Der Herbst ist da und die Trauben sind bereits gelesen

Zwei Wochen früher als in anderen Jahren sind im Thurgau und im Kanton Schaffhausen alle Trauben zur Weinerzeugung geerntet. Der Regen Ende August und Mitte September hat die Beeren sprunghaft wachsen lassen.

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Die Herbstverfärbung kommt in diesem Jahr erst nach der Ernte. (Bild: PD)

Die Herbstverfärbung kommt in diesem Jahr erst nach der Ernte. (Bild: PD)

(red) Die Fachstelle Weinbau Schaffhausen/Thurgau zieht Bilanz: «Dieses besondere Rebjahr schliesst so, wie es beim Austrieb angefangen hat – rund zwei Wochen früher als normal.» Erst in den vergangenen Tagen haben Bäume, Reben und Wälder ihr Laub verfärbt und damit den Herbst so richtig eingestimmt. Doch die diesjährige Traubenlese ist vor Mitte Oktober bereits Geschichte.

Niederschläge haben Beeren regelrecht «aufgeblasen»

Das seit Monaten anhaltende Niederschlagsdefizit setzt sich auch im September und im Oktober weiter fort. Nach wie vor ist es für die Jahreszeit sehr warm und die Böden sind stark ausgetrocknet. Dennoch können die Weinbauern rückblickend auf die vergangenen acht bis zehn Wochen feststellen, dass wohl die sehr spärlichen, aber trotzdem grösseren Niederschlagsmengen zum Ende der Reifephase zu einer ausserordentlich starken Gewichtszunahme der Traubenbeeren geführt haben dürften.

Insbesondere die teilweise richtig ergiebigen und lokal sehr starken Niederschläge in der letzten Augustwoche und jene vom 13. September haben die Traubenbeeren sortenabhängig regelrecht «aufgeblasen», was in dieser Heftigkeit wahrscheinlich niemand erwartet hatte.

Umso erstaunlicher sind nun auch die durchwegs hohen bis sehr hohen Zuckerwerte. Die Fachstelle stellt fest: «Ein wahrlich besonderer Jahrgang.» Sowohl Menge wie auch die Qualitäten würden stimmen.

Es ist mit deutlich mehr Landwein zu rechnen

Die Trauben zur Weinerzeugung wurden in den vergangenen Tagen alle gelesen. Aufgrund der grossen Mengen und der kurzen Lese- und Verarbeitungszeiten können noch keine Ernteergebnisse kommuniziert werden.

Klar ist aber, dass vielerorts die Höchstmengen im AOC-Segment erreicht oder gar überschritten wurden, und daher mit deutlich grösseren Landweinmengen zu rechnen ist. Die Fachstelle hat deshalb in den vergangenen Tagen zahlreiche Ummeldungen und Klassenwechsel vorgenommen, weitaus mehr als bis zum ordentlichen Termin vom 31. Juli registriert waren.

Population der Kirschessigfliege ist massiv angestiegen

Per Mitte Oktober wurde auch in diesem Jahr das Kirschessigfliegen-Monitoring beendet. An den Standorten in den Kantonen Schaffhausen und Thurgau wurden während zwölf Wochen rund 3500 Fliegen ausgezählt. Die Überwachung der Population zeigt, dass ab Anfang September die Population an allen Standorten teilweise massiv (über 100 Individuen pro Falle und Woche) angestiegen ist.

Das detaillierte Monitoring zeigt gemäss Mitteilung aber auch, dass einzelne Standorte kaum (zum Beispiel Weinfelden) und andere Standorte sehr stark (Schlattingen, Wilchingen/Osterfingen oder Buchberg) dem Druck der Kirschessigfliegen ausgesetzt waren. Die unterschiedliche Exposition wie auch der Zuflug aus anderen Habitaten dürften dafür primär bestimmend gewesen sein.