Der Geisslibach ist in Basadingen-Schlattingen auf dem Weg zurück zur Natur

Die Aufwertung der Bachlandschaft im national wichtigen Amphibienlaichgebiet in Basadingen-Schlattingen schreitet voran. Die Arbeiten für rund 750'000 Franken sollen Ende Juli abgeschlossen sein.

Thomas Brack
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Gemeindepräsident Peter Mathys am Geisslibach.

Gemeindepräsident Peter Mathys am Geisslibach.

(Bild: Thomas Brack)

Im Naturschutzgebiet Sürch sind die Bauarbeiten im Gang. «Ende Juli sollten sie abgeschlossen sein», sagt Peter Mathys, Gemeindepräsident von Basadingen-Schlattingen. Sürch ist ein Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung und befindet sich in südöstlicher Richtung von Schlattingen in der Nähe des Axpo- Unterwerks.

Ein Augenschein vor Ort vermittelt einen Einblick in den Stand der Arbeiten. Ziel des Projekts ist es, den 1945 kanalisierten Geisslibach in einem etwa 800 Meter langen Abschnitt von der Axpo-Brücke bis zur Abflussmessstation zu revitalisieren.

Die Kosten für das Vorhaben betragen rund 750'000 Franken, davon übernehmen Bund und Kanton 80 Prozent. Mathys sagt:

«Das Elektrizitätswerks der Stadt Zürich EWZ unterstützt das Projekt mit 100'000 Franken.»

Das EWZ hat einen Fonds, der Gewässerprojekte auch ausserhalb der Stadt Zürich mitfinanziert.

An der Böschung werden an einigen Stellen Kies und Humus abgetragen. So wird das Ufer verflacht. Durch Hindernisse wie Wurzelstöcke oder Pfahlbuhnen wird der Lauf des Gewässers beeinflusst und die Strömung variiert von langsam zu schnell. Der Geisslibach soll hier mäandern dürfen wie vor der Kanalisation.

Zusätzlich werden an den abgeflachten Böschungen Weidenkörbe eingesetzt, welche die bisherigen Betonplatten ersetzen. Mittels Drahtgitter wird das Ufer zum nahen Feldweg hin abgesichert, damit der Biber nicht die Fahrbahn unterhöhlen kann. Für ihn werden im dahinter liegenden Teich steile Böschungen geschaffen, damit er sich dort wohlfühlt und seine Höhlen bauen kann.

Bepflanzt werden die neu gestalteten Ufer mit einheimischen Hölzern wie der Schwarzerle. Diese sollen den Bach beschatten und das Wachstum von Algen begrenzen. Im ruhigen Hinterwasser können Fische laichen und andere Amphibien ihren Lebensraum finden.

Sumpf in Ackerland verwandelt

Während des Zweiten Weltkriegs galt es in der sogenannten Anbauschlacht, möglichst viel Ackerland zu gewinnen, um die Ernährung der Bevölkerung sicherzustellen. So wurde das damalige Sumpfgebiet im Sürch durch zahlreiche Drainagen entwässert. Freilich zersetzte sich der Torf, einmal belüftet, auch rasch, wovon heute die überragenden Schächte zeugen. Das Land senkte sich durch die Entwässerung ab.

Durch den gestiegenen Wohlstand können heute die Prioritäten anders gesetzt werden. Wo es möglich ist, soll die Natur wieder in ihr Recht gesetzt werden. Als gelungene Beispiele gelten die Thurkorrektur oder der Murg-Auen-Park in Frauenfeld.

Beim Anblick der Arbeiten am Geisslibach wird die Bedeutung des Begriffs Renaturierung sichtbar: das Zurück-zur-Natur-Führen. Mit den Jahren beleben einheimische Pflanzen und Tiere die neu gestalteten Räume. Dieser Prozess mag für das Auge der Passanten nicht immer schön sein, doch können sich hier eine Vielzahl von Pflanzen und Tieren entwickeln.