Der Frauenfelder Jason Kuogo will der erste Schweizer Olympia-Boxer werden

Schweizer Meister ist er schon, doch der Boxer Jason Kuogo will mehr. Das Ziel des 18-jährigen Frauenfelders ist Olympia 2024 in Paris.

Roger Ackermann
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Talentiert und ehrgeizig: Der 18-jährige Jason Kuogo.

Talentiert und ehrgeizig: Der 18-jährige Jason Kuogo.

Bild: Reto Martin (Frauenfeld, 12. Dezember 2019)

Schnelle Erfolge können die Karriere eines Sportlers beflügeln – oder im schlechteren Fall dafür sorgen, dass bei dieser frühzeitig die Luft raus ist. Für den 18-jährigen Jason Kuogo ist klar, dass für ihn nach dem Sieg an der Schweizer Meisterschaft im Halbweltergewicht (bis 64 kg Körpergewicht) Ende November Ersteres gelten soll. «Der Meistertitel war eine grossartige Erfahrung für mich, macht aber auch grosse Lust auf mehr», freut er sich über seinen Coup.

In Martigny hatte sich das Talent vom Boxclub Frauenfeld zum besten Boxer des Landes gekürt, obwohl Kuogo altersbedingt erst ab 2020 bei der Elite hätte starten müssen. Bereits im Frühjahr hatte sich der 1,83 m grosse Boxer bereits den Meistertitel bei der Jugend gesichert.

Bei nationalen Meriten soll es für Kuogo nicht bleiben. Wie gross seine Ambitionen tatsächlich sind, verdeutlicht sein Traum von der Teilnahme an den Olympischen Spielen 2024. «Die Schweiz in Paris zu vertreten ist mein grosses Ziel», blickt der Frauenfelder in die Zukunft.

«Keine Utopie, sondern konsequent»

Wie ehrgeizig dieses Vorhaben ist, verdeutlicht die Tatsache, dass Kuogo der erste Schweizer Boxer überhaupt an Olympia wäre. Wer deshalb versucht ist, seine Ambitionen als abgehobene Träumereien eines Teenagers abzutun, tut dem im persönlichen Gespräch äusserst zurückhaltenden, beinahe schüchternen Sportler Unrecht.

Die nächsten Jahre seiner Boxkarriere hat er zusammen mit seinem Trainer detailliert geplant. Für Engjell Toma sind die sportlichen Ziele seines Schützlings nur folgerichtig:

«In der Schweiz habe ich noch nie einen anderen Boxer mit Jasons Potenzial gesehen. Wenn er weiterhin seinen Weg so konsequent verfolgt, ist die Olympiaqualifikation, so schwierig sie auch ist, definitiv keine Utopie.»

Um die formalen Anforderungen zu erfüllen, wird Kuogo, der im kommenden Jahr seine Lehre zum Automobil-Fachmann abschliesst, mindestens bis 2024 weiter als Amateur boxen. Dann ist der Übertritt ins Profilager laut Toma «ein Muss – egal ob Jason in Paris dabei sein wird oder nicht.» In der Gegenwart steht für Kuogo nun ein Wechsel der Gewichtsklasse an. Nach einem erfolgreichen Jahr mit 20 Siegen in 24 Kämpfen, wird er 2020 im Weltergewicht (bis 69 kg) an den Start gehen.

«Der Meistertitel war eine grossartige Erfahrung für mich, macht aber auch grosse Lust auf mehr»: Jason Kuogo.

«Der Meistertitel war eine grossartige Erfahrung für mich, macht aber auch grosse Lust auf mehr»: Jason Kuogo.

Reto Martin

Talent und harte Trainingsarbeit

Auch in der neuen Klasse will der Frauenfelder, der erst vor zweieinhalb Jahren mit dem Boxen begonnen hat, seinen Aufstieg fortsetzen. «Ziel ist der erneute Titelgewinn an der Schweizer Meisterschaft», so Kuogo, dessen Vater früher in Kenia ebenfalls geboxt hatte. Dabei wird er sich nicht allein auf sein offensichtlich vorhandenes Talent verlassen: «Ich bringe sicher ein gewisses Talent mit», sagt der 18-Jährige, um dann gleich festzuhalten: «Meine Erfolge aber habe ich mir in erster Linie mit viel Trainingsfleiss hart erarbeitet.»

2020 findet wieder eine Boxnacht statt

Jason Kuogo ist unter den knapp 80 Mitgliedern zurzeit der einzige Boxer des Boxclubs Frauenfeld bei den Aktiven. Der im Jahr 1951 gegründete Club führt die Trainings für seine Mitglieder in der Turnhalle Spanner durch. Nach einem Jahr Pause wird der Verein am 12. September 2020 die neunte Ausgabe der Frauenfelder Box-Night durchführen. Dabei wird das Swiss Boxing Team mit Lokalmatador Kuogo in der Konvikthalle auf eine noch zu bestimmende nationale Auswahl aus dem benachbarten Ausland treffen. (rac)

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