Kunststoffsammlung im Thurgau: Der Kuh-Bag hat noch Luft nach oben

Die KVA Thurgau rechnet, dass sie dieses Jahr 440 Tonnen Plastik sammelt. Das Potenzial liegt bei 3000 Tonnen.

Silvan Meile
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Separater Plastikabfall, gesammelt im Kuh-Bag.

Separater Plastikabfall, gesammelt im Kuh-Bag.

Bild: Andrea Stalder

Die Plastiksammlung nimmt Fahrt auf. Der Berg an gesammeltem Kunststoff aus Haushaltsabfällen wird immer grösser. Für das laufende Jahr rechnet die KVA Thurgau auf ihrem Einzugsgebiet mit 440 Tonnen Kunststoff, die statt in Kehrichtsäcken in einem sogenannten Kuh-Bag landen.

Diese separate Plastiksammlung wurde im Oktober 2015 lanciert. In den ersten zwölf Monaten dieses Projekts seien bei der KVA Thurgau rund 135 Tonnen in Kuh-Bags angefallen, sagt Peter Steiner, Geschäftsführer der KVA Thurgau, der 70 Gemeinden angeschlossen sind. In einer gemeinsamen Medienmitteilung mit dem Zweckverband Abfallverwertung Bazenheid und dem Abfallverband St.Gallen-Rorschach- Appenzell sprechen die Beteiligten der Kuh-Bag-Aktion von einer Erfolgsgeschichte. Die Zahlen würden zeigen, dass das Bedürfnis der Bevölkerung nach wie vor gross sei, Kunststoffe aus Haushalten separat zu sammeln.

Die Kehrichtmenge nimmt laufend zu

Noch immer hat aber der Kuh-Bag Luft nach oben. Im Rahmen eines Monitorings habe die eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa für die Schweiz ein Potenzial von 110000 Tonnen solcher Kunststoffabfälle abgeschätzt. «Auf unser Einzugsgebiet umgerechnet ergibt das rund 3000 Tonnen pro Jahr», sagt Steiner. Auf die jährliche Menge Kehricht, die in der KVA verbrannt wird, ist das noch immer wenig. Inklusive Abfall aus Industrie und Gewerbe gehen dort jährlich 150000 Tonnen in Rauch auf.

Peter Steiner, Geschäftsführer KVA Thurgau.

Peter Steiner, Geschäftsführer KVA Thurgau.

Bild: PD

Steiner streicht aber den positiven Aspekt der Plastiksammlung hervor:

«Jede Tonne Kunststoff, die wir nicht verbrennen müssen, gibt uns Kapazität für drei Tonnen ‹normalen› Kehricht, weil Kunststoff etwa den dreifachen Energieinhalt aufweist wie Kehricht.»

Der Geschäftsführer der KVA Thurgau verweist diesbezüglich auf die generell starke Auslastung der Schweizer Kehrichtverbrennungsanlagen bei anhaltendem Bevölkerungswachstum. Letzteres sei auch der Grund, weshalb durch die Kuh-Bags kein Rückgang der Abfallmenge in ordentlichen Kehrichtsäcken zu verzeichnen sei. Im Gegenteil: «Die Mengen nehmen aufgrund des Bevölkerungswachstums schneller zu, als wir mit Kunststoffrecycling entlasten könnten», sagt Steiner.

Die Hälfte kann wiederverwertet werden

Das Ziel der Kuh-Bags ist, den darin gesammelten Kunststoff wiederzuverwerten. Das wird bei rund 50 Prozent der gesammelten Menge erreicht, der Rest ordentlich verbrannt. Die Empa attestiert für die beste Anlage eine technische Recyclingquote von 55 Prozent. Steiner sagt: «Die technische Quote sagt aus, wie viel tatsächlich als Granulat wieder in neuen Produkten genutzt wird. Wir gehen davon aus, dass diese Quote durch den technologischen Fortschritt und das Bedürfnis der Produzenten weiter zunimmt.»

Und wo wird das wiederverwertete Material eingesetzt? «Uns sind insbesondere Anwendungen für die Verpackungsindustrie, die Automobilindustrie und für Rohre bekannt.»

In den kostenpflichtigen Kuh-Bags können Kunststoffverpackungen aus dem Haushalt, aber auch Plastikprodukte wie Blumentöpfe, Eimer oder Kanister gesammelt werden. Die Säcke müssen an eine der Sammelstellen gebracht werden.

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