern Getränke und Biberli ergattert. Sie besucht regelmässig den Zoo und kann mit dem Einkauf immerhin etwas beitragen. Um die Mittagszeit ist der Most ganz und das Bier beinahe ausverkauft, zum Einkaufspreis.

Die Getränke und Süssigkeiten werden verkauft, weil man sie sonst wegschmeissen müsste.

Die Getränke und Süssigkeiten werden verkauft, weil man sie sonst wegschmeissen müsste.

(Bild: Michel Canonica)

Wüst und Engeler sehen hoffnungsvoll dem Juni entgegen, um einen Teil der Saison retten zu können. Wüst arbeitet an einem Schutzkonzept, das er dem kantonalen Gesundheitsamt vorlegen will. «Wir wollen ja nach der Wiedereröffnung nicht gleich wieder schliessen müssen.»

Glosse

Tierischer Vorrang für Frauenfeld

Murgspritzer über tierische Auswanderer des Kamelhofs Olmerswil und das im Plättli-Zoo neugeborene Trampeltier namens Shiva. Und was das alles mit dem Frauenfelder Weihnachtsmarkt zu tun hat.
Samuel Koch