Der Mammermer David Lang ist mit der Musik verheiratet - seit zehn Jahren

Am Donnerstag ist Komponist David Lang in Frauenfeld mit seiner Tournee «Rosenhochzeit» gestartet.

Christof Lampart
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David Lang während des Tourauftakt-Konzert im alten Singsaal der Kantonsschule in Frauenfeld.

David Lang während des Tourauftakt-Konzert im alten Singsaal der Kantonsschule in Frauenfeld.

(Bild: Christof Lampart)

David Lang ist in Sachen Unterhaltung ein Name mit grossem Unterhaltungswert. Seine feingeistigen, tiefschürfenden und doch stets humorvollen Chansons sind dergestalt, dass man sich durch sie einfach gut unterhalten fühlt. Denn ganz egal, ob er auf Dialekt, Hochdeutsch oder gar Französisch singt – immer wieder dringt beim eingefleischten Kosmopoliten David Lang der «Bub vom See» durch. Ganz nach dem Motto: «Hier sing’ ich, ich kann nicht anders.»

Dem ist auch bei seiner jüngsten Solotour «Rosenhochzeit» so, welche am Donnerstagabend im alten Singsaal der Kantonsschule in Frauenfeld vor rund 60 Personen Premiere feierte. Ganz egal ob er nun schlüpfrige («Sex»), zuweilen stressige («Beziehung im Schnelldurchlauf») oder adoleszente Themen («Fetz») besang, immer tat er es mit einem Lächeln im Gesicht, mit Schalk in Sound und Stimme. Dabei waren es stets die kleinen «Dramen mit Happy End», die er vertont darbrachte.

Er, der so liebend gerne Barpianist geworden wäre und – wie er dem Publikum anvertraute – in den Musikgeschichtsstunden am Konservatorium stets eingeschlafen sei.

«Ich habe dann geträumt, dass Mozart und Beethoven um mich herumtanzen, bis mich meine Mitstudenten am Ärmel zupften, weil der Professor etwas von mir wollte.»

Wie ein gut sitzender, wärmender Handschuh

Anscheinend hat diese eigenwillige Rezeption der musikalischen Altvorderen ihm nicht geschadet, denn Lang musiziert in zunehmend schwierigen Zeiten munter und fröhlich einfach darauf los, sodass es ihm niemand übel nimmt, dass er, wie er selbst einräumt, «aus der Sicht eines klassischen Pianisten musikalisch wohl irgendwo zwischen Klavierhocker und Notenständer» gelandet ist.

Vielmehr ist es diese lockere Art Langs, mit der er sich selbst nicht zu wichtig nimmt, die Zuhörerschaft jedoch umso mehr, die bei derselben hervorragend ankommt. Diese Lockerheit überträgt sich in Windeseile aufs Publikum, passt sich diesem komfortabel an, wie ein gut sitzender, wärmender Handschuh an einem kalten Wintertag, wenn der Thurgauer Komponist, Musiker und Sänger das besingt, was er «die vernachlässigten, kleinen Wunder des Lebens» nennt.

«Ich will dich bestäube, du wirsch no vo mir träume»

Kein Wunder war es jedoch, dass ihm das Publikum gerne noch länger zugehört hätte. In den Zeiten der zunehmenden gesellschaftlichen Abschottung und Tristesse war dieser Tourneeauftakt ein unüberhörbares Signal an alle, die sich von der grassierenden Pandemie-Angst nicht unterkriegen lassen wol­lten. Genauso wie die kleine, nimmermüde Biene, die in einem von Langs Liedern zur angebeteten Margerite meinte: «Ich will dich bestäube, du wirsch no vo mir träume».