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Der mit den Kraftwerken: Der Thurgauer Passivhaus-Pionier Pierre Honegger tritt ab

Er hat die Passivhaus-Architektur über den Thurgau hinaus salonfähig gemacht. Dafür bekam Pierre Honegger früher viel Argwohn von Berufskollegen zu spüren. Nun will der Pionier kürzer treten.
Mathias Frei
Architekt Pierre Honegger auf einem Canapé von Martin Szekély im Büro in Herdern. (Bild: Andrea Stalder)

Architekt Pierre Honegger auf einem Canapé von Martin Szekély im Büro in Herdern. (Bild: Andrea Stalder)

Der Kapitän geht als letzter von Bord. Zu Bestzeiten hatte Pierre Honegger in seinem Büro am Herdermer Südhang acht Angestellte. Passivhäuser werden heute zwar mehr denn je gebaut. Doch Architekt und Büroinhaber Honegger ist mittlerweile der letzte, der hier noch arbeitet. Vor 25 Jahren kam er in den Thurgau, gründete die Firma Honegger Architekt. Hat über die Kantonsgrenzen hinaus das energieeffiziente Bauen etabliert, Häuser von ihm stehen in der ganzen Schweiz und von Japan bis Frankreich. 75 zertifizierte Minergie- und Minergie-P-Bauten entstammen seinem Reissbrett.

Aber das Alter. Heute ist Honegger 68 Jahre alt. «In zwei Jahren will ich mit Arbeiten aufhören», sagt er. Eine Firmennachfolge ist nicht in Sicht. Die Büroräumlichkeiten wird er dann wohl vermieten. Eine Räumungsaktion im Keller hat er schon hinter sich. Aber es warten noch 35 Laufmeter Bundesordner.

Passiv heisst ohne konventionelles Heizsystem

Honegger ist der Passivhaus-Pionier. Ohne ihn wäre der Thurgau heute wohl nicht nationale Spitze, was energieeffizientes Bauen betrifft. Sein Credo:

«Jedes Haus ist ein Kraftwerk.»

Das heisst: Ein Gebäude braucht kein konventionelles Heizsystem, es reichen passive Energiequellen wie die Sonne, Erdwärme, Wärmeenergie von Personen oder von elektrischen Geräten im Haus. Die Wärmerückgewinnung erfolgt über eine Komfortlüftung.

Honeggers Bedeutung zeigt sich auch in den Verbandsmandaten, die er inne hatte. In den letzten Wochen konnte er alle seine Ämtli übergeben. Die IG Passivhaus Schweiz hat er mitgegründet und seit 2007 präsidiert, die Ostschweizer Sektion hat er mitgegründet, war zwei Jahre lang Präsident. Und bei den Energiefachleuten Thurgau stand er seit 2007 an der Spitze.

Honegger, gebürtiger Zürcher, hatte Hochbauzeichner gelernt. Dann begann er an der Kunsti in Zürich ein Studium in Innenarchitektur und Design.

«Das war mir aber zu praxisorientiert.»

So ging er als Hochbauzeichner zu einem Architekturbüro. 1980 machte er sich selbstständig, mit Kunstfotografie hielt sich Honegger über Wasser. Zwei Jahre später gründete er mit einem Berufskollegen aus Frauenfeld ein Büro in Zürich. Das war Honeggers erster Bezug zum Thurgau.

Die Freitagabende in der Kunstgalerie

Schon damals baute er energieeffizient, führte nebenbei eine Kunstgalerie in Zürich. «An Freitagabenden war das wie in einer Besenbeiz», erinnert er sich. Kunstgalerie und Architektur gingen gut zusammen. Die Sammler interessierten sich für die Architektur, und Bauherren kauften bei ihm Kunst. Dann liess er Zürich hinter sich, machte 1996 das Büro in Herdern auf. Sechs Jahre zuvor hatte der deutscher Physiker namens Wolfgang Feist den internationalen Passivhaus-Standard festgelegt. 2003 folgte Honeggers erstes Passivhaus-Projekt, in Hüttwilen.

Viele Architekten begegneten Honegger mit Argwohn. Das gängige Argument der Planer war, dass sich Energieeffizienz und hochwertige Architektur nicht verbinden liessen.

«Meine Meinung ist: Über Architektur lässt sich streiten, aber nicht über Energieeffizienz.»

Das sagt Honegger. Auch im Architekturstudium an der ETH sei das Passivhaus zu lange keine Thema gewesen. Aber Honegger beharrte auf seiner Überzeugung, dass Passivhäuser nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch nachhaltig sind. Und die Banken als Geldgeber gaben im Recht.

«Wenn man ein Passivhaus für 70 bis 100 Jahre baut, ist das eine sehr gute Geldanlage.»

«Bin Kaspar Schläpfer sehr dankbar»

Dass der Kanton Thurgau mittlerweile relativ hohe bauenergetische Standards gesetzlich verankert hat, stellt Honegger zufrieden. «Ich bin alt Regierungsrat Kaspar Schläpfer sehr dankbar für sein Engagement.» Und Nachfolger Walter Schönholzer führe diese Arbeit weiter. Aber auch Honegger hat noch ein wenig Arbeit vor sich. Derzeit sind noch drei Projekte nicht abgeschlossen. In Hüttwilen und Rümlang sei man auf bestem Weg.

«Und für das Bauvorhaben in Unterstammheim bin ich zuversichtlich, dass wir bis in zwei Jahren zumindest mit Bauen begonnen haben.»

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