Der Murg entlang: Auf der Spur der frühen Industrie in Frauenfeld

Im 19. Jahrhundert nutzten zahlreiche Fabriken die Wasserkraft der Murg. Eine Führung der Regio Frauenfeld Tourismus gab Einblicke.

Evi Biedermann
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Entlang der Murg, Führung der Regio Frauenfeld Tourismus, in Frauenfeld.
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Entlang der Murg, Führung der Regio Frauenfeld Tourismus, in Frauenfeld.
Entlang der Murg, Führung der Regio Frauenfeld Tourismus, in Frauenfeld.
Entlang der Murg, Führung der Regio Frauenfeld Tourismus, in Frauenfeld.
Entlang der Murg, Führung der Regio Frauenfeld Tourismus, in Frauenfeld.
Entlang der Murg, Führung der Regio Frauenfeld Tourismus, in Frauenfeld.
Entlang der Murg, Führung der Regio Frauenfeld Tourismus, in Frauenfeld.
Entlang der Murg, Führung der Regio Frauenfeld Tourismus, in Frauenfeld.
Entlang der Murg, Führung der Regio Frauenfeld Tourismus, in Frauenfeld.
Entlang der Murg, Führung der Regio Frauenfeld Tourismus, in Frauenfeld.
Entlang der Murg, Führung der Regio Frauenfeld Tourismus, in Frauenfeld.
Entlang der Murg, Führung der Regio Frauenfeld Tourismus, in Frauenfeld.
Entlang der Murg, Führung der Regio Frauenfeld Tourismus, in Frauenfeld.

Entlang der Murg, Führung der Regio Frauenfeld Tourismus, in Frauenfeld.

Bild: Donato Caspari

Lange hat es gedauert, bis das Frauenfelder Tourismusbüro wieder Stadtführungen anbieten konnte. So war es wenig verwunderlich, dass sich am Samstag etwa 40 Personen hinter dem Bahnhof versammelten, um an der ersten Führung dieser Saison teilzunehmen. Andrea Hofmann und Margrit Früh nahmen sie in zwei Gruppen mit auf einen Spaziergang entlang der Murg, die sich mitten durch die Stadt schlängelt.

Das war nicht immer so, denn einst lag Frauenfeld am rechten Ufer der Murg. Die rege Bautätigkeit indes liess den Fluss zum zentral fliessenden Gewässer werden. Mit seinen zwei Kanälen links und rechts war er im 19. Jahrhundert von enormer Bedeutung für die industrielle Entwicklung von Frauenfeld. Zahlreiche Fabriken nutzen seine Wasserkraft.


«Ich wohne seit eineinhalb Jahren in Frauenfeld. Mich interessiert, wie es hier früher war.»
Wilfried Bosshart aus Frauenfeld.

Wilfried Bosshart aus Frauenfeld.

Bild: Evi Biedermann

Auch Firmengründer Michael Maggi geschäftete einige Jahre am Murgufer, zog dann aber vom einstigen Bleicheareal unterhalb des Schlosses weiter nach Kemptthal ZH, wo sein Sohn Julius später den berühmten Suppenwürfel entwickelte. Als Stadtführerin wusste Andrea Hofmann etwas mehr über den Wegzug.

«Einem Gerücht nach soll Maggis Tochter Rosa eine Liaison mit einem Sekundarlehrer gehabt haben.»
Andrea Hofmann, Regio Frauenfeld Tourismus.

Andrea Hofmann, Regio Frauenfeld Tourismus.

Bild: Donato Caspari

Baumwolltücher statt Todesurteile

Auf dem Bleicheareal geschäfteten später auch die Gebrüder Tuchschmid, die Buchbinderei Müller-Martini, die Schlossgarage und ennet der Schlossbrücke die Gerberei Kappeler. Einst grosse und bedeutende Unternehmen, die es heute nicht mehr gibt.

Nicht zu vergessen den Industriepionier Bernhard Greuter, der in Islikon eine Färberei betrieb und aus Platzgründen mit seinem neuen Geschäftszweig, Kattundruckerei und Rotfarb, nach Frauenfeld expandierte. Die «Henke» bei der Verzweigung St.Galler-/Schlossmühlestrasse ist heute eine imposante Zeitzeugin. Hofmann stellte klar:

«Dort wurden nicht etwa Todesurteile vollstreckt, sondern die Baumwolltücher der greuterschen Rotfarb getrocknet.»

Innert Kürze stieg der Pegel um sieben Meter

Der Rundgang führte vom Bahnhof flussaufwärts, über Brücken sowie Stege, von denen es auf dem Stadtgebiet nicht weniger als 26 gibt, und unter ihnen hindurch. Thema war auch das Hochwasser von 1876, das als Jahrhunderthochwasser in die Geschichte einging. Damals stieg der Pegel in kurzer Zeit um sieben Meter an, bei der Eisenbahnbrücke bis auf Schienenhöhe, wo es schliesslich einen Teil der Brücke mitriss.


«Ich staune über die Dichte der industriellen Ansiedlung entlang der Murg. Das ist alles neu für mich.»
Sonja Spoerri aus Bürglen.

Sonja Spoerri aus Bürglen.

Bild: Evi Biedermann

Dagegen hielt die Brücke im Kurzdorf der Flut zwar stand, der Durchfluss wurde aber rasch zu eng. Eiligst wurde deshalb die Artillerie aufgeboten, doch der Versuch misslang, den Durchfluss freizuschiessen. In der Folge wurden massenweise Teile eingestürzter Gebäude, Stege und Buschwerk durch den Fluss und den Kanal getrieben. Hofmann sagte:

«Das Kurzdorf war vom Bahndamm bis zur Kirche und in einem breiten Band bis hinunter zum Buebewäldli überflutet.»

Obwohl die Murg auch später immer wieder Hochwasser führte, hat sie den Wasserstand von 1876 nie mehr erreicht. Dazu sagte Hofmann: «Die Schutzbauten wurden laufend verbessert – das letzte Mal im Jahr 2011.»


«Ich verbrachte meine jungen Jahre im Kurzdorf. Auf dem Rundgang sind viele Erinnerung hochgekommen.»
Heinz Trachsler aus Diessenhofen.

Heinz Trachsler aus Diessenhofen.

Bild: Evi Biedermann