Der Evangelische Kirchenchor Sirnach erlebt ein stilles Jubiläum

Der Evangelische Kirchenchor Sirnach ist 125 Jahre alt. Wegen der Coronakrise konnte das noch nicht gefeiert werden.

Christoph Heer
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Der erweiterte Evangelische Kirchenchor Sirnach bei einem Auftritt im Jahr 2014 in der evangelischen Kirche Sirnach.

Der erweiterte Evangelische Kirchenchor Sirnach bei einem Auftritt im Jahr 2014 in der evangelischen Kirche Sirnach.

(Bild: Christoph Heer)

Es ist ein beachtlich hoher Geburtstag für den Verein: Der Evangelische Kirchenchor Sirnach wird dieses Jahr 125 Jahre als. Unlängst hätte das während der Delegiertenversammlung des Verbandes der Evangelischen Kirchenchöre Thurgau (VEKT) und dem gleichzeitig stattfindenden Offenen Singen gefeiert. Zwar im kleinen und feinen Rahmen, aber man hätte. Abgesagt, hiess es jedoch. Die Coronakrise macht den Feierlichkeiten einen Strich durch die Rechnung.

«Ein Verschiebungsdatum für die VEKT-Delegiertenversammlung und das Offene Singen kenne ich bis dato nicht», sagt Vereinspräsident Heinz Ernst. Zum diesjährigen Jubiläum hätte auch die für den August geplante eintägige Chorreise ins Baselbiet mit dem Besuch des Musikautomatenmuseums in Seewen gehört. «Hoffentlich kann sie dann wirklich stattfinden», sagt ein skeptischer Präsident. Aktuell wird zudem auf die Mittwochabendproben verzichtet. Man hält sich an die Weisungen des Bundesamtes für Gesundheit.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Der 125-jährige Verein hat viel Spannendes, Kurioses, Lustiges und Trauriges zu erzählen. «Flauten hatte der Chor in den 125 Jahren seines Bestehens schon mehr als einmal», sagt Ernst. Die Akquirierung von Neumitgliedern sei eine wichtige, aber schwierige Aufgabe. «Doch bekanntlich stirbt die Hoffnung ja zuletzt.» Aktuell zählt der Chor rund 25 aktive Mitglieder, wobei es für grössere Projekte wiederkehrend gelingt, sogenannte Gastsänger zu rekrutieren. Dabei besteht jeweils die Hoffnung, den einen oder anderen «behalten» zu können.

Wer einmal dazu gehört, bleibt oft jahrelang dabei. Heinz Ernst verweist auf ein ehemaliges Chormitglied und sagt:

«Unsere Sängerinnen und Sänger zeigen eine Treue zum Chor, wie man sie sonst kaum in einem anderen Verein findet.»

Austritte erfolgten fast ausschliesslich aus gesundheitlichen Gründen. «Hansueli Thalmann aus Wiezikon zum Beispiel hat während 62 Jahren im Kirchenchor gesungen. Eine tolle Leistung.»

Heinz Ernst antwortet auf die Frage, ob man sich nur auf kirchliches Liedgut beschränke, mit einem klaren «Nein». Es sei gemischt, aber die Kirchenmusik bilde selbstverständlich den Schwerpunkt. «Es kommt auch vor, dass wir weltliche Kanons oder fremdsprachige Lieder singen. Aber das hat seine Grenzen, weil nicht alle Mitglieder in den Fremdsprachen gleich gut ausgebildet sind.» Gerade beim Einsingen würden auch Spasslieder oder ein schmissiger Kanon den nötigen Schwung in die Reihen des Kirchenchores bringen.

Viele Höhepunkte in den vergangenen Jahren

Ernst lässt die Vergangenheit Revue passieren. Höhepunkte in den vergangenen Jahren hebe es viele gegeben. Zum Teil waren das Auftritte bei Gottesdiensten in Sirnach. «Auswärtige Auftritte waren immer besondere Erlebnisse, einmal sogar im Münster von Bern. Konzerte mit grösserem Probenaufwand haben immer wieder gezeigt, dass wir als Chor etwas Anspruchsvolles fertigbringen.»

Die Chorreisen blieben sowieso in bester Erinnerung. «Unsere beliebte Chorleiterin Ruth Peter hat sich vor zwei Jahren und nach dreissigjähriger Tätigkeit zurückgezogen», sagt Heinz Ernst. Glücklicherweise sei es gelungen, in Claudia Steinlin, eine «hervorragende Nachfolgerin» zu finden.

«Die meisten unserer Sängerinnen und Sänger sind Leute im mittleren und im Seniorenalter», erklärt Ernst und wirbt für das Singen im Kirchenchor: «Es bedeutet Bildung im besten Sinne. Gefordert werden Kopf und Stimme, dazukommen die unbezahlbaren sozialen Kontakte, die bei uns eine eminent wichtige Rolle spielen.»