Der Herr der Blinklichter stammt aus Matzingen

Urban German gilt als Erfinder der Geräte, mit welchen Fahrgäste im öffentlichen Busverkehr Halt auf Verlangen wünschen. Dank der Post montiert und wartet er sie bald in der ganzen Schweiz.

Samuel Koch
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Urban German zeigt in seiner Werkstatt in der alten Weberei das neueste Gerät HAV 3. (Bild: Samuel Koch)

Urban German zeigt in seiner Werkstatt in der alten Weberei das neueste Gerät HAV 3. (Bild: Samuel Koch)

Das System ist bubieinfach und längst aus dem Zugreiseverkehr bekannt. Seit einiger Zeit können aber auch Busfahrgäste im öffentlichen Verkehr an Haltestellen einen Knopf drücken, um dem Chauffeur mittels Blinklicht zu erkennen geben, dass sie einsteigen wollen. Kürzlich hat die Stadt Frauenfeld bei der Haltestelle Ochsen an der Zürcherstrasse stadteinwärts ein solches Blinklicht monieren lassen.

Oftmals sind Busse an der Haltestelle vorbeigefahren, weil private Fahrzeuge davor die Sicht der Chauffeure auf die wartende Kundschaft versperrte. Weitere solche Blinklichter als Prototyp für einen Feldversuch der Postauto-Region Ostschweiz stehen etwa in Müllheim, Hüttwilen oder Steckborn.

Erfunden hat diese Neuheit im öffentlichen Verkehr Urban German aus Matzingen, der erstmals 2013 an solchen Geräten herumtüftelte. Roland Fässler, Leiter der Betriebszone Frauenfeld bei Postauto, habe ihm erzählt, dass er oft Reklamationen erhalten habe, weil Buschauffeure trotz wartender Fahrgäste an Haltestellen vorbeigefahren sind.

«Dann habe ich mich sofort an die Arbeit gemacht», erzählt der selbstständige Werbe- und Industrietechniker, der heute noch hauptsächlich mit Beschriftungen seine Brötchen bäckt. Zusammen mit seiner Frau betreibt der 55-Jährige die Firma Repro Satz mit Sitz in der alten Weberei Matzingen.

Verantwortlich für Montage und Wartung

Mittlerweile ist bereits die dritte Version – Halt auf Verlangen (HAV) 3 – auf den Markt gekommen, für welche German sowohl mit der Post als auch mit der Bieler Firma Swiss Innovation Lab AG zusammenspannt und sämtliche Angelegenheiten vertraglich regelt. Derzeit sind in der ganzen Schweiz knapp 20 HAV-3-Geräte im Einsatz. Weitere 120 sind derzeit von der Post bestellt und bei Swiss Innovation Lab in Produktion.

Erfolgreiche Zusammenarbeit mit Bieler Firma

Zwar hat Urban German die Blinklichter Halt auf Verlangen (HAV) 3 erfunden. Produziert werden sie jedoch von der Firma Swiss Innovation Lab AG in Biel, einer laut eigenem Internetauftritt System- und Softwareherstellerin mit innovativen Lösungen für Smart Cities und Smart Mobility. «Wir haben sämtliche Ideen zusammengeführt und zu einem Produkt entwickelt, dass universell einsetzbar ist», meint Pero Juric, Geschäftsleiter der Swiss Innovation Lab. Derzeit laufe die Produktion für die 120 von der Post bestellten HAV-3-Geräte. Klappt alles nach Plan, werden sie bis Ende Juli von Urban German montiert.

Weitere Infos zum Blinklicht gibt’s im Internet: www.seeus.ch

«Sobald sie draussen sind, bin ich für die Montage und die Wartung zuständig», sagt German und erklärt, was das Gerät nebst dem Blinklicht mit Solarzelle, dazugehörigem Drücker mit Blindenschrift und verstellbarer Halterung alles beinhaltet. Er meint:

«Es ist eine ausgeklügelte Sache.»

So wird das Blinklicht von einer Tesla-Batterie betrieben, die selbst bei Minustemperaturen im Winter funktioniert. «Neu zeichnen die Geräte auch wie bei einem Protokoll auf, wenn ein Bus hält oder eben nicht», meint German zum Kontrollmechanismus. Und das Intervall oder die Dauer des Blinklichts lassen sich beliebig einstellen.

Genügend Potenzial in der ganzen Schweiz

Das System des HAV 3 habe sich bewährt, vor allem bei schlechten Sichtverhältnissen bei Dunkelheit oder schlechtem Wetter, meint German. Ein Patent auf sein Gerät, das mit Lieferung und Montage rund 1300 Franken kostet, habe er angemeldet. Bis jetzt habe er aber noch keinen Entscheid erhalten. Reich wird German mit dem Blinklicht-Geschäft bisher nicht. «Aber es reicht zum Leben», sagt er und schmunzelt. 

Er habe zuletzt wegen des Blinklichts viel zu tun. «Ich habe aber auch Freude daran», meint German. Nebst der Grossbestellung der Post nach dem Sieg bei einer öffentlichen Ausschreibung gebe es in der Schweiz noch genügend Potenzial für seine Erfindung. «In der Schweiz gibt es über 120 Verkehrsbetriebe und damit potenzielle Kunden», meint German. Und zusammen mit seinem Partner Swiss Innovation Lab AG lassen sich die Gerätschaften auch weiterentwickeln. German meint:

«Im Ausland wird neu gewünscht, dass sich die Blinklichter für behinderte Fahrgäste selbst per Apps auf einem Smartphone einstellen lassen.»

Und wenn er einmal nicht wegen Montagen oder Wartungen der Blinklichter durch die halbe Schweiz reist oder arbeitet, verbringt der Herr der Blinklichter seine Freizeit in der Natur.