Der Hörhauser Pionier Gubler investiert in Nussbaumplantage mit Bewässerung

In der Tiefenau zwischen Frauenfeld und Felben pflanzt Christof Gubler auf fünf Hektaren rund tausend Walnussbäume.

Stefan Hilzinger
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Verpächter Paul Rüedi steht mit Christof und Heinrich Gubler beim Bohrloch (blau), aus dem das Grundwasser für die Bewässerung gepumpt wird.

Verpächter Paul Rüedi steht mit Christof und Heinrich Gubler beim Bohrloch (blau), aus dem das Grundwasser für die Bewässerung gepumpt wird.

(Bild: Reto Martin)

Die Passagiere im Postauto von Felben nach Frauenfeld wundern sich und auch die Durchreisenden im Zug runzeln die Stirn. Was passiert da östlich des Aldi? Besitzer Paul Rüedi aus Felben hat vom Werweissen gehört und weiss Bescheid: Auf den beiden Äckern links und rechts der Alten Landstrasse stehen schon bald 1000 junge Walnussbäume. Pächter der knapp fünf Hektar grossen Parzellen in der Tiefenau ist Christof Gubler, Ingenieur-Agronom ETH aus Homburg und Sohn des Thurgauer Nusspioniers Heinrich Gubler.

Der professionelle Anbau von Walnüssen nimmt im Thurgau seit einigen Jahren Fahrt auf. Noch unter der Ägide des früheren Leiters der Fachstelle für Obstbau am BBZ Arenenberg, Bruno Hugentobler, haben sich interessierte Bauern vor bald zehn Jahren zu einer IG zusammengeschlossen.

Seither entwickeln sich zwei Zentren für Walnüsse im Kanton: Eines im Oberthurgau, wo eher extensive Sorten kultiviert werden, und eines im Raum Seerücken-Frauenfeld, wo Plantagen mit total 25 Hektaren Fläche künftig um die 100 Tonnen Nüsse pro Jahr abwerfen sollen.

Möglichst bald mit Pflanzen beginnen

Am Rand der beiden Äcker in der Tiefenau liegen Hunderte Pfähle bereit für die noch zu pflanzenden Nussbäume. «Sobald das Wetter mitspielt, wollen wir loslegen», sagt Christof Gubler. Vorerst muss die Fläche aber noch etwas abtrocknen. Das Erdreich muss im Pflanzbereich bis einen Meter tief gelockert werden. Heinrich Gubler sagt:

«Nussbäume brauchen viel Wasser und müssen tief wurzeln, sonst drohen leere Nüsse.»

Um auf Nummer sicher zu gehen, richtet Christof Gubler für die neue Plantage eine Bewässerung ein, mit je einem Sprinkler pro Baum. «Das wird die grösste bewässerte Nussbaumplantage in der Schweiz», sagt Christof Gubler.

Das Wasser holt er mit amtlicher Bewilligung aus dem Untergrund. Ein Markierungspfahl und eine blaue Röhre zeigen die Stelle mit dem Bohrloch an, wo das Wasser künftig gepumpt wird. Zehn Jahre müssen die Bäume wachsen, bis sie erstmals guten Ertrag abwerfen.

Pflanzer gründen AG für Verarbeitung und Vermarktung

Damit sich die Vorleistung von tausenden von Franken pro Hektare auch auszahlen, investieren die Walnussproduzenten in Weiterverarbeitung und Vermarktung. Dazu gründeten sie Ende vergangenes Jahr die Nuss Thurgau AG. Teilhaber der Aktiengesellschaft sind die sechs Nussproduzenten der Region. Christof Gubler ist Verwaltungsratspräsident.

Im Herbst will die AG in Hörhausen eine Anlage zum Waschen, Trocknen und Sortieren in Betrieb nehmen. Ausserdem will die AG Erntemaschinen anschaffen. Die geplante Investitionssumme liegt bei rund 400'000 Franken.

Ein Teil davon will die AG über einen Kredit der Thurgauer Genossenschaft für landwirtschaftliche Investitionskredite und Betriebshilfe (GLIB) finanzieren. Ein entsprechendes Gesuch ist hängig. «Wir wollen unsere Thurgauer Nüsse ohne Zwischenhandel in den Verkauf bringen», sagt er. Die Suche nach künftigen Abnehmern läuft. «Schweizer Walnüsse sind gesucht», davon ist Pionier Christof Gubler überzeugt.

Die welsche Nuss

Seit einigen Jahren fördert die Interessengemeinschaft IG Baumnussproduzenten Thurgau den Anbau von Walnüssen im Kanton. «Walnuss» leitet sich von der Bezeichnung «welsche Nuss» ab, da sich der Baum via Italien und Frankreich in den Norden Europas verbreitet hat. Die Produzenten der IG haben sich im Thurgau in zwei Korporationen – eine im Oberthurgau, eine im Bezirk Frauenfeld – organisiert, die sich etwa um Ernte und Trocknung der Früchte kümmern. Total werden im Kanton etwas mehr als 30 Hektaren Nussbäume kultiviert, wobei der Hauptteil der Bäume in Homburg, Herdern und künftig auch bei Frauenfeld steht. Grösster Produzent in der Schweiz ist der Kanton Waadt. In Graubünden wird die Kultur speziell gefördert, um einheimische Rohstoffe für Bündner oder Engadiner Nusstorten zu bekommen. Unlängst haben die Produzenten in der Bündner Herrschaft eine anderthalb Millionen Franken teure Maschine in Betrieb genommen, um Nüsse zu knacken. (hil)

Tausende pilgern zum Nusspapst

Rund 4000 Besucher waren gestern am Tag der Nuss von Heini Gubler. Sie kamen aus der ganzen Schweiz, aus Deutschland, Österreich, Frankreich und gar aus Afrika.
Margrith Pfister-Kübler