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Der Kanton Thurgau verbietet 50 Gemüsebauern, Wasser aus Murg und Lauche zu pumpen

Ab Freitag gilt ein Wasserentnahmeverbot aus öffentlichen Gewässern, ausgenommen See und Rhein. Die Thurgauer Flüsse und Bäche führen zu wenig Wasser.
Thomas Wunderlin
Die Lauche führt nur noch wenig Wasser; Abpumpen ist nicht mehr erlaubt. (Bild: Donato Caspari)

Die Lauche führt nur noch wenig Wasser; Abpumpen ist nicht mehr erlaubt. (Bild: Donato Caspari)

Regierungsrätin Carmen Haag hat das Verbot unterzeichnet. Mit der Publikation im Amtsblatt gilt es ab diesem Freitag, 13. Juli. Aus Flüssen und Bächen im Kanton Thurgau darf bis auf Widerruf kein Wasser mehr gepumpt werden. Seit drei Monaten hat es an Murg, Thur und Bodensee nur wenig geregnet. Im Juni blieben die Niederschläge in einigen Kantonsteilen deutlich unter dem Durchschnitt, heisst es in einer gestern veröffentlichten Mitteilung des Departements für Bau und Umwelt. Im Juli habe sich die Situation nicht verändert. Die Thurgauer Bäche und Flüsse führen deshalb wenig Wasser. «Die Wärme der vergangenen Wochen, die hohe Verdunstung, der Wind und das Ausbleiben von ergiebigen Niederschlägen haben das Wasserdefizit im Kanton Thurgau verschärft», heisst es in der Mitteilung weiter. Auch die Quellen sprudeln weniger. Der Pegel des Bodensees liegt 60 Zentimeter unter der Norm; auch andere Seen und Weiher haben tiefe Wasserstände. Das Verbot der Wasserentnahme gilt für Bäche, Flüsse und natürliche und künstliche Weiher, ebenso für Fischaufzuchtsteiche und Kanäle, die zu Kraftwerken führen, wie das Departement schreibt. Ausgenommen vom Verbot sind der Bodensee und der Rhein.

Kartoffeln benötigen jetzt nur noch wenig Wasser

Auch darf Grundwasser weiterhin gepumpt und Quellen dürfen genützt werden. Vom Verbot betroffen sind rund 50 Gemüsebauern, die über eine Wasserentnahmekonzession verfügen, sagt Emil Kuratli, Mitarbeiter der Abteilung Gewässerqualität und -nutzung im Amt für Umwelt. Mit dem Wasser, das den Pflanzern jetzt fehlt, haben sie vor allem Gemüse bewässert, teilweise noch Kartoffeln. Auf dem Trockenen sitzen bleiben vorwiegend Gemüsebauern im Lauche- und im Murgtal. Das Verbot gilt auch für einige Konzessionsinhaber der Region Weinfelden, die Wasser aus einem Kraftwerkskanal verwenden. Im Seebachtal koordiniert der Kanton den Bezug Damit eine Bewässerungsgenossenschaft im Seebachtal nicht den Hüttwilersee leer pumpt, koordiniert das Amt für Umwelt den Bezug. Weiterarbeiten wie bisher dürfen die Gemüsezüchter in der Region Basadingen, die ihr Wasser aus dem Rhein pumpen. Nicht zu diesen Glücklichen zählt die Firma Gamper in Stettfurt. Geschäftsführer Simon Forster rechnet mit Mehrkosten, weil er die Kulturen mit teurem Trinkwasser bewässern muss. Ausserdem kann er gar nicht so viel Trinkwasser beziehen, wie er gern hätte. Denn die Kapazität der lokalen Trinkwasserversorgungen reicht dafür nicht. Als Folge erzielt Forster geringere Erträge. «Ich kann die Pflanzen nur noch am Leben erhalten; ich darf nicht so viel Trinkwasser beziehen, wie ich bräuchte, damit sie wachsen.» Gamper, ein Familienunternehmen mit 100 Mitarbeitern, bewirtschaftet vor allem Felder in Stettfurt, Matzingen und Lommis. Angebaut werden unter anderem Blumenkohl, Eisberg- und Kopfsalat, Broccoli, Fenchel und Kohlrabi. Für die Bewässerung der rund 100 Hektaren braucht der Betrieb bei dieser Witterung circa 200 Kubikmeter Wasser pro Stunde und zwar rund um die Uhr. Er bezieht das Wasser nicht nur aus der Lauche, sondern auch aus einem Weiher und aus dem Grundwasser. Drei Viertel davon fallen jetzt weg, rechnet Geschäftsführer Forster.

Eine Bewässerungsanlage im Lauchetal. (Bild: Donato Caspari)

Eine Bewässerungsanlage im Lauchetal. (Bild: Donato Caspari)

Die Trockenheit setzt dieses Jahr früh ein

Zusätzliche Sorgen bereitet ihm, dass die Trockenperiode dieses Jahr früh beginnt. «Bis Ende August pflanzen wir viel neu an; frisch gesetzte Kulturen muss man intensiv giessen, damit sie anwachsen.» Letztes Jahr wurde das Wasser erst im August so knapp, dass ein Entnahmeverbot erwogen wurde. Die Häufung trockener Sommer ist eine Folge des Klimawandels, sagt Marco Baumann, Leiter der Abteilung für Wasserbau und Hydrometrie: «In den letzten Jahren ist es warm und wärmer geworden.» Gamper-Geschäftsführer Forster macht sich Gedanken, wie er auf die Häufung trockener Sommer reagieren kann. «Letztes Jahr haben wir Grundwasserbohrungen im Lauchetal gemacht, leider nicht erfolgreich.» Dieses Jahr werde es wieder Bohrungen geben. Ausserdem möchte Forster versuchen, von den Gemeinden mehr Trinkwasser beziehen zu können.

Flusswasser kostet weniger

Das Departement für Bau und Umwelt hat rund 300 Konzessionen für die Entnahme von Wasser aus öffentlichen Gewässern vergeben. Die Konzessionsinhaber sind meist Gewerbebetriebe wie etwa Kieswerke, die mit Brauchwasser Kies waschen. Rund 75 bis 100 Konzessionsinhaber sind Landwirte; für rund 50 davon gilt das Entnahmeverbot. Die Verbraucher zahlen jährlich 60 Rappen pro Liter pro Minute. Wer beispielsweise eine Konzession für den Bezug von 4000 Liter (4 Kubikmeter) pro Minute löst, der bezahlt jährlich 2400 Franken. Der Betrag ist unabhängig von der tatsächlich bezogenen Menge. Konzessionsinhaber haben zusätzliche Kosten für die Installation und Unterhalt von Förderanlagen, Pumpen und Leitungen.
Die Gemeindewerke garantieren für die Qualität des Trinkwassers und den konstanten Druck. Dafür zahlen Bezüger laut Marco Baumann von der Abteilung Wasserbau zwischen zwei und fünf Franken pro Kubikmeter. (wu)

Waldbrandgefahr weiterhin mässig

Der Kanton Thurgau beurteilt die Waldbrandgefahr weiterhin als mässig, sagt Gerold Schwager, stellvertretender Leiter des kantonalen Forstamts. Gemäss der fünfstufigen Skala des Bundesamts für Umwelt bedeutet das Stufe 2. Im Kanton St. Gallen gilt teilweise Stufe 3. Laut Schwager können exponierte Südlagen stärker austrocknen als flache Gebiete wie der Romanshorner Wald. Im Oberthurgau habe es letzte Woche bis zu 60 Millimeter Niederschlag gegeben. (wu)

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