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Formel-E oder Sion 2026:
Rainer Quenzer hat die Ideen für Grossanlässe

Der Frauenfelder Rainer Quenzer ist Architekt und erarbeitet Konzepte von Grossevents wie der Formel-E in Zürich, Eurovision Song Contest in Baku oder zuletzt den Olympischen Winterspielen Sion 2026. Dabei hat er immer die Zeit im Nacken.
Ines Biedenkapp
Rainer Quenzer ist Architekt für nachhaltige Konzepte und stellt zur Entspannung gerne Kerzenständer aus Stahl her. (Bild: Donato Caspari)

Rainer Quenzer ist Architekt für nachhaltige Konzepte und stellt zur Entspannung gerne Kerzenständer aus Stahl her. (Bild: Donato Caspari)

Er ist ruhig und fokussiert, dennoch schwingt in der Stimme von Rainer Quenzer die Leidenschaft mit. Der 53-Jährige ist Architekt und hat sich mit seiner Firma Qiip auf innovative und nachhaltige Grossprojekte spezialisiert.

Doch ihn nur Architekt zu nennen, wäre zu einfach, denn der gebürtige Frauenfelder ist der Kopf hinter dem Konzept und den Zahlen von Sion 2026, hat mit seinem Team zuletzt den Zürcher Formel-E-Prix-2018 geplant und koordiniert und war beim damaligen Arbeitgeber Nüssli verantwortlicher Generalplaner für die 25'000 Besucher fassende Eventhalle vom Eurovision Song Contest 2012 in Baku, Aserbaidschan.

«Das spannende an solchen Projekten ist immer das festgelegte Enddatum. Man arbeitet als Team nur darauf hin», sagt der gebürtige Frauenfelder. «Eine Eröffnungsfeier einer Grossveranstaltung lässt sich nicht verschieben.»

«Ich bleibe im Herzen immer ein Thurgauer»

In der Schule lag sein Interesse eigentlich eher bei der Luftfahrt: «Und ich habe schon immer gerne technische Zeichnung angefertigt. Das exakte Arbeiten hat mich fasziniert», erzählt er. «Daher lag es nahe, die Ausbildung zum Hochbauzeichner anzufangen und später Architektur zu studieren.»

Durch das Studium in Winterthur zog es ihn immer mehr in den Raum Zürich. «Aber ich bin und bleibe im Herzen immer ein Thurgauer». Nach seinem Studium arbeitete er eine Zeit lang als Projektarchitekt, plante und baute zum Beispiel den ersten Erweiterungsbau des Alters- und Pflegeheims in Frauenfeld. Dann kam er zur Nüssli Group und somit zum ersten Mal mit temporären Grossbauprojekten in Kontakt. «Dort habe ich Blut geleckt», wie er sagt. «Ich hatte aber auch das Glück, dass ich während meiner zehn Jahre bei der Firma deren Planungs- und Beratungsabteilung aufbauen durfte.»

Erleuchtet in Griechenland

Ein Schlüsselmoment stellte eine Griechenland-Reise 2005 dar. Der 53-Jährige konnte selbst sehen, was mit Bauten nach einer Veranstaltung wie Olympia passiert: «Das war ehrlich gesagt ein ziemlicher Schock. Die Anlagen der Sommerspiele von 2004 waren nicht mal mehr für Sportverbände geöffnet, da schlichtweg das Geld für den Betrieb und den Unterhalt fehlte.» 2012 hat er sich dann mit seiner Firma «qiip» selbstständig gemacht. Seither hat er es sich zur persönlichen Aufgabe gemacht, sogenannte weisse Elefanten zu vermeiden. Diese stehen sinnbildliche für einen wertvollen, aber gleichzeitig erdrückenden Besitz.

«Die weissen Elefanten kommen aus der Historie. In Thailand gelten sie als heilig und waren nicht zum Arbeiten gedacht. Doch der Unterhalt kostet sehr viel Geld. Hier ziehen sich die Parallelen zu den Grossprojekten mit dem gleichen Problem», erklärt Rainer Quenzer. Seine Methode ist eine einfache Formel. Man zieht vom sogenannten Vermächtnis des Projekts die Anforderungen eines Grossevents ab. Man stellt sich also die Fragen: Was braucht es am Event und was braucht später einmal die Region. Die Lücke, die sich dadurch ergibt, zeigt auf, was an zusätzlichen Leistungen für die Veranstaltung gebraucht wird: «Und diese Lücke schliessen wir dann mit temporären oder modularen Massnahmen», sagt der 53-Jährige.

«Das Schwierige an diesem Prozess auf Seite des Organisators ist das Verständnis, dass er bereits sieben Jahre vor dem Event die Weichen für die Zukunft stellen muss.»

Man sitzt wie auf Nadeln

Für ihn ist klar: Jeder Event bringt seine eigenen Herausforderungen mit sich. «In Baku haben wir innerhalb von acht Monaten unter widrigsten Bedingungen im Winter das gedeckte Stadion geplant und gebaut.

In Zürich am E-Prix war die Logistik in der Bauphase bei laufendem Verkehr eine echte Herausforderung.» Nur die Events selbst in Ruhe geniessen kann er nicht: «Man sitzt schon wie auf Nadeln und ist nachher extrem erleichtert, wenn alles reibungslos abgelaufen ist.»

Auch auf Nadeln gesessen sind er und sein Team, als es am 10. Juni 2018 um die Abstimmung im Wallis zur Kreditbewilligung des Projektes Sion 2026 ging. Innerhalb von vier Monaten erarbeiteten Rainer Quenzer und sein fünfköpfiges Team 240 Seiten mit einer detaillierten Planung und Kostenanalyse für die Olympischen Winterspiele «Sion 2026».

«Leider haben wir es nicht geschafft, die Walliser von unserem Plan zu überzeugen», sagt Rainer Quenzer. «Nach verschiedenen Negativbeispielen aus der Vergangenheit ist die Zeit wohl noch nicht reif, obwohl das IOC die Reform mit der Agenda 2020 eingeführt hat, welche dem Gigantismus den Riegel schiebt.»

Ein Ausgleich mit Stahl

Wer in den Räumlichkeiten von Qiip nach Protz sucht, wird enttäuscht. Denn am liebsten macht Architekt Rainer Quenzer alles selbst. Auch in seiner zweiten Firma Steel arbeitet er nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit. Er stellt Möbel und Dekoartikel aus Stahl her und entwirft vieler seiner Produkte aus Altmetall und Schrott. Mit den Kerzenständern von Candle-RT hat er zum Beispiel auch das Büro im Givaudan Areal in Kemptthal ausgestattet. Aus alten Ofentüren, Fenstergittern, Gartengeländern oder einem DDR-Christbaumständer werden individuelle Kunstobjekte. «Das ist meine Therapie von der Kopfarbeit», verrät er. Kollegin Daniela Paris kümmert sich um das Farluce-Kerzensortiment. Diese wirken wie echte Wachskerzen, bestehen aber aus Kunststoff und schmelzen daher nicht. (ibi)

Hinweis: www.aboutsteel.ch

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