«Der kommt nicht wieder»: Koch vom «Schiff» in Berlingen hat sich ohne Vorwarnung nach Deutschland verdrückt – über Facebook haben sich nun über 200 Personen um die Stelle beworben

Nachdem der ganze Betrieb im Restaurant Schiff in Berlingen hochgefahren wurde, sorgte das unerwartete Fehlen des Kochs für Probleme. So setzte der Wirt auf Reichweite über Facebook: Mittlerweile haben sich beim Wirt Peter Bommer über 200 Leute um die Stelle beworben.

Margrith Pfister-Kübler
Drucken
Teilen
Peter Bommer, Pächter des Restaurants zum Schiff in Berlingen, blickt durchaus optimistisch in die neue Saison.

Peter Bommer, Pächter des Restaurants zum Schiff in Berlingen, blickt durchaus optimistisch in die neue Saison.

Bild: Margrith Pfister-Kübler

Positive Signale löste die Lockerung des Lockdowns auch im Restaurant Schiff in Berlingen aus. Doch dann, als alles bereits hochgefahren war, liess das unerwartete Fehlen des Kochs das Gemüt des Geschäftsführers Peter Bommer hochkochen. Ohne Vorwarnung habe sich der Koch verdrückt, der vergangenen Donnerstag mit seinem Chef noch die Einkaufsliste für den Neustart im Coronamodus erstellt hatte.

Einfach weg nach der Pandemiepause. Der deutsche Koch kam über die Grenze nach Deutschland.

«Der kommt nicht wieder. Der bleibt bei seiner Freundin in Bayern.»

Zu diesem Schluss kam Peter Bommer. «Aber ich brauche sofort einen Koch», so Bommer, seit fünf Jahren erfolgreicher Geschäftsführer vom «Schiff», der einen Zehn-Jahres-Vertrag in der Tasche hat mit der Gemeinde Berlingen, Eigentümerin des Restaurant Schiff.

So setzte er auf Facebook. Bommer postete: «Gestern ist mir etwas passiert, mit dem ich nie gerechnet habe, und ich brauche eure Hilfe. Unser Koch im ‹Schiff› in Berlingen hat uns im Stich gelassen und sich ganz feige ohne Vorwarnung nach Deutschland verdrückt.» Und weiter:

«Wenn ihr jemanden kennt, dem ihr unsere Küche zumutet, es sollte ein gelernter Koch sein, meldet euch bitte bei mir.»

Der findige Geschäftsführer wurde überrascht. «1733-mal wurde mein Aufruf geteilt. Und ich habe bereits über 200 Bewerbungen bekommen», so Peter Bommer, der dies auch als Solidaritätspaket für die aktuell krisengeschüttelte Gastronomie wertet.

Miete ausgesetzt und mehr Platz für Gartenbeiz

Ein Solidaritätspaket kam auch von der Eigentümerin des Gasthofes Schiff, der Gemeinde Berlingen. Sie zeigte Kulanz, indem sie die Miete für die «geschlossene Coronazeit» aussetzte. Das nahm den Druck von den Fixkosten. Gemeindepräsident Ueli Oswald dazu:

«Diesen temporären Pachtverzicht sieht der Gemeinderat als Beitrag, um die aktuelle Situation des Restaurant Schiff zu unterstützen.»
Ueli Oswald, Gemeindepräsident.

Ueli Oswald, Gemeindepräsident.

Bild: Donato Caspari

«Wir wollen ja alle, dass dieses tolle Restaurant überlebt und nicht in den Ruin getrieben wird», fügt er hinzu. Für diese grosszügige Geste sei er sehr dankbar, betont Bommer und schliesst auch den Dank seines vierköpfigen Teams ein.

Er darf sogar auf dem öffentlichen Platz – ennet des Mäuerchens – auftischen, um die Coronadistanz einzuhalten und trotzdem genügend pandemiefeste Plätze anbieten zu können. Das sei halt Berlingen, wo der dörfliche Zusammenhalt zur Kultur gehört.

Mehr zum Thema