Der Für-die-Stadt-Mitdenker: Der politisch aktive Frauenfelder Architekt Bruno Stäheli bereitet sich auf seinen Rückzug aus dem Berufsleben vor

Allein in der Stadt Frauenfeld gibt es 88 Bauten des Architekturbüros von Bruno Stäheli. Jetzt hat der 66-Jährige einen ersten wichtigen Schritt gemacht, um seine Nachfolge aufzugleisen. Die beiden jungen ETH-Architektinnen Joelle Thomas und Lena Stäheli treten in die Geschäftsleitung ein und übernehmen das Büro mittelfristig.

Mathias Frei
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Bruno Stäheli flankiert von seinen Nachfolgerinnen Joëlle Thomas und Lena Stäheli, Bruno Stähelis Tochter.

Bruno Stäheli flankiert von seinen Nachfolgerinnen Joëlle Thomas und Lena Stäheli, Bruno Stähelis Tochter.

Bild: Andrea Stalder (22. September, 2020)

Er war nie nur Architekt, sondern vor allem Frauenfelder. Obwohl Bruno Stäheli gar nicht von hier ist. Vor 27 Jahren ist er von Amriswil in die Kantonshauptstadt gezogen.

«Ich habe die Stadt und ihre Menschen lieb gewonnen.»

Das sagt er. Darum war er eben nie nur Architekt, sondern hat seinen Beitrag geleistet für ein lebenswertes Frauenfeld. Als treibende Kraft hinter dem Schmetterlingstunnel, in der Kerngruppe der IG Velo Frauenfeld, als Gründer des Frauenfelder Architekturforums vor 20 Jahrenoder während eines Jahrzehnts als Präsident des Berufsbildnervereins Bauplaner Thurgau-Schaffhausen.

Ein Stäheli-Projekt: Schlossmühlestrasse 15 in Frauenfeld.

Ein Stäheli-Projekt: Schlossmühlestrasse 15 in Frauenfeld.

(Bild: PD)

Zwei junge ETH-Architektinnen sind die Zukunft

Sie lernten sich vor elf Jahren am ersten Tag ihres Architekturstudiums an der ETH im Zug kennen, sind seither miteinander befreundet und werden mittelfristig die gemeinsame Leitung der Stäheli Partner AG übernehmen: die aus Sulgen stammende Joëlle Thomas und Lena Stäheli, Tochter von Bürogründer Bruno Stäheli, beide Frauen mit Jahrgang 1989. Nach dem Studienabschluss 2015 sammelten sie Berufserfahrung, unter anderem bei Büros wie Harder Spreyermann (Lena Stäheli) oder Staufer & Hasler (Joëlle Thomas). Wenn sich Bruno Stäheli aus dem Berufsleben zurückzieht, bilden sie zusammen mit dem langjährigen Mitarbeiter Thomas Kolb, der für Kontinuität stehe, die Geschäftsleitung. Für das neue Duo ist der Diskurs in der Entstehung eines Projekts ein wichtiges Instrument. Die partnerschaftliche Büroorganisation sehen sie als Chance, zukünftig Beruf und Familie in Einklang zu bringen. (ma)

Das aktuelle 25-Jahr-Jubiläum von Stähelis Architekturbüro, das gegenüber des Alterszentrums Park domiziliert ist, steht unter dem Titel «Wir feiern 25 Jahre Erfahrung und frischen Wind». Wobei es eine leichte Unschärfe gibt, denn Stäheli machte sich bereits vor knapp 26 Jahren selbstständig. Allein in Frauenfeld stehen 88 Stäheli-Bauten, insgesamt hat das Büro seit 1994 rund 300 Projekte realisiert. Nun ist ein erster wichtiger Schritt für Stähelis Zukunft gemacht. Die Geschäftsleitung um Inhaber Bruno Stäheli und Thomas Kolb ist um Stähelis Tochter Lena Stäheli und Joëlle Thomas angewachsen. Die beiden letzteren übernehmen mittelfristig die gemeinsame Leitung.

Von Stäheli: Primarschulanlage Rietwies in Balterswil.

Von Stäheli: Primarschulanlage Rietwies in Balterswil.

(Bild: PD)

«Der Verkehr muss unter den Boden»

Bruno Stäheli ist 66 Jahre alt. Bis 70 will er noch arbeiten. Eine saubere Stabübergabe sei aber sehr wichtig, meint er. Tochter Lena Stäheli sagt dazu: «Bleib, solange du willst.» Das macht er. Für Frauenfeld will er sich so oder so weiter engagieren. «Der Stadt fehlt derzeit eine klare Strategie in der Stadtentwicklung», sagt er. Zu vieles werde an der Verkehrspolitik aufgehängt. Verkehrsplanungen sind für ihn aber nur Mittel zum Zweck.

«Der Verkehr muss aus dem Stadtbild weg, unter den Boden.»

Das ist Stähelis Meinung. Das bringe Vorteile für den Langsamverkehr – Stäheli ist vor allem mit dem Velo unterwegs – und steigere oberirdisch die Lebensqualität.

Eine Stäheli-Projekt: Hotel Frauenfeld in Frauenfeld.

Eine Stäheli-Projekt: Hotel Frauenfeld in Frauenfeld.

(Bild: PD)

Diese Idee stand auch beim von ihm entwickelten Schmetterlingstunnel zur Stadtentlastung Pate. Stähelis Vorschlag: ein unterirdisches Nord-Süd-/Ost-West-Kreuz. Der «Schmetterling» zog in Frauenfeld grosse Kreise und kam wohl in die engere Auswahl, aber nicht zum Fliegen. Die Publizität hätte er nicht gebraucht, es ging Stäheli um die Sache. Wie damals beim Bahnhof 2000, als Stäheli noch als angestellter Architekt ein Projekt einreichte, das den Bahnhofplatz nicht mittels eines Tunnels, sondern über eine Umfahrungsstrasse nördlich des Bahndamms verkehrsfrei gemacht hätte.

Vom Büro Stäheli: Sekundarschulanlage Reutenen in Frauenfeld.

Vom Büro Stäheli: Sekundarschulanlage Reutenen in Frauenfeld.

(Bild: PD)

Im Gefolge des Bahnhofs 2000 initiierte Stäheli ein Architekturforum in Frauenfeld, einen Ort des Austauschs und des Mitdenkens für Berufskollegen. Damals verlief die Idee im Sand.

«Ich habe den Eindruck, dass sich heute vermehrt junge Architektinnen und Architekten in Frauenfeld engagieren wollen.»

Er nehme sich nicht heraus, Stadtentwickler zu sein, aber er wolle mit seinem Wissen und seiner Erfahrung einen Beitrag zum zukünftigen Frauenfeld leisten. Vielleicht in Zukunft auch in einem institutionalisierten politischen Rahmen? Stäheli stand vergangenen Frühling auf der GLP-Kantonsratsliste.

Ein Stäheli-Projekt: «Himalaya» an der Ecke Grabenstrasse/Oberstadtstrasse in Frauenfeld.

Ein Stäheli-Projekt: «Himalaya» an der Ecke Grabenstrasse/Oberstadtstrasse in Frauenfeld.

(Bild PD)