Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Der Müll landet im Thurgau vermehrt neben dem Kübel – Littering kostet Kanton und Gemeinden Millionen

Die durch Littering verursachten Reinigungskosten für den Kanton Thurgau sind 2018 wieder angestiegen. Alleine die Befreiung der 800 Kilometer Kantonsstrassen von achtlos weggeworfenem Müll schlägt mit einer halben Million Franken zu Buche.
Sebastian Keller
Obwohl der Abfallkübel nicht weit entfernt ist, landet im Frauenfelder Lindenpark allerlei Abfall auf dem Boden. (Bild: Andrea Stalder)

Obwohl der Abfallkübel nicht weit entfernt ist, landet im Frauenfelder Lindenpark allerlei Abfall auf dem Boden. (Bild: Andrea Stalder)

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Littering ist wie Akne. Es nützt niemanden, ist aber nicht aus der Welt zu schaffen. Spaziert man an einem Montagmorgen nach einem sonnigen Wochenende in Frauenfeld der Murg entlang, ist der Lindenpark mit leeren Bierdosen, Kartons und Zigarettenschachteln regelrecht übersät.

Mancher Unrat liegt nur ein paar Schritte vom Kübel – von denen reichlich vorhanden sind – entfernt. Doch der Lindenpark ist weder ein Hotspot der Abfallsünder, noch ist Frauenfeld alleine mit diesem Problem. Ungezogene Gesellschaft ist überall zu Gast.

Littering findet auch entlang von Verkehrsachsen statt. Der Kanton weist seit einigen Jahren aus, was es kostet, die 800 Kilometer Kantonsstrassen von Littering zu befreien. Pro Kilometer schlug das im vergangenen Jahr mit 631 Franken zu Buche; 2017 waren es 590 Franken. Optimisten glaubten an eine Kehrtwende. Doch ihre Hoffnung landete im Müll. Insgesamt stieg der Aufwand 2018 gegenüber dem Vorjahr um sieben Prozent auf 501'251 Franken.

Der lange Sommer könnte Einfluss gehabt haben

Was der Grund für den neuerlichen Anstieg ist, kann Kurt Bitzer nicht sagen. Er ist Abteilungsleiter Betrieb beim kantonalen Tiefbauamt. Als mögliche Erklärung schliesst er den überlangen Sommer 2018 nicht aus. So sind die Menschen bei schönem Wetter mehr draussen, mehr unterwegs.

Es könnte aber auch sein, dass die Mitarbeiter des Tiefbauamtes mehr Zeit für den Kampf gegen Littering aufwendeten. «Daher können wir nicht sagen, ob sich das Problem verschärft hat», sagt Bitzer. Klar ist für ihn:

«Littering ist eine Unsitte.»

Man mache sich kein Bild, was Autofahrer alles aus ihren Fenstern schmeissen: Dosen, Hamburgerkartons, aber auch Baumaterial müssten seine Mitarbeiter aufsammeln. «Das ist keine angenehme Arbeit», betont der Abteilungsleiter, «aber sie muss gemacht werden».

In den Gemeinden fallen noch mehr Kosten an

Die Litteringaufwand über eine halbe Million Franken beinhalte nur die Kosten, die durch das Zusammensammeln von Abfälle entlang der 800 Kilometer Strasse anfallen. «Die normale Schmutzreinigung mit Maschinen ist nicht eingerechnet.» Der Kampf gegen das Littering sei primär Handarbeit. «Die Hauptkosten sind daher Personalkosten», sagt Bitzer. Im vergangenen Jahr machten sie 80 Prozent aus. Die Entsorgungskosten beliefen sich auf 10'000 Franken, was gerade mal zwei Prozent entspricht.

Die halbe Million Franken sind nur Kosten, die dem Kanton anfallen. Jene der Gemeinden sind nicht zu beziffern. Schätzungen zufolge belastet das achtlose Wegwerfen die öffentliche Hand im Thurgau mit bis zu sechs Millionen Franken. Den Löwenanteil müssen die Gemeinden bändigen. So rapportiert etwa der Arboner Stadtrat Konrad Brühwiler im Jahresbericht der Stadt: «Insgesamt ist Arbon sauber und ordentlich, doch müssen im Kampf gegen Littering die beteiligten Organisationen stets am Ball bleiben.»

«Die Eltern müssten vormachen, dass Abfall in den Kübel gehört»

«Wir haben keine Zahlen», sagt Ruedi Arni, Strassenmeister in Weinfelden. Eine Zu- oder Abnahme könne er nicht feststellen. «Littering hat es leider immer gegeben.» In seinen Augen müsste das Elternhaus in die Verantwortung genommen werden. «Die Eltern müssten vormachen, dass der Abfall in den Kübel gehört.» Doch selbst in diesem Bereich hat Weinfelden mit einem Phänomen zu kämpfen: So würden «gewisse Einpersonenhaushalte» ihren Unrat in kleine Säcklein verpacken und diese in den öffentlichen Abfällkübel stopfen. Damit wollen sie die Gebühren für den Abfallsack sparen. «Aber das geht nicht», sagt Arni.

Weinfelden hat, wie andere Thurgauer Gemeinden, schon verschiedenste Massnahmen gegen Littering ergriffen. So würden jeweils Schulklassen im Rahmen des sogenannten Clean-Up-Day beim Aufräumen helfen. An jeweils zwei Tagen im September räumt die Schweiz auf. Unterstützung erhält Weinfelden auch von anderer Stelle. Der Weinfelder Strassenmeister sagt:

«An einigen Donnerstagen helfen uns Asylsuchende aus Kreuzlingen.»

Diese würden meistens im Kampf gegen Neophyten – also gebietsfremde Pflanzen – eingesetzt, aber manchmal eben auch gegen achtlos weggeworfenen Abfall.

Polizei stellt weniger Litteringbussen aus

Littering befleckt nicht nur Anstand und Moral. Es ist auch ein Verstoss gegen den Buchstaben des Gesetzes. So kann im Thurgau seit 2008 gebüsst werden, wer eine Dose auf dem Boden entsorgt. Kostenpunkt: 50 Franken. Das gilt auch für Kaugummis, Flaschen, Papier und Zigarettenstummel. Wer den Inhalt eines Aschenbechers auf die Wiese kippt, dem winkt ein Buszettel von 80 Franken.

Im vergangenen Jahr sprach die Kantonspolizei insgesamt 170 Litteringbussen aus. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein leichter Rückgang um 8 Prozent.

93 Prozent der Bussen fielen 2018 in die 50-Franken-Kategorie. Polizeisprecher Daniel Meili folgert: Der ausgedehnte Sommer habe «offenbar» das Littering nicht verstärkt. Doch für die Polizei haben Kleinabfallsünder keine Priorität. Meile sagt:

«Der Kampf gegen das Littering ist nicht das Kerngeschäft der Kantonspolizei Thurgau.»

Die effektive Zahl von Bussen dürfte höher liegen. In rund 30 Gemeinde sind private Sicherheitsorgane damit beauftragt, Littering zu ahnden. Etwa in Arbon.

Hinweis: www.littering-toolbox.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.