Der Iselisberger Biowinzer Roland Lenz produziert Cuvées aus welschen Weinen

Winzer Roland Lenz stellt Cuvées aus Weinen aus der Deutschschweiz und der Romandie her.

Stefan Hilzinger
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Winzer Roland Lenz nimmt im Weinkeller in Iselisberg eine Fassprobe.

Winzer Roland Lenz nimmt im Weinkeller in Iselisberg eine Fassprobe.

Bild: Donato Caspari

Die kühlen Nächte Anfang dieser Woche liessen manchen Winzer schlecht schlafen. Karin und Roland Lenz aus Iselisberg ging es da nicht anders. Denn Frost kann die frischen Triebe schädigen und damit die Ernte gefährden. Weil die Nächte leicht bedeckt waren, blieb der Frost aus. «Bisher wenigstens. Das macht uns dankbar», sagt Biowinzer Roland Lenz. Auf der Hut bleibt er die nächsten Tage dennoch.

Frühjahrsfrost ist nur eine der Gefahren, die den Weinbauern das Leben schwer machen. Später im Jahr drohen Hagelschlag, Schädlinge oder Pilzbefall. Konventionelle Bauern setzen auf Fungizide, um dem Echten oder dem Falschen Mehltau den Garaus zu machen. Als Biowinzer darf Lenz das nicht. Er setzt daher auf den Anbau von Sorten, die gegen Pilze resistent sind, sogenannte «Piwi-Sorten». Von den angebauten mehr als 34 Traubensorten auf dem Weingut Lenz sind 22 Piwi-Sorten.

Neue Sorten mit Zukunft

Winzer Roland Lenz und seine Kollegen in der Westschweiz setzen im Rebbau auf sogenannte Piwi-Sorten. «Piwi» ist die Abkürzung für pilzwiderstandsfähig. Die Traubensorten mit Namen wie Divico (blau) oder Cabernet blanc (weiss) sind gegen die im Rebbau altbekannten und gefürchteten Fäulnispilze, wie den Echten und den Falschen Mehltau, widerstandsfähig. Die Winzer können darauf verzichten, die Trauben mit synthetischen Fungiziden zu behandeln. Nebst Bio-Winzern, die ohnehin keine synthetischen Pflanzenschutzmittel einsetzen dürfen, könnten die meist neueren Piwi-Züchtungen auch im konventionellen Weinbau eine Alternative darstellen für anfällige, traditionelle Sorten wie etwa Pinot noir (Blauburgunder). Auf Ende 2019 haben sich acht Schweizer Piwi-Winzer in einem Verein zusammengeschlossen. Die erste Vereinsversammlung hätte Ende März auf dem Iselisberg bei Karin und Roland Lenz stattfinden sollen. Wegen der Coronakrise wurde die Zusammenkunft vorerst vertagt. (hil)

Überregionale Mischungen

Lenz hat derzeit nicht nur viel Arbeit auf dem Weinberg, etwa mit Pflanzen von neuen Piwi-Reben, sondern auch im Keller, wo der neue Jahrgang in Flaschen kommt. Schon im Januar hat er den 2019er-Jahrgang des Cuvées «Naturtalent» bei Coop zur Beurteilung eingeschickt, wo er degustiert und auf Rückstände untersucht wird. Zwei Naturtalent-Weine brachte Coop im vergangenen Herbst erstmals in den Verkauf.

Die Besonderheit: Es sind Mischungen von Weinen aus Piwi-Sorten aus der Deutschschweiz und von Bieler- und Neuenburgersee. Der Weisse war ein Solaris und der rote ein Cabernet Jura. Lenz sagt:

«Die 25'000 Flaschen des Jahrgangs 2018 waren im Nu verkauft.»

Die Idee für diesen Schweizer Biolandwein entwickelten der Grossverteiler, die Branchenorganisationen Bio-Suisse aus Anlass des 25-Jahr-Jubiläums des Ökolabels Naturplan gemeinsam mit Lenz.

Gründung einer gemeinsamen Firma

Wegen des Anfangserfolgs haben drei der beteiligten Winzer in der Zwischenzeit eine gemeinsame Firma gegründet: Die Naturtalent Biowein GmbH mit Sitz in Ligerz BE. Nebst Lenz sind daran auch Bioweinpionier Fredi Strasser aus Oberstammenheim und Bruno Martin aus Ligerz beteiligt. Doch die drei wollen nicht unter sich bleiben, betont Lenz. Die Firma will Schweizer Weine aus Piwi-Trauben grundsätzlich fördern. Lenz sagt:

«Jeder Biowinzer mit Knospe kann sich ab einer gewissen Erntemenge an Piwi-Trauben am Projekt beteiligen.»

Mit dem Mischen von Weinen verschiedener Herkunft – Lenz spricht lieber vom «Verheiraten» – gehen die Winzer auch ein Risiko ein. «Der Abnehmer Coop entscheidet, ob der Vorschlag passt oder nicht», sagt Lenz. Doch angesichts des guten Zuspruchs für den ersten Jahrgang der Naturtalent-Weine bleibt er optimistisch – wie er überhaupt zuversichtlich ist, was die Zukunft von biologisch produzierten Weinen betrifft.

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