Der hundertste Stich: Josef Wicki aus Frauenfeld hat zum hundertsten Mal Blut gespendet

Der Frauenfelder Josef Wicki konnte ein besonderes Jubiläum feiern: Der 74-Jährige hat zum hundertsten Mal Blut gespendet. Insgesamt sind das 45 Liter des roten Lebenselexiers.

Rahel Haag
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Die diplomierte Pflegefachfrau Kordula Schoop nimmt Josef Wicki Blut ab. Er spendet bereits zum hundertsten Mal.

Die diplomierte Pflegefachfrau Kordula Schoop nimmt Josef Wicki Blut ab. Er spendet bereits zum hundertsten Mal.

Bild: Rahel Haag

«Ich bin fast nervöser als beim ersten Mal», sagt Josef Wicki und lächelt ein wenig unsicher. Der 74-Jährige sitzt im Blutspendezentrum im Untergeschoss des Kantonsspitals Frauenfeld und wartet. Er habe eine normale Blutspendekarriere hinter sich, sagt er. Zum ersten Mal habe er im Militär gespendet. «Das war ungefähr 1972.»

Dann geht es los. Wicki legt sich auf einen der violetten Schragen. Kordula Schoop, diplomierte Pflegefachfrau, misst seinen Blutdruck. Anschliessend bindet sie seinen Arm ab und desinfiziert die Einstichstelle. Die drei Formulare sind bereits ausgefüllt.

«Früher hat ein Ausweis gereicht, gelled Sie»

sagt Heidi Aeschbacher. Sie betreut seit bald vierzig Jahren das Blutspendezentrum in Frauenfeld. Zusätzlich hätten die Spender einen Fragebogen ausfüllen müssen – mit zehn Fragen.

Das Blut ist nach der Entnahme 42 Tage haltbar

Schoop sticht mit der 1,9 Millimeter dicken Nadel zu, das Blut fliesst. Innert acht Minuten werden Wicki 450 Milliliter des roten Lebenselixiers abgenommen.

«Wenn wir für heute fertig sind, hat er insgesamt 45 Liter Blut gespendet»

sagt Max Züger, Leiter des Blutspendediensts Thurgau. Nach der Entnahme sei das Blut 42 Tage haltbar. Wicki hat die Blutgruppe Null positiv. Sein Blut kann sämtlichen Personen mit Rhesusfaktor positiv transfundiert werden.

«Ich hoffe, dass ich mit meinem Blut einige Male helfen konnte»

sagt Wicki. Davon ist Züger überzeugt. Sie seien ihren langjährigen Spendern sehr dankbar. «Das ist nicht selbstverständlich.»

Insgesamt habe er nur während zweier Jahre kein Blut gespendet, erinnert sich Wicki. «Als ich auf einer Alp war und den Kühen nachgerannt bin.» Diesen Traum, den er schon lange gehegt habe, hat sich der gelernte Schreiner nach seiner Pensionierung erfüllt.

Wicki wusste, dass seine hundertste Blutspende bevorsteht. «Ich habe gehofft, dass ich das noch erreiche.» Denn mit 75 Jahren ist Schluss. Bei Wicki ist es im kommenden Oktober so weit. «Kann ich vorher nochmals spenden?», fragt er. Aeschbacher und Züger nicken. Er werde bei Bedarf ein Aufgebot erhalten.

Auf dem Heimweg plötzlich wieder geblutet

Unterdessen ist der Beutel gefüllt, die Nadel gezogen. Wicki drückt sich einen Tupfer auf die Einstichstelle und hält den Arm in die Höhe. Dann bekommt er einen Verband. Diesen muss er noch rund drei Stunden tragen. Wicki sagt:

«Es ist mir auch schon passiert, dass es auf dem Heimweg plötzlich wieder zu bluten angefangen hat.»

Nachdem er vom Schragen gestiegen ist, gibt es einen Apéro mit Sandwiches, Früchten und Schinkengipfel. Angestossen wird mit alkoholfreiem Tröpfel. «Vielen Dank für die hundertste Spende», sagt Züger, «und für alle anderen davor.» Zusätzlich erhält Wicki einen Gutschein für ein Restaurant seiner Wahl.

Spender Josef Wicki und Max Züger, Leiter des Blutspendediensts Thurgau, stossen beim Apéro mit alkoholfreiem Tröpfel an.

Spender Josef Wicki und Max Züger, Leiter des Blutspendediensts Thurgau, stossen beim Apéro mit alkoholfreiem Tröpfel an.

(Bild: Rahel Haag)

Auf dem Weg zum Parkhaus sagt er unvermittelt: «Eigentlich hätte ich im vergangenen Jahr zum hundertsten Mal Blut spenden sollen, dann hätte ich zwei Jubiläen feiern können: dieses und den fünfzigsten Hochzeitstag.»